«Ein Schachspieler ist wie ein Dirigent», sagt Dragomir Vucenovic, Teilnehmer und Mitorganisator des Uitiker Champions Day im Schnellschach. «Man muss die Figuren dirigieren, dass sie harmonisch zusammenwirken. Man muss entscheiden, welche Figur eine Solistenrolle einnimmt. Und man muss schauen, dass die Hauptrolle die ganze Mannschaft hinter sich führt. Für mich ein Genuss, wie bei einem guten Musikstück.»

Schnellturnier mit Zeitdruck und Dramatik

Am Champions Day in Uitikon wird in einer speziellen Art und Weise Schach gespielt. Es findet ein Rapidturnier statt. Der besondere Reiz daran: der Zeitdruck. Dabei spielt man sieben Runden, wobei jeder Spieler pro Partie lediglich 15 Minuten Zeit hat. Ist die Zeit abgelaufen oder wird man schachmatt gesetzt, hat man verloren. So entsteht auch eine gewisse Dramatik im Spiel. «Vielleicht hat man gerade einen kleinen Vorteil, aber kaum mehr Zeit. Man merkt, wie das Adrenalin hochgeht. Gegen Ende wird man immer schneller und nervöser», erläutert Vucenovic, der bereits mit sechs Jahren begonnen hat, Schach zu spielen.

Zeitnotphase mit Ruhe meistern

Hier sieht der 72-Jährige dann auch einen Nachteil des Schnellschachs: «Je schneller man spielt, desto mehr leidet die Qualität des Spiels.» Denn Schach zeichnet sich durch Ruhe und Überlegung aus. Deshalb spielen auch die meisten Jungen lieber Rapidturniere. «Die sind noch etwas schneller im Kopf. Zudem kann man heute online viel schneller die Eröffnung erlernen», meint der Uitiker. Doch das Fundament für ein subtiles Endspiel braucht eben seine Zeit. «Man muss diese Zeitnotphase mit Ruhe meistern, aber dennoch schnell spielen. Ich habe auch schon gesehen, dass ein Spieler seinen Gegner eine Sekunde vor Ablauf der Zeit matt gesetzt hat», erinnert sich
Vucenovic, der für die Schweizer Nationalmannschaft über 100 Partien bestritten hat. Darunter auch 1982 an der Schacholympiade in Luzern.

«Wie eine Erholung vom Alltag»

Rapidschach sei aber eine ziemlich beliebte Variante, meint der 72-jährige Uitiker, der sein Training vor allem durch Verfolgen von aktuellen Turnieren im Internet gestaltet. Es geht nicht allzu lange und man kann gegen mehr Gegner spielen. Deshalb kommen die Spieler auch gerne nach Uitikon. Im Saal sei es sehr bequem. Und zudem können sich die Spieler dort auf die Schach Mannschaftsmeisterschaft vorbereiten, die im September startet. «Es ist wie eine Erholung vom Alltag», sagt Vucenovic, der neben seinen Titeln an den Senioren-Schweizer-Meisterschaften auch einige Medaillen an Senioren-Europa- und -Weltmeisterschaften abräumen konnte, diese aber im traditionellen Schach.

Vucenovic ist in seinem Element

Beim Schach ist er in seinem Element. Das merkt man, als der FIDE Schachmeister eine Partie nachspielte, um auf dem Foto mit einer bestimmten Position zu sein. «So habe ich einmal ein Endspiel eingeleitet. Ich habe vor meinem Zug etwa 20 Minuten überlegt und gerechnet. Dann wusste ich, dass ich gewinnen werde», erklärt er. «Danach kam ein Freund zu mir und meinte nur: magnifique», ruft er sich strahlend ins Gedächtnis. Schnelles und intensives Schach kann man am Samstag ab 12 Uhr im Üdiker Huus in Uitikon verfolgen. Dort wird man sicher auch Dragomir Vucenovic in Aktion sehen.