Curling
Ein Herz und eine Seele, aber zwei Besen

Beim Startspiel der Swiss Curling League A stehen sich die Greiner-Schwestern gegenüber. Konkurrenzdenken gibt es aber nicht.

Pia Schüpbach
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Ein Herz und eine Seele, aber zwei Besen

Ein Herz und eine Seele, aber zwei Besen

Limmattaler Zeitung

Curling? «Da sind wir seit Baby dabei», sagt Janine Greiner und lacht. Der Urgrossvater spielte den ersten Stein, die Grosseltern waren ebenso heiss aufs Eis wie danach die Eltern von Janine (29) und Jacqueline (28). Curling – eine Familiensache.

Wenn am 19.November in Arlesheim die Swiss Curling League A startet, dann werden sich die Schwestern gleich im ersten Spiel gegenüberstehen. Janine vom Team Davos freut sich nicht besonders auf das familieninterne Duell. Sie sagt: «Bis das erste End gespielt ist, wird es ein merkwürdiges Gefühl sein.

Eine muss ja mit ihrem Team gewinnen. Da würde es mir leidtun, wenn wir beispielsweise hoch gewinnen würden. Andererseits: Würden wir verlieren, dann hätte wenigstens die Schwester gewonnen.» Jacqueline, Skip vom Team Uitikon-Waldegg, sagt: «Ich spiele ja nicht gegen Janine, sondern gegen ein anderes Team. Es geht um Steine und nicht um Menschen.»

Erst auf diese Saison hin hat Jacqueline Greiner (Schlieren) vom österreichischen Team Kitzbühel zu den Limmattalerinnen gewechselt. In Österreich hätte sie sich aufgrund des Reglements mit ihrem Schweizer Pass nie für Olympische Spiele qualifizieren können – ein Ziel, das sie indes mal erreichen will.

Ihre Schwester Janine (Fahrweid) hat das bereits geschafft. Mit Skip Mirjam Ott erreichte sie im vergangenen Jahr bei Olympia den 4.Rang. Die Ältere als Vorbild für die kleine Schwester? «Ich bin megastolz auf sie», antwortet Jacqueline, «aber Vorbild ist ein zu grosses Wort.»

Konkurrenzdenken? Gibt es nicht

Die Schwester spielen auf demselben Niveau, finden sie beide. Und ergäbe es sich dereinst, würden sie gerne wieder im gleichen Team curlen. «Mit Janine zusammenzuspielen, ist das Grösste. Das passt einfach», sagt Jacqueline. 16 Jahre lang haben die beiden immer mal wieder für das gleiche Team gespielt, besonders erfolgreich zu Juniorinnenzeiten mit drei Meistertiteln.

Konkurrenzdenken gab und gibt es nicht. «Wir sind ja auch nur ein Jahr auseinander», sagt Janine. Wegen Streitereien löste sich zwar das erfolgreiche Juniorinnenteam damals auf, doch die Schwestern waren selbst in diesen schwierigen Zeiten «ein Herz und eine Seele», wie Jacqueline es ausdrückt.

Curling – eine Greiner-Familiensache. Das zeigt sich jeweils auch am Montagabend in der Zürcher Superliga. Dann treten Papa Greiner, Sohn Joel und eine oder beide Töchter gegen andere Teams an. Der Sport dominiert bei Gesprächen am Familientisch. Allerdings habe auch anderes Platz: von Herzschmerz bis hin zu politischen Diskussionen.

Ab heute curlt Janine mit ihrem Team in Gstaad um die EM-Qualifikation. Zudem möchte sie mit Davos Schweizer Meister werden und an die WM fahren. «Wir nehmen aber Ziel für Ziel», sagt Janine Greiner.

Auch Jacqueline fände einen SM-Titel «schön». Allerdings muss sich das neu formierte Limmattaler Team erst noch finden. Wer dem Titel näher ist, wird sich am 19. November beim Duell zwischen Davos und Uitikon-Waldegg ein erstes Mal zeigen. Wie auch immer die Meisterschaft ausgehen wird: Hauptsache, eine Greiner gewinnt.