Nachdem Jonas Wittwer bei den Grasshoppers vor verschlossenen Türen stand, öffnete sich ein Fenster in der «NHL des Unihockeys». Der Gebenstorfer spielt künftig in Schweden für Aufsteiger Karlstad – in der stärksten Liga der Welt.

Es liegen turbulente Wochen hinter Jonas Wittwer, dem derzeit dritten Torhüter der Schweizer Unihockey-Nationalmannschaft. Keine zwei Monate ist es her, als ihm von GC überraschend mitgeteilt wurde, dass er für die kommende Saison keinen neuen Vertrag erhält. Dass er dennoch einen ziemlich aufgeräumten, ja gar überglücklichen Eindruck macht, zeigt eindrücklich, wie geschlossene Türen ungeahnte Möglichkeiten eröffnen können. «Weil zu diesem Zeitpunkt alle NLA-Teams ihre Kaderplanung abgeschlossen hatten, schien es , als würde ich für die kommende Saison keinen Verein mehr finden», erzählt Wittwer.

Lukas Wittwer neu bei Limmattal

Dabei wäre das Gesamtpaket für nahezu jeden Verein in der Schweiz ziemlich verlockend gewesen, schliesslich beinhaltet es neben dem Nationalgoalie auch dessen 25-jährigen Bruder Lukas Wittwer, auch er ein Internationaler. Während Lukas, der Ältere der Wittwer-Brüder, schliesslich den Entschluss fasste, sich in diesem Jahr auf die berufliche Laufbahn zu konzentrieren, deswegen 15 Angebote ablehnte und nächste Spielzeit bei Limmattal in der 2. Liga spielen wird, schaltete Jonas Wittwer einen Bekannten ein, der eine Spielervermittler-Agentur in Schweden betreibt.

Bald flatterten zwei Angebote aus Stockholm und Karlstad ins Haus. Mit leuchtenden Augen blickt Wittwer zurück: «Als ich vom Interesse aus Schweden vernommen hatte, musste ich erst einmal leer schlucken. In der stärksten Liga der Welt zu spielen war schon immer mein Traum.» Tatsächlich war dieser Schritt in seiner eigenen Karriereplanung als absolutes Highlight angedacht.

Familiär und professionell

Nach Besuch beider Städte und Vereinsanlagen setzte er seine Unterschrift unter einen Einjahresvertrag, mit Option auf ein zweites Jahr, beim Aufsteiger aus Karlstad. «Der Verein ist sehr familiär und doch professionell geführt. Ausserdem gefällt mir die kleine, ruhige Stadt.» Hinzu kommt, dass Wittwer seine Wohnung mit einem ebenfalls neu verpflichteten Schweizer teilen wird, wodurch er nicht völlig auf sich alleine gestellt sein wird. Wie für einen Liganeuling üblich, werden die beiden Schweizer mit Karlstad vorerst um den Ligaerhalt kämpfen, auch wenn die Truppe das Potenzial besitzt, sich für die Playoffs der besten acht Teams zu qualifizieren.

Voraussichtlich am 1. August wird für den erst dritten Schweizer Torhüter und ersten Aargauer überhaupt in der «NHL des Unihockeys» das Schweden-Abenteuer starten. Die Vorfreude ist aber bereits jetzt riesig: «Ich kann es kaum erwarten, bis es endlich losgeht.» Klar, in Skandinavien wird schliesslich alles eine Stufe grösser sein.

Support auch für Nati-Karriere?

Auch im beschaulichen Karlstad dürften gegen 1000 Zuschauer an die Heimspiele pilgern, dazu wird jede Woche das Montagsspiel live im TV übertragen. Sollte Wittwer seinen Job gut erledigen, dürfte auch ein Vorrücken in der Nati-Hierarchie die logische Konsequenz sein. Obwohl sein Torhüterkollege und die aktuelle Nummer 1 der Nati ebenfalls ein Grund war, wieso der 23-Jährige das GC-Tor verlassen musste, blickt der bekennende Christ optimistisch in die Zukunft. Es würde zu seiner Geschichte passen, wenn genau dieser Rückschlag dazu führen würde, dass er sich den Stammplatz im Nationalteam erkämpfen könnte.