Akrobatikturnen
Ein Duo mit grossen Zielen

Dario Speidel und Alisha Thaller vom KTV Dietikon starten an der EM.

Michel Sutter
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Dario Speidel und Alisha Tanner bei den Zürcher Meisterschaften. zvg

Dario Speidel und Alisha Tanner bei den Zürcher Meisterschaften. zvg

Montagabend in einer Turnhalle in Niederlenz. Dario Speidel und Alisha Thaller machen sich bereit für ihre zweistündige Trainingseinheit. Das Duo vom KTV Dietikon turnt seit einem Jahr als gemischtes Paar in der Kategorie Akrobatikturnen zusammen und das sehr erfolgreich: Die beiden haben am vergangenen Sonntag bei den Junioren den Titel bei den Zürcher Meisterschaften gewonnen und sie sind die amtierenden Schweizer Meister. Für Speidel ist es der erste Schweizer-Meister-Titel. Thaller hingegen ist schon mit ihrem vorherigen Partner zweimal Schweizer Meisterin bei den Junioren geworden.

Als Paar sei es wichtig, dass die Chemie stimme, sagt der 19-jährige Speidel, der wie Thaller (14) schon im Alter von fünf Jahren mit dem Turnen begonnen hat. «Man muss schon gut miteinander auskommen.» Doch generell sei das Turnen als Paar viel interessanter als allein.

Dass die beiden in Niederlenz trainieren, hat mehrere Gründe. «Wir haben keine Bodenquadratfläche in Dietikon», erklärt Speidel. Die Sportakrobaten benötigen nämlich eine zwölf mal zwölf Meter grosse, gefederte Bodenfläche. «In Niederlenz und in Rümlang, wo wir auch noch trainieren, ist diese Fläche vorhanden.» Zudem ist Niederlenz bezüglich Distanz näher für Thaller, die in Magden im Kanton Aargau wohnt. Speidel wohnt in Weiningen, doch der Weg nach Niederlenz ist für ihn kein Problem: «Ich habe ein Auto.»

Vier bis fünf Trainings

Und das braucht er auch angesichts der vielen Trainingseinheiten, die er und seine Turnpartnerin absolvieren. Pro Woche trainieren die beiden vier- bis fünfmal zusammen je zwei Stunden. Hinzu kommen drei bis vier Stunden Einzeltraining samstags und sonntags. Hat man angesichts dieses Aufwands nicht manchmal einfach genug vom Turnen? «Es ist noch nie vorgekommen, dass ich überhaupt keine Lust aufs Training hatte», sagt Speidel. Ähnlich ist es auch für Thaller.

Neben dem Turnen haben die beiden verständlicherweise kaum Zeit für anderes. Bei Speidel, der in einem Pensum von 40 Prozent als Zeichner in einem Ingenieurbüro arbeitet, hat der Sport zeitlich gesehen sogar Vorrang. «Ich bin eigentlich mehr in der Halle als bei der Arbeit», sagt der 19-Jährige und schmunzelt. Thaller ist noch Schülerin.

Die beruflichen Ambitionen ganz aufzugeben und sich nur aufs Turnen zu konzentrieren, ist weder für Speidel noch für Thaller eine Option. «Mit dem Turnen verdient man nicht viel Geld», erklärt Speidel. «Da müsste man im Zirkus auftreten, aber das ist eine andere Sparte als die Wettkampfakrobatik, die wir machen.» Träume haben die jungen Athleten trotzdem. «Eine World-Cup-Serie zu gewinnen wäre toll», meint er. «Und wenn unsere Disziplin olympisch wäre, wäre natürlich die Teilnahme an den Olympischen Spielen ein Traum.»

Einfach sauber turnen

Vorerst darf das Duo «nur» an den Europameisterschaften im Akrobatikturnen teilnehmen, die im deutschen Riesa stattfindet. «Sie haben dort nichts zu verlieren», sagt Jörg Stucki, ihr Trainer. «Sie können frisch von der Leber weg versuchen, ihr Bestes zu geben.» Genau das wollen Speidel und Thaller tun. «Wir wollen einfach sauber turnen», sagt der Weininger. Er schränkt allerdings auch ein: «Man muss sehen, dass bei den anderen Nationen teilweise viel mehr trainiert wird als bei uns. Dort hat der Sport absolute Priorität.» Trotzdem möchten er und seine Turnpartnerin das Finale erreichen. «Das ist unser Ziel», sagt er und ist überzeugt: «Ich glaube, wenn uns eine saubere Leistung gelingt, werden wir das auch schaffen.»