Faustball
Ein Abstieg aufs Abstellgleis

Dietikons Frauen verabschieden sich wohl nicht nur aus der NLA. Auch für die NLB-Saison im Sommer geben die Frauen nach zwölf Jahren Forfait. der Kampf um genügend Spielerinnen hat Spuren hinterlassen

Rainer Sommerhalder
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Morgen Sonntag entscheidet sich, ob Dietikon seine erste Saison in der NLA sieglos abschliesst. Ganze zwei Sätze gewannen die Aufsteigerinnen bisher in sieben Partien. Verlieren die Limmattalerinnen in der Abstiegsrunde in Widnau erneut zweimal, dann ist die Relegation Tatsache. Dietikons Vorderfrau Andrea Ganzoni ist skeptisch: «Ich glaube nicht, dass es zum Ligaerhalt reicht.»

Tränen würden bei einem Abstieg ganz sicher nicht fliessen, sagt die 32-Jährige aus dem Bezirkshauptort schmunzelnd. Ganzoni freut sich, dass die Spielerinnen trotz der Niederlagenserie immer positiv eingestellt gewesen seien und auch morgen motiviert in die Ostschweiz reisen würden. Man hat schliesslich damit gerechnet, dass der Ausflug in die NLA ein einmaliges Intermezzo sein könnte.

Erstmals kein Frauenteam mehr

Wehmut und etwas Traurigkeit dürften bei Kleinkindererzieherin Ganzoni am Sonntagabend doch aufkommen. Denn sie weiss nicht, ob sie mit Dietikon überhaupt noch einmal wird Meisterschaftsspiele bestreiten können. Für die NLB-Saison im Sommer geben die Frauen nach zwölf Jahren, die Ganzoni als Spielerin miterlebt und mitgeprägt hat, Forfait. Das knappe Kader, die ständigen Verletzungsabsenzen und der fortdauernde Kampf um genügend Spielerinnen für Trainings und Spiele haben bei den Teamstützen Spuren hinterlassen. «Im Winter organisierten wir unsere Trainings mit Doodle-Umfragen, damit wir sahen, ob sich eine Einheit überhaupt lohnt», sagt Ganzoni. Es sei mühsam und kräfteraubend, bei einem dünnen Kader von acht Spielerinnen jedes Mal ein Fünferteam stellen zu können. Auch in der Woche vor der entscheidenden Abstiegsrunde fiel das Training der Frauen infolge Personalmangels aus.

Deshalb entschied man sich nun nach langen Diskussionen für den Sommer «gegen den Angeklagten» und verzichtet auf die Meisterschaftsteilnahme. Stattdessen werden die übrig gebliebenen Frauen in die Dietiker Männerteams integriert. «Und einige Spielerinnen werden den Klub auch verlassen, um sich einem anderen Team anzuschliessen», prognostiziert Ganzoni. Etwas, was für sie selbst in den vielen Jahren nie zur Diskussion stand. Schliesslich war für sie das Vereinsleben stets Teil der Motivation, diesen Sport auszuüben.

Fussoperation im Sommer

Ob das Dietiker Frauenteam unter diesen Umständen im nächsten Winter ein Revival feiern wird, ist höchst ungewiss. Erst recht, weil eine weitere Verletzungsabsenz bereits jetzt feststeht – jene von Andrea Ganzoni selber. Sie muss sich im Sommer den Fuss operieren lassen und danach ein ganzes Jahr lang pausieren. Selber nennt sie es zwar «Auszeit, nicht Rücktritt», ob sich ausgerechnet ohne sie die drohenden Zerfallserscheinungen im Frauenteam stoppen lassen, bleibt fraglich. Denn wie stellt Andrea Ganzoni selber fest: «Faustball ist nicht der Sport, der bei den Jungen gross angesagt ist.»