Eishockey
EHC Urdorf: Auch auf der Tribüne die Nerven verloren

Die «Stiere» sind beim 2:5 gegen Dürnten in der 2. Liga ohne Aussicht auf Zählbares. Die Entscheidungen der unbeholfenen Schiedsrichter zehren zusätzlich an den Nerven aller Beteiligten.

Raphael Biermayr
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Die Mienen von Trainer Dani Hüni und der Urdorfer Spieler sprechen Bände.bier

Die Mienen von Trainer Dani Hüni und der Urdorfer Spieler sprechen Bände.bier

Am Ende stand ein Verzweiflungsakt. Urdorf-Trainer Dani Hüni suchte einige Minuten nach Spielschluss gegen Dürnten schnellen Schrittes das Zeitnehmerhäuschen auf, um Speaker Hermann Ritsch zu fragen: «Habt ihr das Matchblatt schon fertig?» Sie hatten. Hünis Ansinnen war es gewesen, einen Spielfeldprotest zu vermerken. Grummelnd kommentierte er sein Vorhaben sogleich selbst kritisch: «Die Frage ist, ob das überhaupt etwas bringen würde.»

Der Routinier weiss natürlich, dass man einen Spielfeldprotest während der Partie erheben muss, unmittelbar nach einem regeltechnischen Fehler der Schiedsrichter. Und er weiss auch, dass ein solcher in den wenigsten Fällen Aussicht auf Erfolg hat, zumal in der Amateurliga. Es ging Hüni um eine Szene in der Schlussphase, als nach einer vierminütigen Strafe gegen einen Dürnter Konfusion herrschte. Zweifellos agierte das Schiedsrichterduo Stüssi/ Rompen phasenweise unbeholfen. Beim Restausschluss gegen Glenn Huber im Mitteldrittel machte es den Anschein, als ob der Unparteiische nicht genau sah, was sich ereignet hatte, sondern nur aus dem Gefühl heraus ahndete. Als er im Gesicht von Kevin Holbe Blut sah, war der Fall für ihn klar. Nach Drittelende meldete ihm Holbe selbst, die Spieldauerdisziplinarstrafe sei «zu hart». Huber habe es nicht absichtlich gemacht, das solle so im Rapport vermerkt werden.

Apropos Rapport: Urdorfs Verteidiger Colin Wiederkehr war trotz einer Spieldauerdisziplinarstrafe im vorangegangenen Match gegen Bassersdorf für die Dürnten-Partie gesperrt. Weil sein Gegenspieler nach dem (ebenfalls unabsichtlichen) Stockschlag nicht mehr weiterspielen konnte, erhielt er zwei Spielsperren aufgebrummt. Dass er und seine verletzten Kollegen Marko Novkovic und Yvan Yanez gegen Dürnten die Schiedsrichter mit Schmährufen von der Zuschauertribüne eindeckten, war nicht sehr weitsichtig. Möglicherweise wird das ebenfalls Bestandteil der eingesandten Rapporte – die Mehrzahl ist auf dem Matchblatt vermerkt – sein.

Hünis eingangs erwähntes verzweifeltes Vorhaben war ein klassischer Verzweiflungsakt, geboren aus Frust nach einem missratenen Abend und dem Wissen um das weitere Schrumpfen seines Kaders. Die Limmattaler waren von den Oberländern zerzaust worden. Wie lange nicht mehr, hatten sie keine Aussicht auf Zählbares. Die beiden Treffer von
Nicolas Landis und Thomas Wigger zum 1:4 und 2:4 waren nur Resultatkosmetik, denn die Gäste waren eine Klasse besser. Nur ihre Nonchalance brachte die «Stiere» überhaupt auf das Scoreboard – sie hatten zuvor lediglich eine einzige gefährliche Szene gehabt. Die grössten Optimisten verstummten spätestens, als Hüni wegen unablässigen Reklamierens in der 57. Minute eine Bankstrafe verschuldete.

Im Kampf um den direkten Klassenverbleib gingen die Nerven mit Hüni und seinem Team durch. Tags darauf gab es entspannende Neuigkeiten aus dem Tessin: Bassersdorf gewann gegen Biasca 4:3. Damit weist Urdorf drei Runden vor Schluss noch fünf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsrundenplatz auf.