Die Schlieremer Fans klatschten frenetisch und jubelten lautstark. Dabei war die Partie zwischen Schlieren und Kloten auf dem Zelgli bloss unterbrochen und noch nicht abgepfiffen, der 4:3-Sieg der Limmattalerinnen also noch nicht sichergestellt. Nein, der Beifall und der Jubel galten Patrizia Dreyer. Die Schlieremer Spielführerin wurde eine Minute vor dem regulären Ende der Partie ausgewechselt. Und da Dreyer, ein Schlieremer Eigengewächs, per Ende Saison ihren Rücktritt bekannt gegeben hat, war die Partie gegen Kloten ihre letzte im Trikot der Schlieremerinnen. «Man kann das Gefühl gar nicht beschreiben», sagte Dreyer. «Ich verspüre so viele Emotionen. Ich bin auch fast den Tränen nahe.»

Die emotionale Achterbahnfahrt begann für Dreyer aber nicht erst bei ihrer Auswechslung. Sie und ihre Teamkolleginnen hatten in der letzten Runde der Nationalliga B gegen Absteiger Kloten einen denkwürdigen Start erwischt. Die Gäste kamen nach fünf Minuten zu ihrem ersten Lattentreffer, nach sechs Minuten zum zweiten, und gleich darauf zur Führung: Nadine Baker nutzte den Abpraller vom Querbalken und traf per Kopf zum 1:0.

«Wir waren im Tiefschlaf»

Zwei Minuten später schlug die Klotenerin Tanja Bärtsch eine hohe Flanke auf Stürmerin Sonja Beer, die per Kopf zum 2:0 traf. Und wiederum zwei Minuten später konnte sich Bärtsch selbst als Torschützin auszeichnen, als sie zum 3:0 für die Gäste einköpfte. «In den ersten zehn Minuten waren wir im Tiefschlaf», sagte Dreyer. «Wir waren zu wenig konsequent.» Dass man in dieser Phase gleich drei Gegentore kassierte, überraschte auch sie. «Eigentlich sind wir in dieser Saison defensiv gut gestanden», sagte sie. «Wir haben wenige Gegentore gekriegt.»

Plötzlich lief alles für Schlieren

Immerhin konnten sich die Limmattalerinnen fangen und kassierten keinen weiteren Gegentreffer mehr. Doch offensiv blieben sie weitgehend harmlos. Erst nach einer halben Stunde wendete sich das Blatt, als Kathrin Rohr eine Hereingabe nur knapp verpasste. Kurz darauf versuchte es Sandra Schürmann einfach mal aus der Distanz. Ihr Ball knallte an die Unterkante der Latte und von dort ins Tor – ein herrlicher Treffer zum 1:3. Und plötzlich lief die Partie zugunsten von Schlieren. Wenige Minuten nach Schürmanns Tor setzte sich die zuvor glücklose Sanja Mijovic im Zweikampf durch und konnte alleine aufs Klotener Tor rennen. Die Schlieremer Stürmerin liess sich die Chance nicht entgehen und traf zum 2:3. Dann war Pause.

In der zweiten Halbzeit wurden die Schlieremerinnen immer stärker und hatten deutlich mehr Spielanteile als noch in der ersten Hälfte. Nach einer Stunde konnte sich Jessica Moser in den gegnerischen Strafraum dribbeln, doch ihre Flanke fand keine Abnehmerin. Dasselbe Problem hatte kurz darauf Jil Lisa Studer. Dann ein Distanzschuss von Schürmann, diesmal konnte Klotens Torhüterin Seraina Moscon den Ball aber halten.

Die Schlieremerinnen dominierten nun die Partie. Doch so richtig gefährlich wurde es im Klotener Strafraum erst wieder eine Viertelstunde vor Schluss, als sich Dreyer durchsetzte und den Ball in Richtung Tor schoss. Dieser wurde abgelenkt und kullerte über die Torlinie – 3:3. «Das Tor kam auch unter gütiger Mithilfe der Gegnerin zustande», sagte Dreyer zu ihrem Treffer.

Der Ausgleich gab den Schlieremerinnen nochmals Auftrieb – insbesondere Dreyer, die sich jetzt immer wieder in den Angriff einschaltete. Vier Minuten nach ihrem Treffer schoss sie den Ball aufs Klotener Tor. Moscon konnte abwehren – genau in die Füsse von Mijovic, die wuchtig zum 4:3 traf. Darauf konnten die Klotenerinnen nicht mehr reagieren, und so gab es für Schlieren im letzten Heimspiel doch noch ein Happy End. «In einer Partie 0:3 zurückzuliegen, dann ein Tor zu schiessen und am Ende noch zu gewinnen – das ist fast nicht mehr zu toppen», sagte Dreyer.

Dreyer schliesst Rückkehr nicht aus

Für Dreyer ist damit die Zeit als aktive Fussballerin vorbei. Zumindest vorläufig. Denn sie schliesst nicht aus, dass sie dereinst als Spielerin zurückkehren könnte. «Wenn das Team zu wenige Spielerinnen hat, stünde ich vielleicht zur Verfügung», sagte sie. Auf jeden Fall aber will sie dem Verein erhalten bleiben: «In welcher Funktion, das werden wir dann sehen.» Erst einmal freut sie sich auf die Pause und auch darüber, dass sie und ihre Teamkolleginnen in der Nationalliga B geblieben sind.