Sport
Doppeladler, Federer und ein Titel für den FCZ: Dieses Sportjahr war voller Faszination

Die Schweizer Sportlerinnen und Sportler haben aufregende Monate hinter sich. Was bleibt von Olympischen Spielen oder Fussball-Weltmeisterschaft? Und welche Geschichten waren prägend für die Region und darüber hinaus?

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Sorgte 2018 für grosse Aufregung: Der Doppeladler.

Sorgte 2018 für grosse Aufregung: Der Doppeladler.

Keystone

Federers Furcht vor dem Monster

Er hatte es ja geahnt, dass es so kommen würde. Dass er sich an einem Vorbild wird messen lassen müssen, dem keiner gerecht werden kann: an sich selber, an der Saison 2017, in der zu Gold wurde, was er anfasste. Umso überraschender war, dass Roger Federer es tatsächlich schaffte, neue Superlative zu provozieren. Er gewann in Melbourne sein 20. Grand-Slam-Turnier und wurde im Februar mit 36 Jahren und 195 Tagen und nach über fünf Jahren Unterbruch noch einmal die Nummer eins der Welt.

Das sind die 20 Grand-Slam-Titel von Roger Federer: 1) Der Anfang einer Ära. Roger Federer gewinnt in Wimbledon 2003 den Final gegen Mark Philippousis mit 7:6 (7:5), 6:2, 7:6 (7:3).
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 2) Federer holt sich seinen ersten Titel 2004 in Australien gegen Marat Safin (Russland) mit 7:6 (7:3), 6:4, 6:2.
 3) 2004 verteidigt Federer den Wimbledon-Titel gegen den US-Amerikaner Andy Roddick mit 4:6, 7:5, 7:6 (7:3), 6:4.
 4) US Open 2004: Roger Federer spielt im Final gegen Hewitt wie entfesselt, gewinnt mit 6:0, 7:6 (7:3), 6:0 und holt sich so hier den ersten Titel.
 5) Federer gewinnt 2005 seinen dritten Wimbledon-Titel. Sein Opfer Andy Roddick: 6:2, 7:6 (7:2), 6:4.
 6) 2005 triumphiert Federer über die Tennislegende Andre Agassi mit 6:3, 2:6, 7:6 (7:1), 6:1 und sichert sich seinen zweiten US-Open-Titel.
 7) Nach harten Kampf gewinnt Federer 2006 gegen Marcos Baghdatis (Zypern) die Australian Open zum zweiten Mal mit 5:7, 7:5, 6:0, 6:2.
 8) 2006 gewinnt Federer in Wimbledon gegen Rafael Nadal mit 6:0, 7:6 (7:5), 6:7 (2:7), 6:3.
 9) 2006 holt Federer den dritten US-Open-Titel in Serie. Andy Roddick muss sich mit 6:2, 4:6, 7:5, 6:1 geschlagen geben.
 10) Federer gewinnt die Australian Open 2007 zum dritten Mal. Er besiegt Fernando Gonzales (Chile) 7:6 (7:2), 6:4, 6:4.
 11) Fünfter Wimbledon-Titel in Serie im Jahr 2007. Der Gegner: Rafael Nadal. Das Resultat: 7:6 (9:7), 4:6, 7:6 (7:3), 2:6, 6:2.
 12) Novak Djokovic (Serbien) war der bessere Spieler. Dennoch gewinnt Federer die US Open 2007 mit 7:6, 7:6 und 6:4. Es ist sein vierter Titel an den US Open.
 13) Nach einer schwierigen Saison holt sich Federer im Final der US Open 2008 den Titel gegen den Schotten Andy Murray mit 6:2, 7:5, 6:2.
 14) Endlich! Roger Federer gewinnt 2009 gegen den Schweden Robin Söderling die French Open mit 6:1, 7:6 (7:1), 6:4.
 15) Federer gewinnt 2009 seinen sechsten Wimbledon-Titel gegen Andy Roddick mit 5:7, 7:6 (8:6), 7:6 (7:5), 3:6 und 16:14.
 16) Federer gewinnt das Australian Open 2010 in Melbourne gegen Andy Murray mit 6:3, 6:4, 7:6 (13:11).
 17) Wimbledon 2012: Federer holt sich zum siebten Mal den Titel – Sieg gegen Andy Murray mit 4:6, 7:5, 6:3, 6:4.
 18) Australian Open 2017: Nach einer langen Durststrecke holt sich Roger Federer wieder einen Grand-Slam-Titel. Sieg gegen Rafael Nadal mit 6:4, 3:6, 6:1, 3:6, 6:3. Es ist sein siebter Titel am Australian Open.
 19) Wimbledon 2017: Ohne Satzverlust rauscht Roger Federer in den Final und lässt dort auch Marin Cilic keine Chance. 6:3, 6:1, 6:4 lautet das klare Verdikt. Es ist zugleich Federers achter Titel in Wimbledon - Rekord.
20) Australian Open 2018: Gegen Marin Čilić gewinnt Federer den Fünfsatzkrimi mit 6:2, 6:7, 6:3, 3:6 und 6:1 und schafft es damit auf historische 20 Grand-Slam-Titel.

Das sind die 20 Grand-Slam-Titel von Roger Federer: 1) Der Anfang einer Ära. Roger Federer gewinnt in Wimbledon 2003 den Final gegen Mark Philippousis mit 7:6 (7:5), 6:2, 7:6 (7:3).

Seine Saison war auch danach gut: es gab Titel in Stuttgart und Basel, den Halbfinal in London. Aber eben: Der Schatten des Vorjahrs lag manchmal in der Luft. «Jenes Monster, das ich erschaffen habe», wie es Federer, von dem nur Siege erwartet werden, einmal sagte. Es wird ihn auch 2019 verfolgen. Vielleicht ein letztes Mal. (sih)

Schweizer Medaillen und eine Armee der Schönen

Die Olympischen Winterspiele in Südkorea gehen in die Geschichte ein. Pyeongchang ist der Ort, an dem sich Langläufer Dario Cologna mit dem Gewinn der vierten Goldmedaille zum erfolgreichsten Schweizer Wintersportler krönt. Es ist der Ort, an dem die Schweizer Delegation so gross wie noch nie (167 Athletinnen und Athleten) und so erfolgreich wie selten zuvor (15 Medaillen) ist.

Silber für die Streithähne Jenny Perret und Martin Rios gehen auf dem Eis nicht zimperlich miteinander um. Auf den Erfolg des Duos, das einst auch privat ein Paar war, hat der raue Umgangston keinen Einfluss. Der Glarner und die Seeländerin gewannen bei der olympischen Premiere des Mixed-Curlings Silber und bescherten der Schweiz die erste Medaille an diesen Spielen.
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Bronze statt Gold Beat Feuz war in der Abfahrt als Favorit angetreten und hatte sich selber Gold zum Ziel gesetzt. Entsprechend kam die Freude über die Bronzemedaille beim Emmentaler erst mit Verzögerung. Für den Olympiasieg war Feuz 18 Hundertstel zu langsam.
Das unerwartete Silber 24 Stunden nach der Abfahrt war die Gefühlswelt von Beat Feuz eine ganz andere. Die Silbermedaille im Super-G kam auch für ihn überraschend. Dass ihm diesmal nur 13 Hundertstel zu Gold fehlten, war dem Abfahrts-Weltmeister völlig egal.
Shiffrin bezwungen, Silber gewonnen Endlich hatte sie Mikaela Shiffrin in einem Slalom wieder einmal bezwungen. Zu Gold reichte es Wendy Holdener trotzdem nicht. Die nach dem ersten Lauf führende Schwyzerin gewann mit fünf Hundertsteln Rückstand auf die Schwedin Frida Hansdotter Silber. Mikaela Shiffrin verpasste als Vierte sogar die Podestplätze.
Der erste Hattrick Nach dem enttäuschenden 6. Rang im Skiathlon zeigte Dario Cologna über 15 km allen den Meister. Der Münstertaler sicherte sich seine insgesamt vierte olympische Goldmedaille, die dritte in Folge über diese Distanz. Das hatte vor ihm noch keiner geschafft.
Der doppelte Coup Sarah Höfflin und Mathilde Gremaud sorgten im Slopestyle-Wettkampf für einen veritablen Coup. Die Genferin und die Freiburgerin gewannen Gold und Silber. Die teaminterne Entscheidung fiel im dritten und letzten Durchgang, in dem Sarah Höfflin ihre Kollegin noch zu übertrumpfen vermochte.
Trumpf Bischofberger stach Die Schweizer Skicross-Fahrer waren als starkes Quartett angereist, dem bei optimalem Verlauf jedem etwas Grosses zugetraut worden war. Gestochen hat der Trumpf Marc Bischofberger. Die Silbermedaille ist ein weiteres Indiz für die Leistungssteigerung des Appenzellers in diesem Winter. Zwei seiner drei Weltcup-Siege errang er in der aktuellen Saison.
Silber für den Grössten Der Grösste war im Slalom völlig unerwartet der Zweitbeste. Der zwei Meter lange Ramon Zenhäusern lieferte eine Leistung ab, die ihm noch vor wenigen Wochen nur seine Begleiter im engsten Umfeld zugetraut hatten.
Fast wie in St. Moritz Ein Jahr nach dem Doppelerfolg an der WM in St. Moritz räumten Michelle Gisin und Wendy Holdener in der Kombination erneut ab - diesmal allerdings in geänderter Reihenfolge. Michelle Gisin, die WM-Zweite, wurde Olympiasiegerin, Wendy Holdener, die Weltmeisterin, gewann Bronze.
Nach der Enttäuschung Bronze In Sotschi war ihr lediglich der 7. Rang geblieben, nun holte Fanny Smith im Skicross Versäumtes nach. Die Waadtländerin gewann nach einem packenden Duell im Final gegen die schwedische Favoritin Sandra Näslund die Bronzemedaille.
Bronze nach Sieg gegen Kanada Das Schweizer Curling-Quartett vom CC Genève sicherte sich Bronze in grossem Stil. Im Spiel um Platz 3 bezwangen Valentin Tanner, Peter De Cruz, Claudio Pätz und Benoît Schwarz Kanada. Es war die bereits siebente Schweizer Medaille seit Wiederaufnahme der Sportart ins olympische Programm vor 30 Jahren.
Der Lange war der Grösste Bei der Premiere des alpinen Team-Events war der Grösste der Grösste. Ramon Zenhäusern führte die Schweizer Equipe, zu der auch Daniel Yule, Denise Feierabend und Ersatzmann Luca Aerni gehörten, zusammen mit Wendy Holdener zu Gold. Der Walliser und die Schwyzerin entschieden alle vier Duelle für sich.
Sechs souveräne Schritte zum Gold Vier Jahre nach Silber in Sotschi wollte Snowboarder Nevin Galmarini im Riesenslalom Gold - und er gewann Gold. Der Engadiner tat dies in beeindruckender Manier. Galmarini, der schon in der Qualifikation der Schnellste war, spulte seine sechs Läufe souverän ab und blieb unangetastet.

Silber für die Streithähne Jenny Perret und Martin Rios gehen auf dem Eis nicht zimperlich miteinander um. Auf den Erfolg des Duos, das einst auch privat ein Paar war, hat der raue Umgangston keinen Einfluss. Der Glarner und die Seeländerin gewannen bei der olympischen Premiere des Mixed-Curlings Silber und bescherten der Schweiz die erste Medaille an diesen Spielen.

JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Sieben Podestplätze holen alleine die alpinen Skifahrer. Und es gibt neue goldene Schweizer Gesichter, etwa Freestyle-Skifahrerin Sarah Höfflin. Der karge und bitterkalte Ort im koreanischen Hinterland ist auch der Ort, wo die Annäherung des geteilten Koreas mit einer gemeinsamen Delegation ihren Lauf nimmt. Unvergessen die Auftritte der nordkoreanischen Cheerleader, dieser unwirklichen «Army of Beauty». (rs)

Beat Feuz widerlegt sich selbst

Beat Feuz startete als erster in die Lauberhornabfahrt 2018
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Beat Feuz mit dem Bilderbuchpanorama im Hintergrund
Der Berner legt eine solch gute Zeit hin, dass keiner der hinter ihm Startenden ihn schlagen kann.
Beat Feuz gewinnt Abfahrt Wengen 2018
Der Norweger Aksel Lund Svindal wird Zweiter.
Der Österreicher Matthias Mayer fährt auf den Dritten Platz
Der Italiener Dominik Paris
Thomas Dressen (D) fliegt
Der Norweger Kjetil Jansrud im Ziel
Andreas Sander (D)
Aleksander Aamodt Kilde (Nor)
Christof Innerhofer (I)
Der Kanadier Manuel Osborne-Paradis
Flugshow der Patrouille Suisse
Bundespräsident Alain Berset verfolgt das Rennen vor Ort

Beat Feuz startete als erster in die Lauberhornabfahrt 2018

JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Beat Feuz gelingt, was er selbst nicht mehr für möglich hielt: Der 31-Jährige gewinnt im März die kleine Kristallkugel für den besten Abfahrer der Saison 2017/18. Dabei war er sich sicher: Mit seinem von zahlreichen Operationen und einem Infekt lädierten Knie wird er nie mehr eine Saison lang zu den Besten gehören – sehr wohl aber in den wichtigen Rennen.
Er irrt – und ist bei den Saisonhighlights trotzdem am besten: Im Januar siegt er am Lauberhorn in Wengen in der Abfahrt.

Er ist der erste Schweizer, der den Klassiker zweimal gewinnen kann. Schon 2012, bevor die Kniesorgen begannen, hatte er gewonnen. Eine Woche nach seinem zweiten Lauberhornsieg belegt Feuz in Kitzbühel auf der Streif Rang zwei und an den Olympischen Spielen im Februar gewinnt er Bronze in der Abfahrt und Silber im Super-G. (mpr)

Fussball-WM: Die grosse Schweizer Aufregung

Was bleibt in Erinnerung nach dieser aufwühlenden WM? Die feiernden Franzosen? Die fliegenden Kroaten? Die frischen Engländer? Die faszinierenden Belgier? Oder eben doch das frustrierende Ende der Schweiz? Die Chance war einmalig. Ein Achtelfinal gegen keinesfalls übermächtige Schweden. Zudem ein offenes Tableau, das Träume zugelassen hätte. Doch dann: Wieder nichts.

Eine uninspirierte, blutleere Leistung zur Unzeit. Die bittere Wahrheit ist, dass die Schweiz im entscheidenden Moment weiterhin nicht fähig ist, ihre Topleistung abzurufen. So, wie das später beispielsweise in der Nations League beim 5:2 gegen Belgien gelang. Zum dritten Mal in Serie ist sie an einem grossen Turnier nun im Achtelfinal ausgeschieden. Der Höhenflug war anderen vorbehalten. Russland, Kroatien, Uruguay, Schweden.

Die Gründe sind vielfältig. Und teilweise hausgemacht. Die Doppeladler-Gesten von Xhaka, Shaqiri und Lichtsteiner beim 2:1 gegen Serbien entfachten derart viele Nebengeräusche, dass zu viel Energie abfloss.

Granit Xhaka feiert sein Tor mit gekreuzten Händen - dem Symbol für den albanischen Doppeladler.
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Kurz vor Abpfiff trifft auch Xherdan Shaqiri – und tut es Xhaka gleich.
Auch Nati-Captain Stephan Lichtsteiner formte seine beiden Hände zum Doppeladler, obwohl er keinen Migrationshintergrund hat. Er wollte sich mit seinen Mitspielern solidarisieren.
Wie die FIFA in einem Schreiben mitteilte, leitete sie ein Verfahren gegen die beiden Nationalspieler Xhaka und Shaqiri ein.
Auch SFV-Generalsekretär Alex Miescher sah sich zu einer Stellungnahme gezwungen: «Politische Statements haben im Sport nichts verloren, doch das waren keine. Ich verstehe, dass Kritik kommt. Jeder kann seine Meinung äussern, jeder darf seinen Blickwinkel haben. Wir hoffen einfach, dass der Sieg darob nicht vergessen geht.»
Xhaka und Shaqiri drohten wegen der Geste im Spiel gegen Serbien Ärger. Zwei Monate später dann die grosse Befreiung: Das Team entschuldigte sich an einer Medienkonferenz für die Geste.

Granit Xhaka feiert sein Tor mit gekreuzten Händen - dem Symbol für den albanischen Doppeladler.

Keystone

Die Kräfte, die nötig gewesen wären gegen die robusten Schweden, waren schon aufgebraucht. Der ernüchternde Abschluss der WM mündete direkt ins Sommer-Desaster rund um die Nati. Ein Generalsekretär, der Doppelbürger infrage stellt. Ein Nationaltrainer, der sich mit seinem Leitwolf verkracht (offiziell: missversteht) und sich plötzlich in einer Debatte um seine Person wiederfindet. Ein Verband, der sich darum von ehemaligen FCB-Erfolgsgaranten durchleuchten lässt. Mehr Aufregung war selten. Schade nur, dass die Gründe kaum sportlicher Natur waren. (ewu)

Das Gefühl, Gold verloren zu haben

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Blickt man auf das Eishockey-Jahr zurück, werden die Schweizer Silber-Helden von Kopenhagen allenthalben gerühmt. Mannschaft des Jahres wurde unsere Hockey-Nati. Patrick Fischer wurde als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Das sind alles schöne Erinnerungen. Unmittelbar nach der 2:3-Finalniederlage gegen Schweden nach Penaltyschiessen herrschte im Lager der Schweizer jedoch Weltuntergangsstimmung. Von Freude über die Silbermedaille war da nichts zu spüren. Viel mehr herrschte da das Gefühl, den ganz grossen Exploit, den Gewinn des WM-Titels, verpasst zu haben. In der Tat war noch nie eine Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft näher dran gewesen, Gold zu gewinnen. Kevin Fialas vergebene Chance in der Verlängerung taucht noch jetzt vor dem geistigen Auge auf. (ku)

Ein Berner YuBeljahr

Es waren 32 lange Jahre des Wartens. Am 28. April 2018 wird Bern erlöst. YB ist wieder Fussball-Schweizer-Meister. Nsame trifft gegen Luzern in der 93. Minute zum 2:1, es ist das Tor zum Triumph. Zuvor hält Marco Wölfli einen Penalty. Für den Oldie – in seiner Karriere häufig zweiter Sieger – ist die Genugtuung besonders gross.

Dass YB den FC Basel als Liga-Krösus ablöst, hat viele Gründe. Der Baumeister des Erfolgs heisst Christoph Spycher. Dem Sportchef gelingt es, eine homogene Mannschaft zusammenzustellen und zu halten. Trainer Adi Hütter impft dem Team eine Winner-Mentalität ein. Er hinterlässt beim Abgang nach Frankfurt ein solides Fundament. Mit Nachfolger Gerardo Seoane qualifiziert sich YB gar erstmals für die Champions League. Dazu scheint der nächste Meistertitel Formsache. (ewu)

Lea Sprunger liefert und Pascal Mancini ist geliefert

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Die grosse Schweizer Delegation (52 Sportlerinnen und Sportler) bietet an den Europameisterschaften in Berlin tolle Leichtathletik-Kost. Allen voran die Westschweizer Hürdenläuferin Lea Sprunger. Sie behält die Nerven und wird ihrer Favoritenrolle gerecht. Neben Sprungers Sturmlauf zu Gold werden auch die Leistungen von Steeplerin Fabienne Schlumpf und Marathonmann Tadesse Abraham mit Silber sowie von Sprinter Alex Wilson mit Bronze belohnt.

Mit gemischten Gefühlen an Berlin erinnert sich hingegen Mujinga Kambundji. Sie durchbricht 2018 über 100 m die Schallmauer von 11 Sekunden (10,95), geht an der EM mit drei vierten Plätzen, aber leer aus. Gar nicht dabei ist Sprinter Pascal Mancini. Der Freiburger wird wegen Facebook-Posts mit rechtsextremem Hintergrund aus dem Team verbannt. (rs)

Ein Titel für den FCZ, viel Chaos bei den Hoppers

Es ist das Bild des Tages. Völlig losgelöst sprintet ein Mann im vornehmen Anzug über den Rasen. Sein Ziel: Die Fankurve des FC Zürich. Sein Mund ist weit aufgerissen und immer wieder fuchtelt er mit den Armen. Es ist Ludovic Magnin, der Trainer des Stadtklubs.

Peter Klaunzer/keystone

Bei seiner Vorstellung hatte er den Satz «Ich bin ein Mann für die grossen Spiele» herausgehauen. Jetzt, Ende Mai 2018 und damit nur drei Monate später, lässt er seinen grossen Worten bereits Taten folgen. Er führt den FCZ mit einem 2:1-Sieg über Meister YB zum 10. Cupsieg.

In der Europa League spielt der FCZ gut, wird hinter Leverkusen Gruppenzweiter und darf nun im Frühjahr in den Sechzehntelfinals gegen den Serie-A-Klub SSC Napoli spielen. In der Super League läuft es nicht ganz so rund. Es ist ein ständiges Auf und Ab. Manchmal spielt der FCZ wirklich stark, dann aber auch wieder so, dass Magnin sagen muss: «Das hatte mit Fussball nichts zu tun.» Sein Team überwintert auf Rang vier.

Viel weniger zu lachen hatte im Jahr 2018 Stadtrivale GC. Wäre nicht im November die Stadion-Abstimmung gewesen, in der die Stimmbürger den beiden Klubs mit einem knappen Ja wieder Zukunftsperspektiven gaben, dann wäre es für den Rekordmeister ein rabenschwarzes Jahr geworden. Im Frühjahr noch wurde GC von einem Machtkampf erschüttert, den eine Schattenorganisation um Erich Vogel gegen den Präsidenten Stephan Anliker führte.

Die Trennung von Trainer Murat Yakin sorgte dann zwar für eine Beruhigung der Lage, doch wie die drei Besitzer Anliker, Heinz Spross und Peter Stüber die Zukunft sehen, ist immer noch nicht geregelt. Ob einer vielleicht seine Aktien verkauft oder alle drei weitermachen. Sportlich läuft es auch unter dem neuen Trainer Thorsten Fink nicht wie erhofft. Nach dem neunten Platz in der vergangenen Saison überwintern die Hoppers nun auf demselben Rang. (br)

Die Krönung im Hexenkessel

Man könnte meinen, dass der Gewinn eines siebten WM-Titels bei einem Athleten keine grosse Gefühlsregung mehr provoziert. Nino Schurter hat in seiner Karriere schon so viel gewonnen – neben besagten WM-Titeln auch noch Olympia-Gold –, dass man ihm eine gewissen Abgeklärtheit nicht übel nehmen würde.

In Lenzerheide war im September aber alles etwas anders. Er hatte praktisch vor seiner Haustüre mit 25 000 frenetischen Fans am Streckenrand triumphiert. Da konnte Schurter gar nicht anders, als nach seiner Zieldurchfahrt so zu jubeln, als hätte er eben seinen ersten WM-Titel errungen. Wie sehr dieser Triumph in der ganzen Schweiz nachhallte, zeigte sich zwei Monate später. Im Dezember wurde der Bündner verdientermassen als Schweizer Sportler des Jahres ausgezeichnet. (ku)

Ein Perfektionist am Königsgerät

Am Königsgerät gelingt Oliver Hegi die beste Leistung seiner Karriere. An der EM im August in Glasgow holt der 25-Jährige Gold am Reck. Zudem gewinnt der Aargauer Bronze am Barren. Hegi ist erst der zweite Schweizer Kunstturner nach Ernst Fivian im Jahr 1959, der zwei Einzelmedaillen an einer EM gewinnt. Und erst zwei Schweizer vor ihm (Jack Günthardt 1957 und Pablo Brägger 2017) holten EM-Gold am Reck.

Oliver Hegi kürte sich 2018 am Reck zum Europameister.
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Oliver Hegi mit seiner Goldmedaille.
Oliver Hegi zeigte am Königsgerät eine nahezu perfekte Übung
und holte Gold vor dem Niederländer Epke Zonderland und David Vecsernyes aus Ungarn.
Oliver Hegi
 Oliver Hegi am Bielersee
 Oliver Hegi am Bielersee

Oliver Hegi kürte sich 2018 am Reck zum Europameister.

Darko Bandic

Während Hegi einen Höhepunkt erlebt, hat Giulia Steingruber Pech. Im Juli reisst sich die erfolgreichste Schweizer Kunstturnerin der Geschichte das Kreuzband. Aufgeben kommt für die 24-Jährige aber nicht infrage: «So will ich nicht zurücktreten», sagte sie und arbeitet am Comeback. Ihr Fernziel sind die Sommerspiele 2020. Den Traum von Tokio lebt sie gemeinsam mit Hegi. (mpr)

Taube Arme, starke Beine

Für Aussenstehende ist schon so schwer vorstellbar, was es bedeutet, das zu tun, was Daniela Ryf tut: Ironman Hawaii, eine der härtesten Ausdauerprüfungen der Welt. 3,86 km Schwimmen, 180,2 Kilometer auf dem Fahrrad und 42,125 km Rennen.

Daniela Ryfs grösste Erfolge
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Daniela Ryf unterbot mit 8 Stunden, 26 Minuten und 16 Sekunden ihren eigenen Streckenrekord beim Ironman Hawaii 2018 um über 18 Minuten.
Ihr Jubel war nach der sensationellen Leistung gross.
Ryf (mitte) feiert ausgelassen mit ihren Mitstreiterinnen Lucy Charles (links) und Anne Haug.
2017 gewann Ryf den Ironman Hawaii zum dritten Mal in Folge. Sie war 8 Stunden, 50 Minuten und 47 Sekunden unterwegs.
Bei der Siegerehrung strahlte Ryf (mitte) den Zuschauern entgegen.
2016 holte sich Ryg auf Hawaii den zweiten Ironman-Sieg in Serie.
Sie war 8 Stunden, 46 Minuten und 46 Sekunden unterwegs.
2015 gewann Ryf in 8 Stunden, 57 Minuten und 57 Sekunden ihren ersten Ironman Hawaii.
Zur Belohnung gönnte Ryf (mitte) sich einen Schluck aus der Sektflasche.
2014 wurde Rfy beim Ironman Hawaii hinter der Australierin Mirinda Cafrae (vorne im Bild) zweite.
Die Gewinnerin gratulierte Ryf zu ihrer guten Leistung.

Daniela Ryfs grösste Erfolge

KEYSTONE/WALTER BIERI

Ryf hatte das Rennen die letzten drei Mal gewonnen. Doch es entbehrt jeglicher Vorstellungskraft, wie sie das ein viertes Mal schaffen konnte. Vor dem Start kommt sie mit einer Feuerqualle in Kontakt. Die Arme taub, die Schmerzen höllisch. Aufgeben? «Ist keine Option», sagt Ryf. Ihr Ziel: das Ziel. Die 31-Jährige verlässt das Wasser zwar mit Rückstand, doch ihre Beine sind stärker denn je. Ryf stellt auf dem Rad und im Laufen neue Bestzeiten auf, unterbietet ihren Streckenrekord um 18 Minuten und läuft in 8:26:16 Stunden im Ziel ein. Nicht einmal eine Qualle kann Ryf bremsen (sih)

Spott, Intrigen und ein Rückschritt

Waldemar Da Rin/Freshfocus

«Null Punkte». Tom Lüthi, 32, ist beim Versuch gescheitert, sich in der «Königsklasse» unter den letzten wahren Kerlen dieser Welt zu behaupten. Der Spott ist statistisch berechtigt. Er ist der erste Neuling der MotoGP-Klasse, der in seiner ersten Saison ohne WM-Punkte (Klassierungen unter den ersten 15) geblieben ist. Logisch also, dass es seine einzige Saison bleibt. 2019 kehrt er in die Moto2-WM zurück. Das ist die polemische Analyse. Tatsächlich ist dieses Scheitern ein Lehrstück, wie zerbrechlich das Glück in diesem Sport ist. Es hängt von zu vielen Faktoren ab, die der talentierteste Pilot nicht beeinflussen kann: der Technik und dem Zusammenhalt des Teams. Als Lüthis Team vor Saison-Halbzeit durch Intrigen und Wirren um verschwundene Millionen auseinanderbrach, war er chancenlos. (kza)