Eishockey
Doch noch Glücksgefühle nach dem Kulturschock auf und neben dem Eis

Der 18-jährige Oberengstringer Phil Baltisberger blickt auf eine erfreuliche Saison in der kanadischen Juniorenliga zurück. Mit den Guelph Storm bestritt er das Finalturnier um den Memorial Cup, wo sein Team erst im Finalspiel scheiterte.

Marcel Kuchta
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Durfte sich dreimal als Torschütze feiern lassen: Phil Baltisberger im Dress der Guelph Storm.

Durfte sich dreimal als Torschütze feiern lassen: Phil Baltisberger im Dress der Guelph Storm.

Getty Images

Es fehlte nur wenig, und Phil Baltisberger hätte einen Titel gewonnen, der auf Juniorenstufe prestigemässig kaum zu übertreffen ist. Dass seine erste Saison in Nordamerika erst am vergangenen Wochenende zu Ende ging, hatte einen guten Grund: Der 18-Jährige kämpfte zusammen mit seinen Teamkollegen der Guelph Storm um den begehrten Memorial Cup.

In einem Finalturnier machen die drei Titelträger der drei kanadischen Juniorenligen (WHL, OHL und QMHL) sowie das Team des Ausrichters das beste Juniorenteam Nordamerikas unter sich aus. Guelph gewann seine ersten drei Spiele, scheiterte dann aber im Final an den Edmonton Oil Kings.

Mit einer Parade gefeiert

Trotz des fehlenden, krönenden Abschlusses hatte «der Sturm» nach seiner Rückkehr in die Provinz Ontario Grund zum Feiern. Schliesslich hatte man den Titel der «Ontario Hockey League» (OHL) geholt. Nach einer Parade durch das rund 100 Kilometer südwestlich von Toronto gelegene, 120 000 Einwohner zählende Städtchen Guelph wurde die Mannschaft von 1000 Fans gefeiert und gab auch noch eine Autogrammstunde.

«Wir hatten sogar schönes Wetter», erzählt Phil Baltisberger lachend. Lachend deshalb, weil dem Oberengstringer das Wetter in den Wochen und Monaten zuvor schier den letzten Nerv geraubt hatte. «In Kanada hatten wir einen wirklich harten Winter. Es war eiskalt und hat zwei Monate lang jeden Tag geschneit. Am Anfang war es ja noch lustig, aber irgendwann habe ich den Schnee dann gesehen», erzählt Baltisberger.

Schwierige Angewöhnung in Übersee

Überhaupt brauchte der Verteidiger, der in der Organisation der ZSC Lions ausgebildet wurde, einen Moment, ehe er sich in Nordamerika zurecht fand. «Am Anfang erlebte ich schon einen Kulturschock. Auf dem Eis musste ich mich an ein ganz anderes Eishockey gewöhnen, als ich es in der Schweiz gelernt habe», sagt Baltisberger.

Während er zuletzt bei den GCK Lions durch die finnische Schule von Trainer Matti Alatalo ging, wo eher auf gepflegten Spielaufbau der Verteidiger gesetzt wurde, musste er sich in Guelph quasi neu erfinden. «Das Spielfeld ist viel kleiner, entsprechend hast du viel weniger Zeit, den ersten Pass zu spielen. Alles geht viel schneller.»

Statt Kreativität war nur noch simples Puck-zum-eigenen-Drittel-herausbefördern gefragt. Kam erschwerend hinzu, dass sich Phil Baltisberger in einem der ersten Spiele im Dress der Storm den Kiefer brach und so gleich mal den Saisonstart verpasste.

Fixstarter in der starken Defensive

Auch neben dem Eis lief es zu Beginn nicht optimal. In der Gastfamilie, wo er einquartiert war, wurde es Baltisberger in der (spärlichen) Freizeit mangels Kindern im Haus schnell einmal langweilig. Nach zwei Monaten fand er ein neues, belebteres Zuhause und fühlte sich fortan wohler in seiner Wahlheimat. Zumal es auch auf dem Eis immer besser lief. Einerseits war schnell klar, dass die Guelph Storm zu den Titelfavoriten gehören und entsprechend fast jedes Spiel gewannen (am Ende 52 von 68 Qualifikationspartien).

Andererseits fand sich auch Phil Baltisberger in seiner neuen Rolle immer besser zurecht und wurde trotz starker, interner Konkurrenz zu einem fixen Bestandteil der starken Defensivabteilung. «Ich wurde zusammen mit meinem Verteidigungspartner in der Regel auf die beste Sturmlinie des Gegners angesetzt. Dazu durfte ich sehr viel Boxplay spielen», erzählt der 1,85 Meter grosse und 97 Kilogramm schwere Limmattaler, was auch seine bescheidene, statistische Ausbeute erklärt. In insgesamt 81 Spielen erzielte Phil Baltisberger nur drei Tore und gab 17 Assists. Dafür liest sich die Plus-/Minus-Bilanz umso beeindruckender: Plus 43.

Sommertraining in der Schweiz

Für ihn war nach der schliesslich doch noch erfreulich verlaufenen Saison in Kanada klar, dass er wie geplant auch eine zweite Saison in Guelph spielen wird. «Das Feedback der Trainer und des General Managers waren gut», erzählt Baltisberger, der morgen in die Schweiz zurückkehren wird.

Das Sommertraining wird er zusammen mit seinem Bruder Chris, der mit den ZSC Lions Meister geworden ist, bestreiten. Wo er im August das Eistraining absolviert, ist noch offen. Gut möglich, dass sich Phil den ZSC oder den GCK Lions anschliessen wird.