Frauen-WM
Dietikerin löst die Verkrampung und schiesst das erste WM-Tor für die Schweiz

Eseosa Aigbogun war beim 10:1-Kantersieg des Schweizer Nationalteams über Ecuador erstmals an der Frauenfussball-WM in Kanada in der Startaufstellung – und erzielte einen wichtigen Treffer.

David Schweizer, Vancouver
Drucken
Teilen
Eseoasa Aigbogun erzielt das erste WM-Tor für die Schweizer Nationalmannschaft.

Eseoasa Aigbogun erzielt das erste WM-Tor für die Schweizer Nationalmannschaft.

Keystone

Es war das erste offizielle Schweizer WM-Tor überhaupt – und es wurde im zweiten Gruppenspiel gegen Ecuador kurz vor der Pause ausgerechnet durch Eseosa Aigbogun erzielt. Die Dietikerin löste sich nach einem Querpass von Crnogorcevic geschickt im Rücken von Gegenspielerin Ponce und traf zum 2:0.

Die Südamerikanerin war schon beim 1:0 im Mittelpunkt gestanden, als sie einen Querpass der früheren Schlierermerin Fabienne Humm ins eigene Tor gelenkt hatte.

Gegen Kamerun reicht ein Unentschieden

Der Treffer von Aigbogun gab dem Schweizer Team Sicherheit für die zweite Hälfte – und so resultierte letztlich ein komfortabler 10:1-Sieg, der Zuversicht für das wichtige dritte Gruppenspiel vom Dienstag gegen Kamerun geben sollte (23 Uhr MEZ). Aigbogun, die gegen Ecuador im 21. Länderspiel erst zum zweiten Mal bei einem Pflichtspiel in der Startaufstellung stand, könnte dann durchaus wieder von Beginn weg auflaufen.

Die Worte von Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg machen auf jeden Fall Hoffnung dazu: «Eseosa hatte viele gute Aktionen», lobte sie die junge Angreiferin nach der Partie. Aigbogun selbst gab sich hingegen trotz des hohen Sieges zurückhaltend und ärgerte sich über ihren Aussenpfostenschuss in der 10. Minute: «Mit unserer Leistung in der ersten Hälfte waren wir alle nicht zufrieden.»

Nervöse Aigbogun

Den Platz im Team hatte sie sich mit einem beherzten Einsatz zum WM-Auftakt gegen Japan (0:1) verdient. Gegen den amtierenden Weltmeister war sie zur zweiten Halbzeit hin auf der Flügelposition für Humm ins Spiel gekommen und sorgte mit ihrer Schnelligkeit für Schwung. «Ich bin eigentlich immer nervös. Aber dieses Mal war es besonders krass», schilderte sie ihre Gefühlslage nach ihrer Einwechslung.

Aigbogun gefällt es gut in Kanada. «Ich fühle mich so wohl, dass ich das erste Mal kein Heimweh habe», sagt sie. Die 22-Jährige teilt sich im Hotel das Zimmer mit Barla Deplazes, einer früheren Klubkollegin beim FCZ. Sie sind dann auch Anlaufstelle für das im Team beliebte Karaoke-Spiel «SingStar».

Auch Kiwic debütierte

Beim 10:1 gegen Ecuador wurde auch Rahel Kiwic, die zweite Dietikerin im Schweizer Frauen-Nationalteam, erstmals an der WM in Kanada berücksichtigt. Sie kam über 72 Minuten zum Einsatz. Die Innenverteidigerin vom Bundesliga-Absteiger MSV Duisburg hatte sich im Trainingscamp in Magglingen eine Fersenverletzung zugezogen. Kiwic verpasste dadurch das letzte Testspiel gegen Deutschland (1:3) und konnte erst in Kanada die Intensität in den Trainings wieder laufend steigern.

Bei ihrem WM-Debüt bekundete die 24-Jährige noch einige Probleme und verursachte auch den Penalty, der zum einzigen Tor der Südamerikanerinnen geführt hatte. «Rahel braucht noch etwas Zeit», sagte Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Kiwic selbst, die einige Wochen pausieren musste, will insbesondere an ihrer Schnelligkeit noch arbeiten. «Von der Luft her ging es schon ganz gut», sagte sie.

Kein Lagerkoller

Obwohl die Spielerinnen schon seit etlichen Wochen zusammen sind, hat sich bisher kein Lagerkoller ausgebreitet. «Wir haben viel Spass zusammen», sagt Aigbogun.

Die Limmattalerin nutzt die Freizeit neben dem Fussballfeld, um die Stadt zu erkunden und Kolleginnen zu treffen. «Wir werden oft angesprochen und erhalten viele Glückwünsche», sagt sie. Besondere Freude hat Aigbogun, dass sogar Kaan Kahraman, ihr Trainer beim FC Basel, an die Weltmeisterschaft gereist ist. «Wir haben uns am Tag vor dem Ecuador-Match getroffen», sagt sie.

Nicht den langen Weg nach Kanada auf sich genommenen haben die Eltern von Aigbogun. Dennoch hat die Dietikerin mit nigerianischen Wurzeln viel Kontakt in ihre Heimat: «Wir telefonieren und schreiben uns täglich. Nach unserem Sieg war mein Vater besonders stolz.»

Aktuelle Nachrichten