«David, schenk mir deine Handschuhe», rief ein Fan. Der angesprochene David Da Costa, der vom Spielfeld auf dem Weg zur Kabine war, lächelte, bevor der nächste Anhänger sein Smartphone zückte, um ein Foto von sich und dem Lugano-Torhüter zu machen.

Da Costa war nach dem Cupspiel zwischen Dietikon und Lugano ein gefragter Mann bei den Fans. So nahe wie auf der Dornau dürften sie ihrem Idol sonst nie kommen. Doch das schien Da Costa nicht zu stören. «Es ist schön, hier zu sein», sagte der ehemalige Torwart des FC Zürich, der in Dietikon auch alte Weggefährten wieder traf: den zurzeit verletzten Dietiker Verteidiger Naim Haziri und Neuzugang Ardian Laski. Mit ihnen hatte Da Costa einst zusammen in der U21-Mannschaft des FC Zürich gespielt.

Während Da Costa nach Spielschluss also noch belagert wurde, hatten sich die meisten Anhänger schon auf den Heimweg gemacht, allen voran die angereisten Fans aus dem Tessin. Offiziell 911 Zuschauer waren gekommen, um das Cupduell gegen Lugano zu sehen – natürlich Saisonrekord. Und eine Zahl, die auch bei den Spielern für Euphorie sorgte. «Wir haben sonst um die 200 Zuschauer», sagte Blazenko Klaric. Der Dietiker Stürmer war während des Spiels immer wieder frenetisch angefeuert worden, sobald er in der gegnerischen Hälfte an den Ball kam. «Es ist natürlich geil, dass so viele Leute gekommen sind», sagte er. «Hoffentlich wird sich das auch auf die Meisterschaft auswirken.»

Doch nicht nur der Zuschaueraufmarsch war ungewohnt für die Dornau. Eine aufgebaute Tribüne, eine Handvoll Fotografen, die sich am Spielfeldrand auf die Lauer gelegt hatten, die Kameraleute vom Schweizer Fernsehen und nicht zuletzt die lautstarken Gästefans, die einen eigenen Sektor bekommen hatten – all das sorgte für eine Atmosphäre, die man auf der Dornau noch selten erlebt hatte. Da geriet sogar die 0:4-Niederlage in den Hintergrund. «Wir haben alles gegeben, aber Lugano war körperlich besser», sagte Klaric. «Alles ist gut.»
Auch bei Dietikons Trainer João Paiva überwog die Freude über das Ambiente. «Wir müssen mit diesem Tag glücklich sein», sagte er. «Klar wollten wir möglichst lange die Null halten, das ist uns nicht gelungen. Aber wir haben eine gute Leistung gezeigt. Für uns war das Spiel gegen Lugano eine tolle Herausforderung, und sie hat grossen Spass gemacht. Deswegen haben sich die Spieler auch beim Publikum bedankt.»

Doch nicht alle Zuschauer hatten Freude am Geschehen auf dem Rasen. Ein Anhänger, der regelmässig Fussballspiele der Dietiker besucht, zeigte sich enttäuscht. Aber nicht wegen der Limmattaler. «Lugano hat in der zweiten Hälfte nur noch das Nötigste gemacht», sagte er. «Das finde ich schade. Ich hätte mehr erwartet.»

Positive Zwischenbilanz

Für die Organisatoren hingegen verlief der Nachmittag nach Wunsch. Bis zum Sonntagabend konnten sie eine positive Bilanz ziehen. «Wir rechnen dank der Zuschauer mit einem Plus», sagte Christian Müller, der beim FC Dietikon fürs Marketing und Sponsoring zuständig ist. Allerdings: Voll war die Dornau nicht. So gab es auf der Tribüne noch einige freie Plätze.

Dennoch zeigte sich Müller zufrieden. «Klar, es hätten noch mehr Zuschauer kommen können, aber wir haben sehr gute Rückmeldungen bekommen», sagte er. «Es hat alles bestens geklappt.» Auch seien die Fans wieder friedlich nach Hause gegangen.

Nun wird all das wieder abgebaut, was für den Cup provisorisch errichtet wurde. Dazu gehört auch die Tribüne. «Aber wir machen eins nach dem anderen», sagte Müller.

Für die Dietiker geht es dagegen heute schon mit dem Training weiter. Morgen haben sie bereits die nächste Einheit. Denn nach dem Ausscheiden im Cup gilt die Konzentration wieder der Meisterschaft. Am Mittwoch spielen sie gegen Einsiedeln. «Wir haben eine englische Woche», sagte Paiva, der sich etwas mehr Erholung für seine Mannschaft gewünscht hätte. «Aber der Spielplan ist nun mal so», sagte er.

Lugano muss dagegen erst am nächsten Wochenende wieder antreten – gegen Thun. Entsprechend lockerer gehen die Tessiner die Vorbereitung an. Heute haben sie frei, deshalb bleibt Da Costa noch in Zürich. Der Torhüter ist froh, dass man die unterklassigen Dietiker so deutlich geschlagen hat. «Wir wollen schliesslich in den Final kommen», sagte er.