Kunstturnen
Diese Mädchen sind stärker als manche Jungs in der Schule

Vergangenes Wochenende fand in Bonstetten der Nachwuchswettkampf der Kunstturnerinnen statt. Weshalb die Sportart bei den Mädchen im Vergleich zu ihren männlichen Altersgenossen so beliebt ist, erklären die Talente gleich selbst.

Fabian Sanginés
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Der Kutu Urdorf bei der Präsentation vor den Kampfrichterinnen (v.l.): Jana Blattner, Tonya Neely, Chantal Rüegg, Valérie Strub, Cécile Delachaux.

Der Kutu Urdorf bei der Präsentation vor den Kampfrichterinnen (v.l.): Jana Blattner, Tonya Neely, Chantal Rüegg, Valérie Strub, Cécile Delachaux.

Roland Jaus

Kantonale Nachwuchsmeisterschaften in Bonstetten. Duzende herausgeputzte Mädchen turnen mit ästhetischer Eleganz am Boden, Barren oder auf dem Balken um Bestnoten. Hinter der grazilen Haltung und dem ständigen Lächeln der Turnerinnen steckt aber beinharte Arbeit. Schon in den tiefsten Alters- und Stärkekategorien ist oftmals ein Training von drei Mal pro Woche nötig. Dabei gehören Kraftübungen und Stabilisationsunterricht zum festen Programm von solchen Einheiten. Die Frage, weshalb viele Kinder des vermeintlich «schwachen Geschlechts» diese wöchentlichen Strapazen auf sich nehmen, beantwortet die 13-jährige Tonya vom Kutu Urdorf folgendermassen: «Es macht einfach Spass mit den Freundinnen zusammen zu trainieren. Man freut sich immer aufeinander.» Tonyas zwei Jahre ältere Kollegin Chantal ist vor allem von der Vielseitigkeit des Kunstturnens angetan: «Kraft wird mit Eleganz kombiniert. Mal ist Schnelligkeit gefragt, mal geht es etwas langsamer zu und her. Das fasziniert mich.»

Auch für den Alltag bringt die harte Arbeit Vorteile. «Im Sportunterricht in der Schule turnen wir auch viel an den Geräten. Da gehören wir dann zu den besseren und stehen nicht da wie Vollidioten», so die junge Schülerin. Ausserdem sind die beiden Mädchen stärker als manche Jungs in ihren Schulklassen, wie sie lachend zu Protokoll geben.

Keine Angst vor Verletzungen

Angst vor schwerwiegenden Verletzungen an den Geräten haben die beiden Mädchen übrigens keine. «Ich weiss, dass ich die Übungen beherrsche, deshalb mache ich mir da keine Sorgen», erklärt Tonya selbstbewusst. Chantal habe zwar «etwas Respekt», hat aber ebenfalls genug Vertrauen in die eigenen Stärken, als dass sie ernsthaft stürzen könnte.

Fehlende Zeit

Während Chantal eher durch Zufall in die Riege der Kunstturnerinnen gerutscht ist, wurde Tonya durch ihrer Gotte, welche als Trainerin im Kutu Urdorf amtet, auf das Turnen aufmerksam. Beide haben sie im zarten Alter von fünf Jahren mit dem Training begonnen und bestreiten jetzt jährlich mindestens vier Wettkämpfe, normalerweise im Kanton Zürich. «Für Schweizer Meisterschaften müssten wir ausserkantonale Wettkämpfe bestreiten. Dazu wären ein bis zwei zusätzliche Trainings nötig, dafür fehlt uns mittlerweile einfach die Zeit», sagt Chantal, die im Sommer eine Lehre beginnt. Tonya geht sogar noch einen Schritt weiter und erklärt, dass sie nur noch «ein bis zwei Jahre» weiterturnen möchte. Eine gute Nachricht für die männlichen Mitschüler, die dann die natürlichen Kräfteverhältnisse wieder gerade rücken können.