Fussball

Diese Faustballerin sieht die Faust als Lebensmittelpunkt

Schlagfertig als Faustballerin und Gesprächspartnerin: Leandra Mülli weiss, was sie will. rab

Schlagfertig als Faustballerin und Gesprächspartnerin: Leandra Mülli weiss, was sie will. rab

Leandra Mülli von den Schlieremer Faustballerinnen bezeichnet sich selbst Faustball als verbissen. Dem Sport opfert sie fast alles – selbst einen Teil ihres Freundeskreises.

Sie weiss, was sie will. Und sie weiss auch wann: «Jetzt ist meine Chance da.» Für Leandra Mülli ist Faustball «mein Ein und Alles». Die 16-Jährige wechselte vor einigen Monaten nach Schlieren und trainiert dort sowohl mit dem 1.-Liga- als auch mit dem NLA-Team. Andere Hobbys? «Ich trainiere vier Mal in der Woche, dazu kommen noch Sprungübungen und Joggen – ich habe keine Zeit für anderes.» Die Wahrheit ist: Mülli, die sich im ersten Lehrjahr zur Floristin befindet, will keine Freizeit für anderes aufwenden. Während andere in ihrem Alter von der grossen Liebe oder wenigstens einem Konzertticket für die Lieblingsband träumen, denkt Mülli an das kommende Jahr.

Bei der U-18-WM in Kolumbien will sie das Trikot der Landesauswahl tragen. Die Wallisellerin hat eine Rechnung mit sich selbst offen: In der vergangenen Woche schaffte sie den Cut für das U-18-Aufgebot für die Heim-EM in Jona nicht. Wenn Mülli darüber spricht, muss sie sich konzentrieren, damit ihre Stimme nicht versagt. «Das tat weh. Ab und zu kommen die Tränen noch hoch», schildert sie freimütig. Pikant ist auch, dass die Entscheidung wohl zwischen ihr und Frederike Wilke viel , die ebenfalls in Schlieren spielt (die LiZ berichtete). Mülli ist zwar enttäuscht, hegt aber keinen Groll, im Gegenteil:. «Ich bin natürlich vor Ort, um sie und die Schweiz anzufeuern.

«Starke Verbissenheit»

Leandra Mülli ist für ihr Alter ausserordentlich reflektiert und selbstsicher. Sie ist sich bewusst, dass sie ihrer «manchmal sehr starken Verbissenheit» (O-Ton) vieles opfert. Zum Beispiel einen Grossteil ihres Freundeskreises. «Die meisten meiner jetzigen Freunde vom Faustball her, für viele der ehemaligen blieb keine Zeit mehr. Einige davon hatten kein Verständnis für meine Leidenschaft für den Faustball.» Ihre Eltern unterstützten sie, «mein Vater ist auch ein verbissener Sportler», sagt sie lächelnd.

Das, was der Volksmund unter «Erfahrungen machen» verstehen, ist ihr wurst. Von Alkohol und Nikotin hält sie nichts, wann sie das letzte Mal im Ausgang war, weiss sie nicht mehr. Wenig Schlaf kriegt sie auch so: Nach den Trainings mit dem Fanionteam ist sie gegen 0.30 Uhr zu Hause. Mülli weiss auch, dass diese Sportart zu denen gehört, die von der finanziellen Warte aus gesehen unter dem Motto «Ausser Spesen nichts gewesen» stehen. Sie mache das aus Freude.

Der lebende Beweis, dass diese Freude lange anhalten kann und einen im Sport weit bringt, trainiert mit Leandra Mülli: Schlierens NLA-Captain Simone Estermann ist das Gesicht des Schweizer Frauenfaustballs. Die Rekordnationalspielerin, die ihre internationale Karriere mittlerweile beendet hat, ist einer der wenigen Gründe, die Mülli Zurückhaltung abnötigen – aus Ehrfurcht. «Wenn jemand über Jahre auf Topniveau spielt, ist das natürlich ein Vorbild für mich.» Vielleicht ist Leandra Mülli eines Tages in der Position von Simone Estermann.

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