Super League

Die zarte Pflanze «GC» gedeiht unter Züchter Pierluigi Tami

Pierluigi Tami hat GC auf die Erfolgsspur zurück gebracht.

Pierluigi Tami hat GC auf die Erfolgsspur zurück gebracht.

Pierluigi Tami hat die Grasshoppers von weit unten nach weit oben gebracht. Wie ist es dazu gekommen und wieso sind bei GC alle erleichtert aber gleichzeitig auch überrascht über den Erfolg?

Ganz am Ende spricht Pierluigi Tami plötzlich von «gepackten Koffern». Bevor ein falscher Eindruck entsteht: Es geht nicht darum, ob der GC-Trainer oder ein Spieler das blau-weisse Schiff alsbald verlassen möchte. Nein, Tami erinnert nur noch einmal daran, dass am Sonntag in Lugano das letzte Spiel des Jahres stattfindet. Er ist gespannt darauf, wie sein Team diese Herausforderung meistert. Denn: «Manchmal, da hat man als Spieler in so einer Situation vor allem im Kopf, wie der Koffer für die Ferien gepackt werden soll.»

Der Koffer passt gerade trotzdem ziemlich gut zu GC. Denn es ist eine erstaunliche Reise, die Tami und seine Grasshoppers 2015 zurücklegten. Eine Reise von ziemlich weit unten nach ziemlich weit oben. Als Tami GC im letzten Februar übernahm, steckte das Team im Abstiegskampf. Die ersten drei Spiele gingen verloren, es war ein lustvolles GC am Werk – aber noch funktionierte das Gebilde nicht.

Zehn Monate sind seither vergangen. Und längst ist alles anders. GC ist die positive Überraschung der Saison. Und Tami muss nicht mehr erklären, warum er überzeugt ist, dass irgendwann schon alles gut kommt. Sondern, warum Bescheidenheit Trumpf bleibt, denn «sonst denken die Leute bald noch, GC müsse Meister werden.» Sieben Punkte beträgt der Rückstand des Tabellenzweiten auf Leader Basel.

Erleichterung und Überraschung

Aber derzeit geht es bei GC um mehr als nackte Zahlen. Wer mit Tami, mit Geschäftsführer Manuel Huber oder auch dem Präsidenten Stephan Anliker spricht, der spürt zweierlei: Erleichterung und Überraschung. Erleichterung darüber, dass der eingeschlagene Weg mit vielen Jungen Früchte trägt. Auch darüber, dass der Verein nicht mehr nur dann Schlagzeilen macht, wenn wieder irgendwer entlassen wurde oder sich selbst vom Chaos befreite. Aber eben auch etwas Überraschung, denn dass GC so schnell wieder so erfolgreichen und überdies attraktiven Sport bietet – nein, das hätte selbst im inneren GC-Zirkel niemand gedacht.

Manchmal fühlt man sich ans Ende des Jahres 2013 erinnert. Als GC mit Trainer Uli Forte Zweiter wurde und den Cup gewann. Es sah aus, als ginge es mit den Hoppers aufwärts. Kontinuierlich, vielleicht sogar dauerhaft. Trainer Forte erklärte, er wolle als Hirte die Schafherde zusammenhalten. Einen Tag später war er YB-Trainer. Und die GC-Herde löste sich auf.

Nun geht es für Huber und GC darum, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Es ist richtungsweisend, den Vertrag mit Tami zu verlängern. Viel wichtiger als die Frage, ob nun Dabbur noch eine halbe Saison mehr oder weniger bleibt. «Dabbur ist wichtig für GC», sagt Tami, «aber GC ist auch wichtig für Dabbur.» Bedeutet: GC ist ein Gebilde geworden, in dem sich Spieler wohlfühlen, gut entwickeln – und darum auch persönlich positiv auffallen.

Unkonventionelle technische Traininsmethoden

Tami erzählt lächelnd, dass die freiwilligen Trainings immer mehr besucht werden. Er erzählt von seinen Methoden, die über den Fussball hinausgehen. So müssen die GC-Spieler jeweils 20 Minuten vor den Trainings per iPad drei Fragen beantworten. Ganz simpel, zum Beispiel, ob sie gut geschlafen haben. «Wenn einer drei Nächte in Folge von seiner Frau aus dem Zimmer geworfen wird, hat er wahrscheinlich andere Sorgen als ein Training», sagt Tami.

Sobald Abweichungen von der Norm erscheinen, blinkt sein Monitor rot auf. Und schliesslich bewerten sich die GC-Spieler wie früher in der Schule selbst. Wenn der Unterschied zur Sicht des Trainers zu gross ist, folgt ein klärendes Gespräch.

Natürlich, auf der Suche nach dem Erfolgsrezept, fällt schnell der Name Kim Källström. Der neue Captain ist herausragend. Es war ein smarter Zug, das Team um ihn herum zu bauen. Zumal sein Einfluss weit über das Geschehen auf dem Platz reicht. Um ihn herum gedeiht die zarte Pflanze GC prächtig. Fragt sich bloss, ob das Wetter stabil bleibt. Oder ob die Pflanze schon bald dem nächsten Sturm über dem Campus zum Opfer fällt. Noch sind die letzten Zweifel nicht beseitigt.

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