Super League
Die Young Boys gewinnen dank Elvedis Fauxpas

Die Young Boys festigen mit einem 1:0-Auswärtssieg beim matten FC Zürich den zweiten Tabellenplatz und nähern sich mit Riesenschritten der Qualifikation für die Champions League. Guillaume Hoarau schoss das einzige Tor mittels Penalty.

Markus Brütsch
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Guillaume Hoarau verwandelt den entscheidenden Penalty.

Guillaume Hoarau verwandelt den entscheidenden Penalty.

Keystone

Am Ende lief der FC Zürich eine Ehrenrunde und wurde vor allem von der Südkurve begeistert gefeiert. Die Frauenmannschaft war am frühen Nachmittag mit einem 5:0 über den FC Basel zum 11. Mal Cupsieger geworden und präsentierte stolz die Trophäe.

Die Männer dagegen waren zu diesem Zeitpunkt bereits in der Kabine. Sie hatten es eilig gehabt, in dieser zu verschwinden. Zu bejubeln hatte es für sie ein weiteres Mal nichts gegeben. Sie hatten gegen die Young Boys in diesem Jahr zum fünften Mal ein Heimspiel mit 0:1 verloren, der Cuphalbfinal gegen den FC Sion inbegriffen.

Die zwei einzig erfreulichen Begebenheiten für ihn an diesem Sonntag waren, dass zum einen Captain Yassine Chikhaoui für einen Ellbogenschlag gegen Steffen in der Schlussminute nicht schon wieder des Feldes verwiesen worden war, und zum andern der FC St. Gallen im Kampf um den Europacupplatz nach dem 0:1 gegen Sion weiter vier Punkte distanziert bleibt. «Wir wollen in den letzten fünf Runden diesen vierten Rang verteidigen», sagte FCZ-Trainer Urs Meier tapfer.

Viele Abwesende

Der glückhafte 2:1-Sieg unter der Woche beim FC Sion war nicht zum erhofften Befreiungsschlag geworden. Gleich vier Spieler sassen gegen YB gesperrt auf der Tribüne, und vier weitere Stammspieler fehlten verletzungsbedingt. Dies war natürlich mit ein Grund, weshalb der FCZ im 15. Heimspiel nicht zum sechsten Sieg kam, sondern die Serie an sieglosen Heimpartien seit dem 3:0 am 5. Oktober gegen Vaduz auf neun Einheiten verlängerte – eine grauenvolle Bilanz.

Die Absenzen allein aber sind gewiss nicht der einzige Grund für die FCZ-Misere. Die Verunsicherung ist den Spielern auf Schritt und Tritt anzusehen, das Selbstvertrauen total weg. Und wenn dann noch einem jungen Spieler wie dem 18-jährigen Nico Elvedi ein grober Schnitzer unterläuft, ist die Niederlage so gut wie programmiert.

Der rechte Aussenverteidiger – Meier hatte in der Abwehr auf eine Viererkette umgestellt – hatte sich nach einem Corner von Leonardo Bettoni bei der Bewachung von Renato Steffen ungeschickt angestellt und den Berner Flügel klar gefoult. «Er hat mich umgerissen», sagte Steffen, der im Letzigrund offenbar von Scouts von Everton, Bordeaux, Köln und Kaiserslautern beobachtet worden war.

Vorsprung verteidigt

Der französische Topstürmer Guillaume Hoarau hatte sich die Penaltychance nicht entgehen lassen und seinen 16. Ligatreffer erzielt. Nach 38 Minuten waren die Young Boys in Führung gegangen, den Rest der Partie nützten sie, um das zu üben, was ihnen in den beiden letzten Partien gegen GC und Aarau misslungen war: Einen Vorsprung über die Zeit zu bringen. «In der Nachspielzeit haben wir deswegen etwas gebibbert», sagte Trainer Uli Forte, «aber diesmal haben wir es besser gemacht, die Bälle nicht einfach weggeschlagen, sondern monopolisiert.»

YB hatte wahrlich keine Glanzleistung gebraucht, um den dritten Sieg über den FCZ in dieser Saison einzufahren und den zweiten Rang zu zementieren. In der Winterpause waren die beiden Teams noch punktgleich gewesen, jetzt hat YB 14 Zähler mehr als der FCZ auf seinem Konto. «Wir haben ein defensiv sehr gutes Auswärtsspiel gezeigt», sagte Innenverteidiger Steve von Bergen. «Ich denke nicht, dass wir heute zu passiv waren.»

Tatsache aber ist, dass auch die Young Boys keinen Beitrag dazu leisteten, im Fernsehspiel Werbung für die Super League zu machen. Die Partie war enorm tempoarm und dennoch fehlte im Aufbauspiel zu oft die Präzision; Torchancen waren auf beiden Seiten Mangelware. Den 9169 Zuschauern wurde Magerkost serviert, die an ein Trainingsspielchen erinnerte.

Zürich - Young Boys 0:1 (0:1)

9169 Zuschauer. - SR Schärer. - Tor: 38. Hoarau (Foulpenalty/Foul von Elvedi an Steffen) 0:1.

Zürich: Brecher; Elvedi, Nef, Kecojevic, Djimsiti; Schneuwly (79. Sadiku), Cédric Brunner (70. Sarr), Chiumiento, Rodriguez (61. Gavranovic); Etoundi, Chikhaoui.

Young Boys: Mvogo; Hadergjonaj, Vilotic, Von Bergen, Sutter; Bertone, Sanogo (71. Gajic); Steffen, Gerndt (86. Nuzzolo), Zarate (79. Lecjaks); Hoarau.

Bemerkungen: Zürich ohne Buff, Chermiti, Philippe Koch und Rikan (alle gesperrt), Alesevic, Raphael Koch, Kukeli, Schönbächler und Yapi (alle verletzt) und Da Costa (nicht im Aufgebot). YB ohne Seferi (verletzt). Verwarnungen: 37. Elvedi (Foul). 42. Hadergjonaj (Foul). 57. Steffen (Foul, im nächsten Spie gesperrt). 64. Cédric Brunner (Foul). 65. Sanogo (Foul). 94. Hoarau (Unsportlichkeit). Ehrung für FCZ-Masseur Hermann Burgermeister zum 40-Jahr-Jubiläum.