Racketlon
Die Wahl-Schweizerin will in Schlieren erneut die WM-Krone

Nathalie Zeoli ist die amtierende Weltmeisterin im Racketlon. In einer Woche will die Primarlehrerin an der WM in Schlieren ihren Erfolg vom letzten Jahr wiederholen.

Fabian Kleeb
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Sammelt Erfahrungen und Trophäen: Nathalie Zeoli.

Sammelt Erfahrungen und Trophäen: Nathalie Zeoli.

Fabian Kleeb

Für die letztjährige Weltmeisterschaft in Stockholm hatte Nathalie Zeoli eine mehrstündige Anreise per Flugzeug. In diesem Jahr ist die Wettkampfstätte für die 25-Jährige in einer rund halbstündigen Autofahrt zu erreichen. Das ist ihr grosser Vorteil für die Mission Titelverteidigung: Nur deshalb ist es der Racket-Königin möglich, seit einiger Zeit ein- bis zweimal wöchentlich im Vitis Center in Schlieren, wo die WM ab nächstem Freitag beginnt, zu trainieren. «Ich versuche, mir eine Art Heimvorteil zu erarbeiten», erklärt die aktuelle Weltnummer 1.

Ein wahres Mammutprogramm

20 Stunden trainiert die in Münchwilen (AG) wohnhafte Zeoli pro Woche. Als Ausgleich dazu versucht sie sich zweimal pro Woche beim Geige spielen ihrer musischen Seite zu widmen. Racketlon – der Mix der Sportarten Tischtennis, Badminton, Squash und Tennis – erfordert einen extrem hohen Trainingsaufwand. Es genügt nicht, in einer Disziplin gut zu sein. Um wie Zeoli Weltmeisterin zu werden, muss man alle vier Rückschlagsportarten beherrschen. Neben dem Sport hat die gebürtige Deutsche, deren Familienmitglieder allesamt Racketsport betreiben, eine 70-Prozent-Pensum als Primarlehrerin inne. «Um mein gesamtes Programm absolvieren zu können, braucht es eine saubere Planung», weiss sie. Zurzeit hängt an ihrem Kühlschrank ein Plan, welcher das detaillierte Programm für jeden einzelnen Tag bis zur WM beinhaltet.

Nur eine Niederlage in diesem Jahr

Da Zeoli in allen vier Sportarten Interclub-Partien bestreitet und sich zusätzlich für Turniere anmeldet, sammelt sie viel Matchpraxis. «Wenn ich mich mit den Spezialisten der einzelnen Disziplinen messe, lerne ich am meisten», sagt die Vollblut-Sportlerin. Damit will die Fricktalerin den Unterschied gegenüber ihrer Widersacherin der letzten Jahre, Zuzana Kubánnová, herbeiführen. Einzig gegen die Tschechin musste Zeoli den Court in diesem Jahr als Verliererin verlassen. An der WM 2012 kam es im Final ebenfalls zu diesem Duell. Damals gab es die knapp möglichste Entscheidung: Ein einziger Punkt im Tennis, der sogenannte Gummiarm, gab den Ausschlag zugunsten von Zeoli. Darauf angesprochen, ob auch in Schlieren dasselbe Hitchcock-Finale zu erwarten ist, hebt sie den Mahnfinger: «Es ist überhaupt nicht sicher, dass wir die beiden Finalistinnen sein werden. Hinter uns klopft eine neue Generation an, die von Tag zu Tag stärker wird.»

Erfolgsdruck ist vorhanden

Nathalie Zeoli, die die 610 Anmeldungen für den Grossanlass als fantastisch einstuft, verspürt als Titelverteidigerin und Welt-Nummer 1 vor der «Heim-WM» logischerweise etwas Druck. «Dass ich in meiner Wahlheimat versuchen darf, meinen Titel zu bestätigen ist einerseits eine riesige Motivation, andererseits aber halt auch ein gewisser Erfolgsdruck.» Aber daran versucht die 25-Jährige möglichst keine Gedanken zu verlieren: «Ich will optimal vorbereitet antreten und dann schlicht und einfach mein Bestes geben». Läuft weiterhin alles nach Plan, wird die Trophäensammlung von Nathalie Zeoli in knapp zwei Wochen um einen WM-Pokal reicher sein.