Der Weg kann durch unwegsames Gelände führen, durch Matsch und Dreck. Und das bei Kälte und Regen, ja sogar Schnee. Doch das stört Lara Alemanni nicht, im Gegenteil. «Mir fällt das Laufen im Cross leichter als dasjenige auf der Bahn», sagt die 18-Jährige und fügt hinzu: «Und das, was einem leichter fällt, macht man auch lieber.»

Alemanni läuft, seit sie 13 ist. Damals war sie noch Fussballerin bei den FCZ-Frauen, nahm dann aber am Silvesterlauf in Zürich teil und erreichte den dritten Rang in der Kategorie U16. Sie schloss sich dem TV Unterstrass an und trainierte nun regelmässig, und zwar Cross. «Crosslauf ist für Läufer eine Alternative während des Winters, da es keine Bahnwettkämpfe draussen gibt», erklärt Alemanni. «Halle wäre eine andere Option. Da ich lieber im Freien laufe, ist mir Cross im Winter lieber als die Halle.» Ein Entscheid, der sich als richtig erweisen sollte. Ein paar Monate später rannte sie an den Schweizermeisterschaften im Cross und holte in der Kategorie U16 völlig überraschend gleich den Titel.

Ein Jahr später hängte Alemanni die Fussballschuhe an den Nagel. Sie absolviert eine kaufmännische Lehre an der United School of Sports und konzentriert sich ganz auf Leichtathletik. Was fasziniert sie so sehr an dieser Sportart? Alemanni gerät ins Schwärmen. «Wenn man läuft und im Rhythmus ist, fliegt man regelrecht», versucht sie zu erklären. «Das ist ein unbeschreibliches Gefühl.»

Ein Gefühl, das sie in den letzten Jahren mehrmals erleben durfte. Denn seit ihrem Sieg an der SM 2012 gibt es eine schon fast unheimliche Konstante in ihrer Karriere als Läuferin: An jedem Start einer Cross-Schweizermeisterschaft gewann sie jedes Mal den Titel – letztes Jahr in der Kategorie U18, dieses Jahr bei der U20.

Ansprechbar vor dem Wettkampf

Alemanni kapselt sicht vor ihren Rennen nich ab, wie das bei anderen Läuferinnen und Läufern vor einem wichtigen Wettkampf jeweils üblich ist. «Ich rede auch vor Ort noch mit meiner Familie», sagt sie. «Selbst während des Rennens bekomme ich mit, wenn mir jemand aus der Familie etwas zuruft – oder der Trainer.» Stört sie das nicht in ihrer Konzentration? «Nein, gar nicht», meint sie. «Man hört es, und wenn es Anweisungen sind, versucht man, diese umzusetzen.» Dann fügt sie hinzu: «Ich nehme während des Laufs alles wahr, auch, welche Konkurrentin neben einem läuft und ob man gut in der Zeit ist oder nicht.»

Gut in der Zeit – das war Lara Alemanni bisher vor allem bei nationalen Rennen. International hingegen musste sie auch Rückschläge wegstecken. Zum Beispiel bei ihrer ersten Teilnahme an einer Europameisterschaft vor zwei Jahren in Bulgarien. Damals erreichte sie Rang 71 und war nicht zufrieden mit ihrem Lauf. «Da ging es für mich vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln», meint sie heute. Diese Erfahrungen haben ihr bei der nächsten Europameisterschaft in Frankreich bereits geholfen. Dort lief sie auf den 45. Rang. «Ich nahm das ganze Drumherum gelassener und konnte mich auf meinen Lauf konzentrieren», erklärt sie. «Daher bin ich mit meiner Leistung zufrieden.»

Der Traum von Olympia

Die Teilnahmen an der EM waren für Alemanni wichtig, um sich an die Verhältnisse bei einem internationalen Wettkampf zu gewöhnen. Doch sie träumt von höheren Zielen. «Wenn man eine Sportart betreibt, die eine olympische Disziplin ist, möchte man eines Tages natürlich auch an den Olympischen Spielen teilnehmen», sagt die Urdorferin. Vielleicht schon in vier Jahren? «Das wäre noch zu früh», sagt Alemanni und lacht. «Ich konzentriere mich jetzt erst mal auf die Bahnsaison, die demnächst startet.»

Trotz ihrer 18 Jahre ist sich Alemanni durchaus bewusst, dass Erfolg vergänglich sein kann. Deshalb setzt sie sich kurzfristige Ziele. «Ich weiss ja nicht, was in einem Jahr ist», erklärt sie. «Man weiss nie, was passiert. Daher sollte man jeden Erfolg geniessen.»