Fussball
Die Urdorfer tanken Selbstvertrauen: «Wir haben Geduld gezeigt und sind dafür belohnt worden»

In der zweiten Liga schlägt der FC Urdorf den FC Affoltern am Albis mit 4:1 und verlässt die Abstiegsplätze.

Michel Sutter
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Harter Zweikampf um den Ball: Der Urdorfer Flavio Ciullo (im weissen Trikot) gegen Affolterns Sandro Antenen.

Harter Zweikampf um den Ball: Der Urdorfer Flavio Ciullo (im weissen Trikot) gegen Affolterns Sandro Antenen.

Michel Sutter

Gianni Musumeci hatte sich mit ernster Miene vor der Garderobe postiert und wartete, bis seine Spieler aus der Kabine kamen. Dann klatschte der Urdorfer Trainer so energisch mit jedem einzelnen von ihnen ab, dass das Geräusch bis zur Mittellinie des Spielfeldes vom Fussballplatz Chlösterli zu hören war. Der Beginn der zweiten Hälfte in der Partie zwischen Urdorf und Affoltern am Albis stand kurz bevor, als Musumeci seine Schützlinge nochmals zu motivieren versuchte, indem er sie auf diese Weise aufs Spielfeld schickte.

Die Motivation konnten die Urdorfer gut gebrauchen. Sie hatten im ersten Durchgang gut begonnen, dann aber ein unglückliches Gegentor kassiert: Affolterns Claudio Antenen traf den Ball aus der Distanz perfekt und versenkte ihn genau unter dem rechten Lattenkreuz. «Ein Sonntagsschuss», sagte Musumeci anerkennend, «wobei die Aktion zuvor für mich ein Handspiel gewesen war.» Tatsächlich schien es, als hätte ein Affoltemer den Ball kurz zuvor mit der Hand gestoppt, doch der Schiedsrichter liess weiterspielen, aller Proteste der Urdorfer zum Trotz.

Man merkte den Urdorfern an, dass sie das Gegentor und die Art und Weise, wie es zustande gekommen war, irritiert hatte. Der Schwung in der Offensive war plötzlich weg. Etwa zehn Minuten später hatten sie sich wieder gefangen und kamen durch Velisav Stevovic und Patrick De Napoli zu guten Chancen, hatten in der Nachspielzeit aber auch Glück. Hätte De Napoli nicht in letzter Sekunde vor dem einschussbereiten Leutrim Ismajlaj gerettet, wären die Urdorfer mit 0:2 in Rückstand gelegen. Trotzdem: Die 1:0-Führung zur Pause war schmeichelhaft für die Gäste, die insgesamt weniger von der Partie gehabt hatten. «Ein Unentschieden wäre zum Halbzeitpfiff gerechter gewesen», meinte Urdorf-Stürmer Alessandro Felicetti.

Zum Ausgleich kamen die Urdorfer dafür schon acht Minuten nach Wiederanpfiff, und das sehr überraschend. Sladjan Peric hatte aus der Distanz abgezogen, Affolterns Torhüter Kevin Aegerter sah den Schuss kommen und war in die richtige Ecke unterwegs – doch dann wurde der Ball noch abgefälscht und flog in die andere Torecke. Ein glückliches Tor für die Urdorfer, ebenso wie der dritte Treffer der Urdorfer, der nicht mal zehn Minuten nach dem Ausgleich fiel. Nach einem Eckball schoss Verteidiger Sven Müller aus der Distanz, und wieder wurde der Ball abgelenkt – 3:1 für Urdorf. Drei Minuten zuvor hatte De Napoli mit einem Kopfball für die erstmalige Urdorfer Führung gesorgt.

Zwei glückliche Tore

Auch wenn zwei dieser drei Tore etwas glücklich waren: Die Urdorfer hatten sich die Führung verdient, weil sie jetzt deutlich mehr fürs Spiel machten als ihre Gegner. «Wir sind mehr gelaufen und waren aggressiver», meinte Felicetti. Felicetti selbst sorgte dafür, dass nur zwei Minuten nach Müllers 3:1 schon die Vorentscheidung in dieser Partie viel. Es lief ein Angriff der Urdorfer, Samir Kozarac legte den Ball am herausstürmenden Aegerter vorbei, und Felicetti brauchte nur noch einzuschieben. «Das war nicht mehr sehr schwierig», sagte der Torschütze und lächelte.

Doch es gab in dieser Partie nicht nur viele Tore, sondern auch viele Karten. Die Urdorfer handelten sich insgesamt fünf Verwarnungen ein, die Gäste vier, wovon zwei an Jan Mühlemann gingen – Platzverweis also für den Affolter Verteidiger. «Ich finde, der Schiedsrichter hat auf beiden Seiten teils Karten gezückt, die man auch hätte stecken lassen können», sagte Musumeci. Jedoch war die Partie auch von vielen Fouls geprägt, die einen richtigen Spielfluss verunmöglichten. Insgesamt kein Abend für Fussballästheten.

«Beide Mannschaften brauchten die Punkte», rechtfertigte Felicetti die teils harte Gangart. Und Musumeci meinte: «Es war ein Kampfspiel. Aber wir haben Geduld gezeigt und sind dafür belohnt worden.»

Doch der Lohn sind nicht nur die drei Punkte, welche die Urdorfer durch das 4:1 gewonnen haben. Denn mit dem Sieg über Affoltern haben sie nicht nur einen direkten Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg geschlagen. «Wir haben auch Selbstvertrauen getankt», sagte Musumeci. «Deshalb bin ich über diesen Sieg doppelt happy.»