Fussball
Die Trutzburg Chlösterli fällt spät

Urdorf unterliegt 2.-Liga-Dominator United Zürich nach starker Gegenwehr 0:2 im ersten Heimspiel der Saison.

Raphael Biermayr
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Rund 70 Minuten lang haben die Urdorfer um Torhüter Michael Schürch die Sache im eigenen Strafraum im Griff. rab

Rund 70 Minuten lang haben die Urdorfer um Torhüter Michael Schürch die Sache im eigenen Strafraum im Griff. rab

Limmattaler Zeitung

Zehn Mal schnappte sie zu. Dann versagte sie. Die Abseitsfalle war der grösste Trumpf des Abstiegskandidaten FC Urdorf gegen den Aufstiegsfavoriten United Zürich. 68 Minuten lang waren die «Stiere» mit ihr im Verbund, dann fand der Ex-Dietiker Indrit Dzaferi eine Möglichkeit, sie auszuhebeln. Mit einem herrlichen Pass in die Lücke bediente er Leonardo Rapisarda, das frühere FCZ-Talent (drei Einsätze in der Super League) vollstreckte zum 0:1.

«Das Tor hatte sich da nicht abgezeichnet. Im Gegenteil: Wir haben uns in dieser Phase nach vorn orientiert», sagte FCU-Trainer Röbi Rhiner später. Er wusste, gleich, nachdem er diese Worte ausgesprochen hatte, das genau diese leichte Öffnung der Grund für den Rückstand war. «Wir standen in dieser Phase nicht mehr so kompakt. Das hat uns das Genick gebrochen», schob er nach.

Denn die Gäste hatten schon zuvor Druck gemacht. Tormöglichkeiten waren allerdings Mangelware, abgesehen von einem Kopfball von Ivan Previtali, der den Pfosten streifte (53.). Urdorf spielte taktisch sehr intelligent und diszipliniert. Das heimische Chlösterli war bis zum ersten Gegentor eine Trutzburg. «Das haben sie wie so oft ganz clever gespielt», lobte auch Francesco Azzarito. Der vormalige Dietiker war in Abwesenheit von Junior Francisque der Abwehrchef bei United.

Ein Abwehrchef, der sich zurücklehnen konnte, hatte er doch kaum etwas zu tun. Die Urdorfer waren bis auf einen Abschluss des auffälligen Ricardo Tomasino nach rund einer halben Stunde harmlos. Es war augenscheinlich und nachvollziehbar, das ein 0:0 ein gutes Resultat für sie gewesen wäre.

Genauso nachvollziehbar war Rhiners Massnahme, nach dem 0:1 alles auf eine Karte zu setzen. Er brachte mit Roman Pfister und Davide Ramaglia zwei Stürmer. Das goldene Händchen hatte aber sein Antipode Massimo Rizzo: Luka Lapenda traf zehn Minuten nach seiner Hereinnahme zum 0:2 – die Vorarbeit kam wiederum vom ebenfalls eingewechselten Dzaferi.

Ruhe trotz Ungemütlichkeit

Nach dem happigen Auftaktprogramm mit drei Auswärtsspielen bei vier Auftritten stehen die Limmattaler dort, wo man sie erwarten konnte: in der Abstiegszone. Die Tordifferenz von minus sieben (3:10) spricht Bände – es fehlt vor allem in der Offensive. Mit Ausnahme der gestrigen Begegnung hatten die Urdorfer allerdings genügend Tormöglichkeiten, um die Ausbeute besser zu gestalten. «Es fehlte oft nicht viel. Wenn wir ruhig bleiben und konzentriert weiterarbeiten, werden wir unsere Punkte schon holen», sagte Rhiner schon vor der gestrigen Partie. An Ruhe fehlte es im mit dieser Situation sehr vertrauten Urdorf bekanntlich noch nie.