Eigentlich war die Sache erledigt. Schlieren lag auf dem Kunstrasenplatz im Zelgli gegen Urdorf mit 0:2 hinten und die Nachspielzeit war soeben angebrochen. Doch das Heimteam warf trotzdem nochmals alles nach vorne. Es folgte ein Schuss des starken Giuliano Procopio aufs Urdorfer Tor. Torwart Sven Gammel musste sich gehörig strecken, um den Ball abzuwehren. Dann ein Versuch von Aussenverteidiger Elio Scialdone, doch sein Ball landete in Gammels Armen. Und schliesslich lieferte sich Daniele Nizzola im Urdorfer Strafraum ein Luftduell mit Gammel. Nach diesem blieb der Torhüter kurz liegen und der Schiedsrichter entschied auf Foulspiel zugunsten der Urdorfer. Es war die letzte Aktion in diesem Derby.

Dabei handelte es sich um ein Derby, das in der ersten halben Stunde ziemlich schleppend verlief. Die beiden Teams neutralisierten sich gegenseitig, das Spiel war von vielen Zweikämpfen geprägt. Torszenen waren Mangelware. Erst nach einer halben Stunde kam es zur ersten richtigen Chance in diesem Spiel – und zwar für die Gäste aus Urdorf. Alessandro Felicetti köpfte im Strafraum den Ball aus kurzer Distanz aufs Tor, jedoch genau in die Arme des Schlieremer Torhüters Diego Würmli. Felicettis Gelegenheit schien die Initialzündung in dieser Partie gewesen zu sein. Kurz darauf bekam Felicetti den Ball im Strafraum erneut, doch Scialdone war zur Stelle. Dann der zweite Eckball in diesem Spiel für Urdorf. Franco Carlo Felice Varga zirkelte den Ball auf Velisav Stevovic und dieser köpfte in der 33. Minute zur Urdorfer Führung.

Nicht einmal zehn Minuten später stand es bereits 2:0 für die Gäste. Die Urdorfer starteten einen Angriff über links und profitierten davon, dass die Schlieremer zu wenig resolut zur Sache gingen. Der Ball landete im Strafraum bei Varga, der abzog und Würmli keine Chance liess. «Beim 2:0 haben wir uns defensiv falsch verhalten», sagte Schlierens Trainer Besnik Ramadani zu dieser Szene.

Die Urdorfer kontern

Die Schlieremer mussten nun reagieren und kamen zu einer tollen Chance durch Procopio, der aus der Distanz einfach mal abzog und den Ball an die Latte setzte. Doch es blieb beim 2:0-Vorsprung für Urdorf zur Pause. Die zweite Hälfte dieser Partie begann deutlich besser als die erste. Nach wenigen Minuten schlug Scialdone eine Flanke in den Strafraum, doch Gammel fing den Ball ab. Dann ein Schuss von Manuel Carlos Coelho, Gammel liess den Ball nach vorne abprallen, doch der in den Strafraum geeilte Giuseppe Sorrentino kam nicht mehr heran. Eine gute Chance hatte auch der eingewechselte Alberto Perez Diaz, der aus der zweiten Reihe einen Schuss abgab, doch sein Ball flog knapp am Tor vorbei. Drei Minuten später wieder ein Schuss der Schlieremer aufs Tor, diesmal durch Procopio, doch Gammel konnte den Ball abwehren.

Die Urdorfer beschränkten sich in dieser Phase aufs Kontern. «Wir haben in der zweiten Halbzeit mehr auf Abwarten gespielt», sagte Urdorfs Trainer Gianni Musumeci. Und das hätte eine Viertelstunde vor Schluss beinahe gefruchtet: Urdorfs Kevin Ribeiro Da Silva kam in der Offensive unverhofft an den Ball, Würmli musste in höchster Not klären. Und dann war da noch Felicetti, der kurz vor Ende der regulären Spielzeit beinahe einen Patzer von Schlierens Alberto Cammarota ausgenutzt hätte. «Wir hätten vielleicht noch das 3:0 machen können», sagte Musumeci. Insgesamt aber war er zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft, die nach der Absage der Partie gegen Wettswil-Bonstetten II vor einer Woche ihren ersten Ernstkampf in diesem Jahr bestritt. «Die Mannschaft hat 1:1 das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Es war sehr wichtig, dieses Spiel zu gewinnen.»

Enttäuschung dagegen bei den Schlieremern. «Wir hatten viel Ballbesitz, aber wenige zwingende Aktionen», sagte Mittelfeldspieler Davide Lopez. Auch für Ramadani war dies der Knackpunkt. «Bis zum Strafraum war es gut», sagte er. «Aber dann waren wir zu wenig präsent. Wenn wir Torchancen kreieren, müssen wir diese auch nutzen, gerade in einem solchen Spiel.»

Mit der Niederlage haben die Schlieremer auch wieder an Terrain eingebüsst, was den Abstiegskampf angeht. Nur noch einen Punkt haben sie Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz. Spüren sie diesen Druck? «Der Druck war von Anfang an da», so Ramadani. «Und klar: Die Stimmung ist nicht heiter, wenn man ein Derby verliert.» Aber es gäbe ja noch genug Spiele.