Die Köfferchendichte auf der Anlage des MC Mühlematt Dietikon ist höher als auf dem Paradeplatz. Nur führen die Besitzer keine Akten oder Wertpapiere mit sich, sondern Minigolf-Bälle.

Eduard Schibli greift sich zwei Exemplare und lässt sie fallen. Der eine springt fast in seine Hand zurück, der andere bleibt am Boden kleben. Jedes Bällchen besitzt andere Eigenschaften, von einer Wissenschaft zu sprechen ist wohl keine Übertreibung.

Schibli hat über die Jahre 4500 dieser Bällchen gesammelt. «Eines kostet zwischen 19 und 23 Franken», sagt er, «da kommt ein halbes Vermögen zusammen.»

Neben den Köfferchen fallen am Sonntag die Mitglieder der Schweizer-Senioren-Nationalmannschaft in ihren roten T-Shirts auf. Sie alle bestreiten das 27. Team-Golf Minigolf-Turnier beim malerischen Marmoriweiher.

Eduard Schibli ist ihr Coach. Seit 57 Jahren wohnt er in Dietikon, bis vor einem Jahr war er Präsident des MC Mühlematt. Er hat in sämtlichen Alterskategorien an Europameisterschaften teilgenommen und dabei sechs Mal in Folge eine Top-6-Platzierung geholt. Für eine EM-Medaille reichte es allerdings nie.

4 Frauen und 7 Männer für die EM

Ende Juli reist die Senioren-Nati nach Holland an die EM. In Dietikon holen sich die Meister der Präzision den letzten Schliff. Beim Team-Turnier gibt es zwar keine Wertungspunkte zu gewinnen, «dafür ist der Anlass umso wichtiger für den Zusammenhalt», unterstreicht Schibli die Bedeutung.

Tags zuvor gab er die Selektion für die EM bekannt. Vier Frauen, sieben Männer und zwei Betreuer reisen nach Appelscha (Ho). Die Senioren-Nati setzt sich aus Spielern aller Landesteile zusammen, mit dabei ist auch der ehemalige Profi-Fussballer Paul Vögeli.

Aber auch zwei Limmattalerinnen vertreten die Schweiz. Heide Stricker, die Seniorinnen-Europameisterin 2011 aus Oetwil an der Limmat, gehört ebenso dazu wie Eduard Schiblis Frau Lucia.

Die beiden haben sich bei einem Minigolf-Turnier in Spreitenbach kennen gelernt. «Die eigene Frau zu selektionieren fiel nicht schwer», sagt Schibli, «von den 19 Bewerbern mussten einige über die Klippe springen». Aber schliesslich zählten im Minigolf die Resultate und nicht die Gefühle.

An der EM in Holland streben die Schweizer mit dem Team einen Podestplatz an. 2011 gab es Bronze, 2012 war es der undankbare vierte Rang. «In Holland spielen wir auf Filzbahnen», sagt Lucia Schibli.

In der Schweiz sind Betonbahnen üblich. Filzbahnen sind länger und erfordern stärkere Schläge. «Da wird einem nichts geschenkt», sagt Lucia Schibli. 14 Tage weilen die Senioren in Holland, das Turnier dauert gerade mal vier Tage.

Die Zeit wird für Trainings genutzt. Jede Bahn hat ihre eigenen Gesetze. «Internationale Turniere sind sehr zeitaufwendig», sagt Eduard Schibli, der seit 15 Jahren Coach ist, «irgendwann möchte ich mit meine Frau wieder normale Ferien machen.»

Europameisterin mit der Schwester

Der Zeitaufwand ist auch für Sandra Wicki ein Grund, weshalb sie nicht mehr auf der ganz grossen Bühne aktiv ist. Die Dietikerin, die heute in Zürich lebt, wurde 2008 Europameisterin bei der Elite.

Beim Team-Golf des MC Mühlematt gesellt sie sich mit ihrer Schwester Maja zu den 26 teilnehmenden Paaren. «Es ist drei, vier Jahre her, dass ich letztmals hier spielte. Jetzt hatte ich einfach wieder mal Lust, mit meine Schwester Minigolf zu spielen», sagt sie. Gewonnen wurde das Turnier übrigens von René Bürgin und Ronny Huber (Mühlematt Dietikon/Heilbronn). Doch bei aller Geselligkeit war das eher Nebensache.