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Die schnellste Frau mit einem Doktortitel

«Manchmal vergessen wir, wie gut wir es hier haben.» Emma Pooley setzt sich für Menschenrechte ein. zvg

«Manchmal vergessen wir, wie gut wir es hier haben.» Emma Pooley setzt sich für Menschenrechte ein. zvg

Olympiamedaillengewinn, WM-Titel und Giro-Zweite – das Palmarès der Britin Emma Pooley aus Hausen am Albis ist so lang wie ihr Atem.

Blitzgescheit, sympathisch und etwas scheu sei die Frau, sagt Christian Rocha, Nationaltrainer der Schweizer Strassenfahrerinnen. Ähnlich tönt die Einschätzung von Hanspeter Feller, Präsident der Leichtathletik-Vereinigung Albis. Wer also ist diese Emma Pooley? Am Telefon meldet sich eine feine, muntere Stimme. Eine Person, die gerne lacht. Emma Pooley, 31-jährig, geboren in London, seit 2005 in der Schweiz, spricht nahezu perfektes Hochdeutsch. Ab und an fliesst auch etwas Mundart ein. Etwa bei der Frage, wie sie sich beschreiben würde. «Ich bin ein Gfrörli», sagt sie nach einer Trainingsfahrt im kalten Regen. Und weiter: «Ich bin klein und ab und zu ehrgeizig.»

Mit Olympia-Medaille dekoriert

Pooley, die seit 2011 in Hausen am Albis wohnt, misst 1 Meter 57. Und ihr gelegentlicher Ehrgeiz wird beim Blick auf ihr Palmarès offenkundig. Als Radfahrerin holte die Britin 2008 Olympia-Silber im Zeitfahren. 2010 wurde sie Weltmeisterin in derselben Disziplin. Hinzu kommen zwei zweite Plätze in der Gesamtwertung des Giro d’Italia der Frauen, Siege bei der Tour de France und der Flèche Wallonne. Das freilich ist nur ein Auszug aus der langen Liste an Erfolgen. Als Läuferin hat Pooley zudem den Lausanne-Marathon und auch den Swissman Xtreme Triathlon gewonnen. Bei der Organisation Amnesty International setzt sie sich für die Menschenrechte ein. «Manchmal vergessen wir, wie gut wir es hier haben», sagt sie. Und zu guter Letzt hat Emma Pooley am geotechnischen Institut der ETH Zürich auch noch den Doktortitel gemacht. Vor wenigen Wochen hat sie promoviert.

«Ich liebe die Schweiz»

Als sie wegen des Studiums in die Schweiz zog, habe sie gedacht, es sei für drei Jahre, sagt sie mit einem Lachen. Deren neun sind es inzwischen geworden. «Es war ein glücklicher Zufall», sagt sie mit Blick auf ihre Radsportkarriere. Ursprünglich war sie Läuferin, wegen einer Verletzung stieg sie aufs Velo um. In der Schweiz fand sie die perfekten Bedingungen, um auf dem Rad eine ganz Grosse zu werden. Im Specialized Team von Roger Rüegg (2007/08) fand sie das perfekte Umfeld. Ihre Spezialität: Die Berge und das Zeitfahren. «Und natürlich das Bergzeitfahren», wie sie mit einem Schmunzeln anfügt.

«Ich liebe die Schweiz», sagt Emma Pooley, «es ist schön, hier zu trainieren, und die Leute sind sportbegeistert.» Sie kann sich gut vorstellen, hier sesshaft zu werden. Nachdem sie im letzten Jahr wegen der Doktorarbeit etwas kürzertrat, will sie nun wieder angreifen. Nach einer Saison beim Schweizer Team Bigla, das nicht für UCI-Rennen zugelassen war, fährt sie nun für das belgische UCI-Team Lotto Belisol Ladies. «2014 konzentriere ich mich voll auf den Sport», sagt sie. Gerne würde sie endlich den Giro der Frauen gewinnen. Aber auch Lauf- und Triathlon-Veranstaltungen stehen auf dem Programm. Sie zählt auf die Unterstützung ihres Schwimm-Trainers Micky Tronczik und auf das Leistung&Diagnostics Team in Wiedikon.

Die Ausbildung nicht verschwenden

Wie lange sie noch fährt und rennt, will Emma Pooley offenlassen. «Ich nehme Jahr für Jahr.» Aber klar ist: Wenn es in dieser Saison gut läuft, bleibt sie dran. Bis zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio? «Rio ist noch weit weg», antwortet Pooley, «physisch wäre es wohl kein Problem. Aber Job, Karriere und Familie stehen irgendwann ja auch noch an.» Es wäre schade, die gute Ausbildung zu verschwenden», sagt die schnellste Doktorin der Naturwissenschaften.

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