Eishockey 2. Liga
Die Sache mit dem Momentum: Urdorf ist wieder Letzter

3:6-Heimpleite in der 2.Liga gegen Illnau-Effretikon nach 2:1-Führung – die «Stiere» können die Playoff-Teilnahme nun mit ziemlicher Sicherheit vergessen

Ruedi Burkart
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Die jungen Fans des EHC Urdorf hielten am Samstag die Fahne hoch.

Die jungen Fans des EHC Urdorf hielten am Samstag die Fahne hoch.

Rückblende. In den späten 80er- und frühen 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts lieferten sich Urdorfs Eishockeyaner mit den Kollegen aus Illnau-Effretikon grosse Duelle um die Herrschaft in der 1. Liga. Damals rangierten «Stiere» regelmässig ganz vorne in der Tabelle. Den letzten Ernstkampf in der 1. Liga trugen Urdorf und Illnau-Effetikon am 23. Januar 1993 aus.

Da gerät sogar der Ref ins Schwanken – die Illnauer (weisses Dress) waren meistens einen Wimpernschlag vor den Urdorfern am Puck.
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Nach 6:27 Minuten jubelte Raphael Studer, Ken Walliser traf zum 1:1.
Nach 6:53 Minuten lag Urdorf plötzlich vorne – Tobias und Nicolas Landis (rechts) freuen sich über das 2:1.
Am Schluss lag der EHC Urdorf am Boden. Tizian Müller rutscht über Eis, beobachtet von Teamkollege Thomas Wigger.

Da gerät sogar der Ref ins Schwanken – die Illnauer (weisses Dress) waren meistens einen Wimpernschlag vor den Urdorfern am Puck.

Ruedi Burkart

Die Limmattaler – mit Trainer Hans Uttiger und Spielern wie dem legendären Stürmer Hani Weber und Nachwuchs-Goalie Thomas Leimgruber im Team – gingen auf der Weihermatt sang- und klanglos mit 0:6 ein. Dennoch stieg EIE Ende Saison 1992/93 ab. Urdorf klassierte sich schliesslich auf Rang 5. Und stieg seinerseits ein Jahr später in die 2. Liga ab.

Dezimierte Urdorfer überraschten

Am vergangenen Samstag trafen sich die Kontrahenten aus besseren sportlichen Tagen wieder einmal auf der Weihermatt zum Kräftemessen. Notabene mit anderen Vorzeichen als damals. Die «Stiere» treten am Tabellenende der 2. Liga seit Wochen an Ort, die Illnauer bereiten sich auf die Playoffs vor. Und dass die Urdorfer ohne ihre Verstärkungsspieler aus den Elite-Junioren von Zürich und Winterthur antreten mussten, machte die Ausgangslage für die Limmattaler nicht wirklich verheissungsvoll.

Und dann dies: Nach knapp sieben Minuten war die Welt der sportlich gebeutelten Urdorfer total in Ordnung. Ken Walliser und Nicolas Landis machten aus dem frühen 0:1 – Wieser traf in der zweiten Minute für Illnau – innert 26 Sekunden eine 2:1-Führung. Dabei offenbarten die «Stiere» eine selten gesehene Kaltblütigkeit. Sie nutzten die zweimal zwei Strafminuten von Vögeli gnadenlos aus.

Und die Mannen von Trainer Thomas Heldner verblüfften weiter. Sie überstanden im ersten Drittel sechs Strafminuten, hielten sich dabei während eineinhalb Minuten gar in doppelter Unterzahl schadlos. Das viel gepriesene Momentum gegen die augenscheinlich nicht sonderlich motiviert angetretenen Oberländer lag aufseiten der kämpferischen Limmattaler.

Überhebliche Illnauer reagierten

Dass es schliesslich doch nur zu einer weiteren ehrenvollen Niederlage reichte – der 13. in 17 Pflichtspielen –, lag vor allem daran, dass Illnau nach der ersten Pause wie verwandelt aufs Eis zurückkehrte. Nur der Herrgott weiss, mit welchen Worten EIE-Trainer Dieter Wieser seinem Team in der Kabine die Leviten gelesen hatte. Was es auch immer gewesen sein mag – es wirkte. Immer wieder wurden die «Stiere» in der Vorwärtsbewegung gestoppt und mit schnellen Kontern in Verlegenheit gebracht.

Ein solcher Tempo-Gegenstoss führte nach 43 Minuten zum vorentscheidenden 2:4. Und als Liga-Topskorer Thomas Korsch drei Minuten später in Unterzahl (!) zum 2:5 traf, war der Abend definitiv gelaufen. Urdorf verlor schliesslich mit 3:6 und durfte immerhin darauf stolz sein, kämpferisch dagegengehalten zu haben. Das gibt zwar keine Punkte, aber wenigstens ein wenig Moral für den Saisonendspurt.

Für einen Schreckmoment unter den 125 Fans sorgte in der 53. Minute Urdorfs Colin Wiederkehr. Er donnerte ohne Fremdverschulden mit Anlauf und kopfvoran in die Bande. Nach einigen bangen Augenblicken konnte der Pechvogel selbstständig und mit einem Brummschädel die Spielerbank aufsuchen.