„Es war im letzten Dezember in der ersten Runde der Hongkong Open. Das Turnier hat einen sehr hohen Stellenwert, vergleichbar mit einem Grand Slam Turnier im Tennis. Auf einem Nebenplatz spielte ich gegen den Franzosen Grégoire Marche. Wir sind gute Kollegen, kennen uns seit Juniorenzeiten und spielen in Frankreich sogar im selben Interclubteam. Früher war ich viel besser als er und habe ihn immer locker geschlagen. Aber ausgerechnet im Finalspiel der Junioren-EM 2008 hat er mich in vier Sätzen geschlagen. Diese Niederlage war sehr ärgerlich, denn von den rund 40 Matches, die wir mittlerweile gegeneinander ausgetragen haben, habe ich insgesamt nur zwei verloren.

Die Körpersprache verriet ihn

Das Spiel in Hongkong begann gut für mich. Ich konnte die ersten beiden Sätze gewinnen und hätte das Match eigentlich vorzeitig beenden müssen. Doch Grégoire konnte ausgleichen und es kam zum fünften Satz. Beim Stande von 10:9 hatte er einen Matchball. Wir spielten einen riesen Ballwechsel und im dümmsten Moment geriet mir ein Ball zu kurz. Es war ein richtiger Penalty für ihn, doch sein Stoppball war ein paar Zentimeter zu tief und ich gewann den Punkt. Dass er den Matchball durch einen Eigenfehler vergeben hat, war für mich wichtig. Ich erkannte, dass er das „Zitterhändchen“ hatte und im Kopf wohl an die vielen Niederlagen gegen mich dachte. Auch seine Körpersprache verriet, dass ihm der vergebene Matchball zu schaffen machte.


Doch die Partie war mit dem vergebenen Matchball noch nicht gelaufen. Während des nächsten Ballwechsels hat Grégoire mich abgeschossen und erhielt den Punkt, weil ich ihm im Weg gestanden war. Mit dieser Aktion begab er sich in eine Grauzone, denn fair war das sicher nicht. Absicht will ich ihm keine unterstellen, aber es war das erste Mal in fast 40 Spielen, dass er mich getroffen hat – und das ausgerechnet bei 10:10 im fünften Satz. Dank einem guten Punkt konnte ich aber auch diesen Matchball abwehren.
In der Schlussphase war das Publikum voll dabei und die Stimmung war richtig geil. Grégoire und ich waren geladen und haben nach jedem gewonnen Punkt laut gejubelt. Es war wirklich unglaublich. Nach 89 Minuten konnte ich den Matchball zum 15:13 verwerten. Der Sieg im mit Abstand längsten Spiel meines Lebens hat mir einen enormen Schub verliehen. Die Müdigkeit war wie weggeblasen. Ein tolles Gefühl. Am nächsten Tag habe ich zwar knapp verloren, habe mich aber immer noch gut gefühlt. Grégoire hingegen konnte kaum noch die Treppe hochlaufen.


Wir haben seither nicht mehr gegeneinander gespielt, haben aber ab und an über das Spiel in Hongkong gewitzelt. An unserer Beziehung hat sich deswegen nichts geändert. Schon als wir den Platz in Honkong verlassen haben, waren wir wieder beste Kollegen. Für mich war es jedoch trotzdem eine gelungene Revanche für den verlorenen EM-Titel.“