Da steht er wieder auf dem Parkplatz oberhalb der Kunsteisbahn Weihermatt: der Audi mit dem Walliser Kennzeichen. Vermutlich ist es ein anderer Wagen, aber der Eigentümer der Nummer ist derselbe wie vor acht Jahren. Der heisst Thomas Heldner und spielt seit dieser Saison wieder beim EHC Urdorf. Der Ex-Nationalspieler war während der desaströsen 2.-Liga-Saison 2003/04 schon einmal im Limmattal, nach dem Abstieg verliess er die «Stiere» in Richtung Kloten, wo er bis zuletzt für die Senioren spielte.

EHC Urdorf

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Warum ist der 41-Jährige zurück auf der Weihermatt? «Die Seniorenmannschaft wurde aufgelöst. Ich hatte einfach noch Lust auf Hockey», sagt er in nicht mehr ganz breitem, aber unverkennbarem Walliserdialekt. Der Kontakt zum EHCU habe über Spieler Roland Hofmann stets bestanden. Dieser lotste Heldner auch zum Showmatch gegen die Limmattal Wings zum Abschied der alten Weihermatt Anfang März dieses Jahres. Ausserdem ist der frühere NLA-Spieler Ambris, Klotens und Langnaus mit der bekannten Urdorfer Choreografin Sarah Angelsberger verheiratet, mit der er ein Kind hat.

Drei Assists gegen Engelberg

Dass Thomas Heldner dereinst auf höherem Niveau gespielt hat als seine Mit- und Gegenspieler, zeigt sich gegen (ein limitiertes) Engelberg vor allem an der Ruhe, die er am Puck ausstrahlt. Eine Augenweide, wie er zwei Meter vor Torwart Ivan Zumbühl alleinstehend wartete, bis Marco Novkovic richtig gelaufen war – Heldner legte für das 2:0 auf (15.). Schon zum 1:0 durch denselben Akteur hatte er die Vorlage gegeben. Und auch beim 5:1 liess er sich eine Vorlage gutschreiben. Der Treffer fiel in doppelter Überzahl, der Walliser stand im Slot und wies seine Mitspieler an, wo sie hinspielen sollen. Ein Treffer blieb ihm indes verwehrt, mit der Schlusssirene vergab der Visper aus aussichtsreicher Position die Chance zum 7:1. Dass ihm Eishockey auch in der Amateurliga Spass macht, ist augenscheinlich.

«Ich machte mir Druck»

Mehr Spass jedenfalls als vor acht Jahren. «Damals kam ich direkt von der NLA in die 2. Liga. Die Erwartungen an mich waren riesig. Auch ich machte mir Druck. Heute kann ich lockerer an die Sache herangehen.» Was gleich gebliebenen ist wie bei seinem letzten Engagement in Urdorf, ist seine Bescheidenheit. Der Center spielt ohne Namensaufdruck auf dem Trikot und betont, dass er sich innerhalb der Mannschaft nicht aufdränge. «Dieses Team hat ein festes Gefüge und funktioniert sehr gut so, wie es ist. Ich helfe gern mit, will aber nicht im Mittelpunkt stehen.»

Das Heraushalten verfolgt er konsequent. Auch in Bezug auf eine hässliche Szene im Match gegen Engelberg: EHCU-Captain Sebastian Hauser brannten die Sicherungen durch, als er mit Absicht in den am Boden in Bandennähe liegenden Sven Krummenacher fuhr, der danach lange benommen auf dem Eis lag. Der Verteidiger kassierte eine Matchstrafe und wird wohl für einige Partien gesperrt. Heldner stellt seinen Mitspieler nicht zur Rede: «Sebi hat nach der Aktion den Pfiff gehört und bestimmt realisiert, dass er eine Dummheit gemacht hat.» Heldner selbst habe keine Bedenken, als Ex-Profi Ziel von Angriffen gegnerischer «Trophäenjäger» zu werden. Gegen die Obwaldner musste er die härteste Attacke aus den eigenen Reihen verkraften: Novkovic fuhr seinen Linienpartner kurz vor Schluss unabsichtlicherweise über den Haufen.

Spitzenspiel in Seewen

Am kommenden Sonntag (18.30 Uhr) wartet auf den ungeschlagenen EHCU der Vergleich mit dem einzigen ernst zu nehmenden Konkurrenten Seewen. Dieser unterlag jüngst überraschend Seetal. Ist Thomas Heldner mit von der Partie, die schon die halbe Miete für die Masterround-Qualifikation sein könnte? Er grinst und sagt: «Wenn der Trainer findet, dass ich heute gut gespielt habe, vermutlich schon.»