Die Kaderliste der Limmattal Wings verdient das Prädikat niedlich. Es sind nach den Abgängen des langjährigen Captains Andi Dörig (gesundheitliche Pause) und Christian Arpagaus lediglich vier Verteidiger darauf zu finden. Darunter das Paar Lolo Bertschmann/Jürg Dietiker, das stattliche 85 Lenze zählt und damit vom Saurier- ins Fossilienstadium übergetreten ist. Der neue Trainer Matthias Honegger nimmts gelassen. «Wahrscheinlich wird die Luft für Lolo mit der Zeit etwas knapp – dann entscheiden wir aus dem Spiel heraus, wie wir vorgehen wollen.»

Platz 3 als Hypothek

Diese vorsätzliche Spontaneität mag für einen Trainer erstaunen. Im Fall der Wings scheint es aber das einzig Richtige zu sein. Denn die Mannschaft selbst neigt zur Improvisation, wenngleich sie dank einer Blutauffrischung (in der Offensivabteilung) in der jüngeren Vergangenheit ein anderes Gesicht erhielt. Ein Gesicht, dank dem in der vergangenen Saison der grösste Erfolg seit 40Jahren gelang: der dritte Platz. Und weil kein Verein sich schlechter darstellen oder eine Verschlechterung zum Vornherein nur schon zugeben will, werden die Limmattaler daran gemessen.

Wozu sie fähig sind, ist auch für die Beteiligten selbst ein Rätsel. Keiner kann gegenwärtig abschätzen, wie es um die Qualitäten der Wings steht. Das Eis in ihrer Heimstatt Wettingen ist noch nicht präpariert, neben einigen Einheiten in Zug war das Trainingslager vom vergangenen Wochenende in Schruns Tschagguns (Ö) daher die einzige Möglichkeit zum Training unter realen Bedingungen. «Da haben wir gut ausgesehen», sagt Honegger, trotz eines 1:5 gegen Montafon. «Die Österreicher wären in der Schweiz eine Spitzenmannschaft in der 3.Liga», wirft Verteidiger und Sportchef Bertschmann ein.

Trifft diese Einschätzung zu, darf hinsichtlich der Auftaktaufgabe von morgen Zuversicht herrschen. Die Wings gastieren für das Match gegen Aufsteiger Bassersdorf ab 20 Uhr in der Klotener Kolping Arena. Die Unterländer haben bereits ein Match bestritten: Gegen das vermutliche Spitzenteam Sursee setzte es eine 1:8-Klatsche ab. Wings-Trainer Honegger, der seit seinem Weggang in Urdorf vor zweieinhalb Jahren keinen Trainerjob mehr innehatte, gibt sich vorsichtig – und spontan: «Wir wissen zu wenig über den Gegner, müssen schauen, wie es kommt.»

Der Fünf-Punkte-Plan

Was er wohl auch weiss, ist, dass sein Team noch stärker auf eine gute Offensive angewiesen ist als in der Vorsaison. Damals ging dieses Wagnis gut, nicht weniger als fünf Wings-Akteure waren in den Top Ten der Skorerwertung zu finden. Damit die Limmattaler im Wettstreit mit dem eigenen Erfolg nicht unterliegen, müssen die folgenden fünf Punkte erfüllt sein:

  • Die Goalies Thomas Gebistorf und Fabian Meier verschulden keine Niederlage
  • Kein Verteidiger fällt länger aus oder gerät in ein Formtief
  • Die neu verpflichteten Stürmer Jacek Gwozdz und Flurin Crüzer sind echte Verstärkungen
  • Die «ewigen» Skorer Cyrill Hruby und Hani Weber spüren einen neuerlichen Frühling
  • Michael Frei, Nicolas Gamper und Alexander Marty die vergangene Spielzeit bestätigen. Vor allem was ihre Skorerwerte und das Verrichten defensiver Drecksarbeit anbelangt

Ein Punkt kann von Beginn weg kaum erfüllt werden: Gamper ist gemäss Sportchef Lolo Bertschmann erst ab Januar einsetzbar. Auf die Wings wartet so oder eine harte Zeit, an oberster Stelle steht das Haushalten mit ihren kargen Kräften, gerade in der Defensive.