Racketlon
Die Liebe zum Sport führt die Kanadier über den grossen Teich

Im Vitis Center in Schlieren gehen am Sonntag die RacketlonTitelkämpfe zu Ende. Seit Freitag kämpfen die besten Athletinnen und Athleten um die WM-Krone.

Fabio Baranzini
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Dany Lessard und Kathy Carter vor der kanadischen Flagge im Sportcenter Vitis in Schlieren. fba

Dany Lessard und Kathy Carter vor der kanadischen Flagge im Sportcenter Vitis in Schlieren. fba

Fabio Baranzini

Die Mehrheit der Spieler kommt aus Europa, doch einige haben einen deutlich längeren Reiseweg auf sich genommen. Beispielsweise die vier Teilnehmer aus Kanada. Kanada? Warum um alles in der Welt fliegen die für einen dreitägigen Anlass in einer Sportart, die sowohl in Europa als auch in Kanada ein Schattendasein fristet, um den halben Globus? «Wir machen das aus Leidenschaft für unseren Sport. Wir lieben den Wettkampf und die Herausforderung, sich in vier Sportarten mit dem Gegner zu messen. Dafür sind wir auch bereit, sieben Stunden zu fliegen», sagt Dany Lessard.

Der 54-Jährige aus Montreal übernimmt die Rolle des Captains in der kanadischen Delegation, da er die meiste Erfahrung mitbringt. 2007 hat der Tischtennis-Spezialist erstmals vom Racketlon gehört. Seine Schwester hatte ihn darauf aufmerksam gemacht. «Das war purer Zufall. Hätte sie nichts gesagt, würde ich Racketlon wahrscheinlich immer noch nicht kennen», meint Lessard.

Beruf mit Hobby verbunden

Doch das Racketlon-Fieber hat ihn längst fest im Griff. Noch im selben Jahr, in dem er erstmals von dieser neuen Sportart gehört hatte, organisierte er in seiner Heimatstadt ein Racketlon-Turnier. Sein Beruf als Ingenieur brachte ihn zudem wiederholt nach Europa, wo er seine Geschäftsreisen mit Einsätzen an internationalen Racketlon-Events kombinierte. Doch Lessard ist nicht nur aktiver Sportler und Turnierorganisator. In den letzten beiden Jahren war er auch Präsident des nationalen Verbands Racketlon Canada und setzte sich in dieser Funktion für die Verbreitung der in Kanada noch weitgehend unbekannten Sportart ein.

Fünfte WM-Teilnahme

In Schlieren nimmt Dany Lessard bereits zum fünften Mal an einer WM teil. Sein bisheriges Highlight: Der dritte Platz an der Einzel-WM in der Kategorie 50+ vor zwei Jahren in Rotterdam. «Das war ein unglaublicher Moment, den ich unbedingt wieder erleben möchte», sagt er. In Schlieren wird das kaum der Fall sein, denn Lessard konnte sich aus beruflichen Gründen nicht wie gewünscht vorbereiten. Klappen solls dann im nächsten Jahr an der WM in London.

Grösser sind die Ambitionen der drei anderen Kanadier. Kathy Carter (37) ist zwar lediglich die Nummer 47 der Welt, doch Lessard traut ihr einiges zu. «Sie hat noch nicht viel gespielt, daher spiegelt ihr Ranking nicht ihre Spielstärke wieder. Als ehemalige Profi-Tennisspielerin dürfte sie aber auch gegen die besten eine Chance haben.» Mit Patrick Laplante (22) wissen die Kanadier zudem den letztjährigen Junioren-Weltmeister in ihren Reihen und auch Evan Mancer (46), ehemaliger kanadischer Squashmeister in der Kategorie 35+, möchten die internationale Konkurrenz fordern.

Ein Prise Verrücktheit ist nötig

Doch unabhängig von ihrem Spielniveau und egal, ob die vier Kanadier in Schlieren Weltmeister werden oder in der ersten Runde scheitern: Es braucht eine gehörige Portion Idealismus und vielleicht auch eine Prise Verrücktheit, um den finanziellen und zeitlichen Aufwand ohne Unterstützung durch den Verband oder Sponsoren auf sich zu nehmen, um von Kanada nach Schlieren an die Racketlon-WM zu reisen. Aber wo kämen wir hin, wenn alle stets rational handeln würden.