Handball
Die Lebensversicherung von Daniel Imhof läuft aus – vielleicht

Daniel Imhof war mit seinen Toren während mehr als zehn Jahren eine Art sportliche Lebensversicherung für den HC Dietikon-Urdorf. Jetzt hat er genug.

Rainer Sommerhalder
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Daniel Imhof, der Topskorer des HC Dietikon-Urdorf, will seinen Blick in Zukunft auf andere Sportarten richten.

Daniel Imhof, der Topskorer des HC Dietikon-Urdorf, will seinen Blick in Zukunft auf andere Sportarten richten.

Rainer Sommerhalder

Topskorer sind Spieler mit grossem Geltungsdrang, einer gehörigen Portion Egoismus und dem Hang zu Narzismus. Wieso den Ball weiterspielen, wenn man auch selber das Tor machen kann?

Daniel Imhof ist Topskorer beim Erstligisten HC Dietikon-Urdorf. Seit 14 Jahren sorgen seine Tore, die er mit der Zuverlässigkeit einer Schweizer Qualitätsuhr erzielt, dafür, dass sich sein Verein so manches sportliche Highlight leisten konnte. Aber wer würde den 30-Jährigen erkennen, wenn man ihn mit den Charaktereigenschaften eines Goalgetters beschreiben würde? Niemand.

Daniel Imhof ist die Bescheidenhei in Person. Der gelernte Möbelschreiner aus Urdorf stellt sich nicht in den Vordergrund, ist vor jeglichen Starallüren gefeit und spielt in der Abwehr mit gleicher Leidenschaft wie im Abschluss. Seine aussergewöhnlichen Qualitäten vedankt er seinem beeindruckenden Talent für Bewegung und Sport. Ob beim Unihockey, Beachvolleyball oder Badminton – mit ein wenig Übung gehört er überall zu den Besten. Doch Handball war bisher sein Sport, seit er mit 16 Jahren erstmals in der damaligen NLB-Equipe auflief. Wie viele Tore er in den letzten 14 Jahren geschossen hat, weiss Imhof nicht – interessiert ihn auch nicht. «Es war mir nach einem Spiel nie wichtig, wie oft ich getroffen habe», sagt er.

Es gibt unzählige Episoden in seiner Handball-Karriere, welche Daniel Imhofs Wesen treffend beschreiben. Obwohl sein Talent weit über das Limmattal hinaus bekannt war, blieb er dem HCDU stets treu. «Es hat mehr als genügend Angebote für einen Wechsel in eine höhere Liga gegeben. Aber ich habe es in keinem Moment bereut, dass ich nie in der NLA gespielt habe», sagt Imhof. Seine Begründung ist simpel. «Ich muss bei dem, was ich mache Spass haben. Und ich glaube, wenn Handball zu meinem Beruf geworden wäre, dann hätte ich den Spass verloren.»

Den Spass verloren

Jetzt hat Daniel Imhof aber auch beim HC Dietikon-Urdorf den Spass verloren. Das hat nichts mit dem Abstieg zu tun. Sein Entscheid, aufzuhören, fällte der frühere Junioren-Internationale bereits vor dem Feststehen der Relegation. «Ich habe es in den letzten Wochen höchstens das eine oder andere Mal bereut, dass ich diesen Entscheid nicht schon letztes Jahr gefällt hatte», sagt er.

Es ist nicht das erste Mal, das ein Abschied von Imhof bei Saisonschluss zur Diskussion stand, aber bisher reichte ein treuherziger Hundeblick eines Mitspielers, einige dramatische Worte eines Teamkollegen oder ein flammender Appell des Trainers, dass er es sich anders überlegte. «Auch diesmal werden sie sicher wieder versuchen, mich zum Weitermachen zu überreden. Aber diesmal bleibe ich hart, diesmal höre ich wirklich nur auf mein Inneres.» Imhof sagt diese Sätze, als sei er selber noch nicht ganz überzeugt, ob ihm dies auch gelingen mag. Genauso wenig, wie er das geplante Kürzertreten bereits als definitiven Rücktritt deklarieren möchte. «Wer weiss schon, was in sechs Monaten ist? Wenn mich der Handball dann wieder packt – wieso nicht. Aber sicher nur noch zum Plausch. Am besten in der Mannschaft mit meinem Bruder Pascal.»

Offen für weitere Experimente

Doch jetzt freut er sich zuerst auf sportliche Ausflüge in andere Disziplinen. Beachvolleyball und Badminton spielt er bereits seit geraumer Zeit. Imhof ist offen für weitere Experimente. In den letzten Wochen ertappte er sich sogar dabei, dass er freiwillig und mit Freude joggen ging. «Dabei war rennen doch eigentlich nie mein Ding!» Aber Sport sei und werde halt immer ein ganz wichtiger Teil in seinem Leben sein, sagt Imhof. Er freut sich vor allem auf einen Winter, in dem die Wochenenden nicht durch Handball blockiert sind. «Endlich wieder einmal nach Lust und Laune auf die Skipiste», frohlockt Imhof und vergisst dabei, dass der Winter erst in sechs Monaten kommt. . .

Handball habe ihm im Leben viel gebracht. Etwa, andere Leute so zu akzeptieren, wie sie sind. Oder auch Respekt und Zuverlässigkeit, die man im Teamsport lernt. Und er ist sich gewöhnt, durchzubeissen. Gestern, im letzten Spiel gegen Muotathal (29:37-Niederlage) fiel er gleich zweimal wegen Verletzungen aus. In der ersten Halbzeit für fast 20 Minuten wegen eines überdrehten Fusses, in der zweiten Halbzeit wegen einer stark blutenden Lippe. Und dennoch war er am Schluss mit acht Treffern einmal mehr HCDU-Topskorer. Man hat von ihm zum Abschied nichts anderes erwartetet.