Laufsport

Die Kinder gucken in die Röhre: Der KnoliCup wird nicht ausgetragen

Die Kinder sind die Verlierer.

Die Kinder sind die Verlierer.

Vor einem Jahr sah es so gut aus, was die Zukunft des im Limmattal und dem Knonaueramt beliebten Jugendlaufwettbewerbs KnoliCup. Nun aber ist die Fortführung gefährdeter denn je. DIe Jubiläumssaison 2014 fällt aus.

Welch Ironie: In den Vorjahren stand der KnoliCup des öftern am Abgrund. Doch sowohl 1999 als auch 2004 und 2009 ging in letzter Minute eine Tür auf, um den Fortbestand des beliebten Jugendlaufwettbewerbs zu sichern. Im vergangenen Jahr herrschte eine regelrechte Euphorie.

In dieser Zeitung war von einer «neuen Zeitrechnung» die Rede. Unter der Führung von Präsident Urs Kümmerli professionalisierte der Trägerverein Knoli-Club die Veranstaltung. Die Homepage wurde aufgefrischt, man engagierte für die Anmeldung und Erfassung der Läuferdaten den Schweizer Marktführer Datasport. Eine Profi-Fotoagentur schoss Bilder von den Läufen. Mit dem Behindertensportler Heinz Frei wurde ein bekannter Name als Aushängeschild gefunden.

Die Pläne klangen vielversprechend, Kümmerli sprach in einem Interview von positiv verlaufenden Verhandlungen mit potenziellen Sponsoren. Es schien, als ob die Zukunft des KnoliCups langfristig abgesichert werden kann.

Hiobsbotschaft zu Weihnachten

Dieses Jahr findet keine Knoli-Cup-Saison statt. Zum ersten Mal seit der Gründung 1990. Ausgerechnet im Jahr der Vierteljahrhundert-Saison also. Vielleicht ist es das endgültige Ende der Veranstaltung, die aus vier Läufen pro Jahr besteht, deren Ausrichtung in der Hand von lokalen Vereinen liegt.

Bis zu der Generalversammlung gegen Ende des letzten Jahres habe nichts auf diese Entwicklung hingedeutet, sagt Urs Kümmerli. Es war einzig klar, dass sich die Verantwortlichen für den Dietiker Waldlauf zurückgezogen hatten, «weil niemand intern die Organisation übernehmen wollte, wurde mir mitgeteilt», wie Kümmerli schildert. Man war dabei, einen Ersatzveranstalter zu suchen.

Am 25. Dezember habe er eine Mail erhalten mit der Information, dass auch der TV Oetwil-Geroldswil nicht mehr mit von der Partie sei. Und schliesslich habe man ihm mitgeteilt, dass der TV Urdorf den Waldlauf ein Jahr aussetzen würde. Blieb einzig der Aescher Lauf, den Kümmerli selbst mitorganisiert. Der Cup war hinfällig geworden. Denn dessen Modus beruht darauf, dass man mit drei von vier Teilnahmen für die Gesamtwertung qualifiziert ist.

Anschuldigungen gegen Kümmerli

Warum sind der TVOG, der seinen Wiesentälilauf in Eigenregie organisiert (siehe separaten Artikel), und der TVU dieses Jahr nicht an Bord? Urdorfs Aktivriegenpräsident Rolf Loosli war für eine Auskunft nicht zu erreichen. Ein nicht genannt werden wollendes Mitglied des TV Oetwil-Geroldswil spricht von Schulden des Trägervereins Knoli-Club im Zusammenhang mit dem Vertrag mit Datasport sowie tieferen Sponsorenbeiträgen als budgetiert.

Und davon, dass dem Turnverein die ihm zustehenden Startgelder aus dem Jahr 2013 nicht überwiesen worden seien. Kümmerli sagt: «Sämtliche Gelder wurden ausbezahlt, allerdings mit einer kleinen Verzögerung. Wir sprechen hier von 1500 bis 2000 Franken. Ob die einen Monat früher oder später überwiesen werden, gefährdet keinen Verein.» Auf Verlangen könne er dafür auch Beweise vorlegen.

Was die finanziellen Probleme des Knoli-Clubs anbelangt: Kümmerli gibt zu, dass Verbindlichkeiten ausstehend seien bei Datasport. «Das ist ganz normal, es ist ja ein Dienstleister.» In Anbetracht der nicht zustande kommenden Saison 2014 erhofft er sich einen Erlass oder zumindest eine Reduktion des Rechnungsbetrags. «Es gibt klare Zeichen dafür, dass man bereit ist, uns entgegenzukommen.» Kümmerli bestätigt darüber hinaus, dass weniger Sponsoren als gedacht gefunden werden konnten. Eine Saison kostet gegen 17 000 Franken.

Die finanziellen Verbindlichkeiten des Trägervereins hätten keine Konsequenzen für die Ausrichtervereine, erklärt der Aescher. Er sieht die von ihm vorangetriebene Professionalisierung als einen Grund zur Ablehnung seitens der Ausrichtervereine.

Diesen Eindruck bestätigt eine Aussage des anonymen TVOG-Mitglieds: «Wir wollen nichts Kommerzielles, die Idee des KnoliCups ist in unseren Augen verraten worden.» Es macht den Anschein, dass auch die Person Urs Kümmerli mit seinem forschen und fordernden Auftreten für Verstimmungen gesorgt hat. Ein Elefant im Porzellanladen, gewissermassen. Er sagt: «Wer etwas verändert, gewinnt nicht nur Freunde.»

Er wolle um die Zukunft des KnoliCups kämpfen. An einer ausserordentlichen Generalversammlung Ende April/Anfang Mai sollen die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. Diese umfassen nach Kümmerli auch die Verpflichtung der Veranstaltervereine über eine gewisse Zeit. «Damit die nicht im letzten Moment abspringen können», erklärt Kümmerli. Er werde das Gespräch mit den bisherigen Ausrichtern suchen, sei aber auch offen gegenüber neuen Interessenten.

Die Jubiläumssaison soll nach Urs Kümmerlis Wunsch nicht veranstaltungslos verstreichen. Vielleicht werde der Knoli-Club im Herbst einen einzigen grossen Lauf durchführen. Sofern Kümmerli genügend Unterstützung finde.

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