Analyse
Die Hauptaufgabe liegt neben dem Platz

Der Aufsteiger FC Dietikon konnte sich in der vergangenen Saison in der 1. Liga halten. Trotz dieses Erfolges muss beim FCD nun noch einiges getan werden - nicht nur auf dem Platz. Eine Analyse.

Raphael Biermayr
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Die Dietiker hatten in der abgelaufenen Saison einiges zu bejubeln.

Die Dietiker hatten in der abgelaufenen Saison einiges zu bejubeln.

Raphael Biermayr

Der FC Dietikon spielt auch in der kommenden Saison in der 1. Liga. Das war offiziell wie inoffiziell die Zielvorgabe für den ersten Auftritt in dieser Spielklasse seit fast 50 Jahren. In dieser langen Zeit hatten die Limmattaler phasenweise das Scheitern geradezu kultiviert. Es ist daher leicht vorstellbar, wie viel dieser Aufstieg vor einem Jahr dem Verein bedeutete. Aber auch, wie viel angestaute Euphorie auf einen Schlag verloren ging: Der Dietiker Himmel hat per Definition ein Dach – die 1. Liga. «Ein Verein braucht neue Träume», stand vor Jahresfrist in dieser Zeitung, es geht um eine neue, grosse Herausforderung. Es machte den Anschein, dass der Ligaerhalt dafür nicht genug war. Er würde zwar kein Selbstläufer, aber er war für das zuletzt erfolgsverwöhnte Ensemble vorausgesetzt.

Auch deshalb fehlten das absolute Feuer und die Freude. Nach der Vorrunde war das erst eine Tendenz, der Aufsteiger stand auf dem elften Platz. Die Ausbeute von 14 Zählern war in Anbetracht des grossen Verletzungspechs ordentlich, die anvisierten 30 Punkte in der Hochrechnung absehbar.

Die verhängnisvolle dritte Rückrundenpartie

Das neue Jahr begann vielversprechend mit zwei Siegen in den ersten zwei Spielen. Doch nach diesem Traumstart nahmen sich die Limmattaler selbst den Wind aus den Segeln: Zwei rote Karten gegen Routiniers auf dem GC-Campus trübten die Freude über einen weiteren spielerisch überzeugenden Auftritt mehr als die 1:3-Niederlage. Trainer Goran Ivelj bezeichnete die Geschehnisse in jener Partie kürzlich als Wendepunkt in der zweiten Saisonhälfte. Denn der Verein musste danach seinen einflussreichsten Einzelspieler (Captain Naim Haziri) infrage stellen, der im Dietiker Trikot zum sechsten Mal vom Platz geflogen war und fünf Spielsperren erhalten hatte. Von aussen kamen unangenehme Nachfragen, und Ivelj konnte nichts ausrichten gegen die grassierende Verunsicherung im Team.

Die so spielverliebte Mannschaft mühte sich daraufhin immer öfter ab. Es fehlte häufig die Überzeugung, das Mitreissende, diese aufreizende Lockerheit, mit der der Aufsteiger auch gegen traditionelle Erstligisten antrat. Dabei spielten die Limmattaler selten schlecht. Nach dem allerdings durchweg schwachen Auftritt in Thalwil (1:2) drohte zum ersten Mal ernsthaft Abstiegsgefahr. Dank eines Kraftakts im folgenden Match gegen Balzers (1:0) hielt sich der Schaden indes in Grenzen.

Dietikon war in der letzten Saisonphase ein Spektakelteam, das für die eigenen Trainer und Spieler schwer einzuschätzen war. In dieser Phase fielen die Fehlentscheide von Schiedsrichtern besonders ins Gewicht. Die Geschichte der Rückrunde kulminierte in der sagenhaften Begegnung mit Seuzach: Luca Dimita brachte die Dietiker mit dem Tor zum 1:0 auf Siegeskurs. In der Schlussphase stand er zwischen den eigenen Pfosten, nachdem Torhüter Joao Ngongo vom Platz gestellt worden war, und kassierte die Treffer zur 1:2-Niederlage gegen den Mit-Aufsteiger.

Seuzach überholte die Limmattaler in der Tabelle und liegt in der Schlussabrechnung satte sieben Punkte vor ihnen. Das ist bemerkenswert, denn die Winterthurer hatten nicht weniger Verletzungssorgen. Die Antithese zum FCD wirbt mit dem Slogan «Unbezahlter Fussball seit 1976» und gleicht vom Auftreten her eher einer Thekenmannschaft als einem Erstligisten. Aber sie hat im Gegensatz zu den Dietikern eine echte Euphorie bemerken lassen und diese bewahren können.

Mehr Kontinuität im Kader ist die grösste Herausforderung

Allerdings: Während der Aufstieg in die 1. Liga für die Winterthurer äusserst überraschend gekommen war, war er im Fall der Dietiker das Resultat einer kontinuierlichen Vorwärtsstrategie unter Trainer Ivelj. Diese wird nun weiterverfolgt, was vor allem erneut viele Spielerwechsel mit sich bringen dürfte. Dieses Vorgehen ruft zwar seit je Kritiker auf den Plan, der Erfolg mit zwei Aufstiegen in den letzten fünf Jahren heiligt jedoch die Mittel.

Nun, da es in absehbarer Zeit kaum weiter nach oben gehen wird, besteht die Chance zu einer Neuausrichtung. Goran Ivelj selbst sagte, er wolle mehr Kontinuität ins Kader bringen und dazu junge Spieler verpflichten, die über mehrere Jahre im Verein bleiben und sich mit diesem identifizieren. Das ist wahrscheinlich die schwierigste Aufgabe in Iveljs fünf Jahren auf der Dornau – und die neue, grosse Herausforderung. Für den Trainer, der sich an diesem Ziel messen lassen muss. Und für den Verein, der ihn – wenn nötig – daran erinnert.

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