Fussball
Die grosse Klasse von Davide Chiumiento

Mit dem 3:0 in Vaduz verschafft sich der FC Zürich Luft im Abstiegskampf

Ruedi Kuhn, Vaduz
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Davide Chiumiento ist nicht zu bremsen.

Davide Chiumiento ist nicht zu bremsen.

KEYSTONE

Nicht nur Trainer und Spieler gehen mit gewissen Vorstellungen, ja sogar Wünschen in ein Spiel. Manchmal haben auch Sportreporter ein Drehbuch vor Augen. Im Fall des Kellerduells zwischen Vaduz und dem FC Zürich sah mein Drehbuch wie folgt aus: Der von den Zürchern während der Winterpause an die Liechtensteiner ausgeliehene Armando Sadiku schiesst kurz vor Schluss den Siegestreffer für Vaduz. Verstehen Sie mich nicht falsch! Ich habe nichts gegen den FCZ. Aber wer wie die Zürcher im Laufe einer Saison den treffsichersten Stürmer an einen Konkurrenten im Abstiegskampf abgibt, hat eigentlich nichts Besseres verdient, als dass er von seinem Spieler abgeschossen wird.

Sadiku stand völlig im Schilf

Aus meinem Drehbuch ist nichts, rein gar nichts geworden. Die Geschichte des Spiels wurde nicht von Sadiku geschrieben. Der 24-jährige Albaner stand völlig im Schilf. Die Geschichte des Spiels schrieb der offensive FCZ-Mittelfeldspieler Davide Chiumiento. Der Mann also, der von Trainer Sami Hyypiä am 9. Januar aus dem Kader der ersten Mannschaft gestrichen wurde. Die Meldung, dass der kleine Appenzeller mit der grossen Technik in den Nachwuchs verbannt wurde, verbreitete sich Anfang des Jahres natürlich wie ein Lauffeuer. Über die Gründe, warum Chiumiento bei Hyypiä in Ungnade gefallen ist, wurde heftig spekuliert. So richtig Licht ins Dunkel kam allerdings nie. Fakt ist, dass Chiumiento nach der Winterpause nicht den allerfittesten Eindruck gemacht hat.

Davide Chiumiento, FCZ-Stürmer «Ich möchte meiner Familie und meinen Freunden danken, dass sie mir denRücken gestärkt haben.»

Davide Chiumiento, FCZ-Stürmer «Ich möchte meiner Familie und meinen Freunden danken, dass sie mir denRücken gestärkt haben.»

Keystone

Einen Monat später, exakt am 8. Februar, wurde Chiumiento von Hyypiä begnadigt, durfte also wieder mit den Grossen trainieren. Und gestern Nachmittag vor 4527 Zuschauern im Rheinpark Stadion spielte der 31-Jährige auch wieder wie ein Grosser. Es war bei weitem kein Zufall, dass Chiumiento in der 53. Minute einen Flankenball von Kevin Bua aus kurzer Distanz in die Maschen hämmerte. «Der Treffer zum 1:0 löste bei mir und der Mannschaft den Knoten», erklärte Chiumiento. «Ich bin sehr froh, dass ich dem Team wieder helfen kann, aus der Krise zu kommen.» Chiumiento dachte in der Stunde des Erfolgs aber nicht nur an sich, sondern auch an sein Umfeld. «Ich möchte meiner Familie und meinen Freunden danken, dass sie mir in den schwierigen Zeiten den Rücken gestärkt haben», fügte er hinzu. «Diese Unterstützung war für mich Gold wert. Sie verlieh mir Kraft, um Vollgas geben zu können.»

Der Abstieg droht

Davide Chiumiento (links) und Franck Etoundi bejubeln den 1:0-Führungstreffer für den FCZ.

Davide Chiumiento (links) und Franck Etoundi bejubeln den 1:0-Führungstreffer für den FCZ.

Keystone

Nach dem Tor des Rückkehrers führte der FCZ also 1:0. Und weil Vaduz nichts Konstruktives zustande brachte, bedeutete dieser Treffer die Entscheidung. Die Penalty-Tore von Kevin Bua und Oliver Buff im weiteren Verlauf der Partie waren schliesslich nicht mehr als Resultatkosmetik. Mit dem 3:0 schafften die Zürcher im Abstiegskampf einen kleinen Befreiungsschlag. Der Sieg ist hoch verdient. Hyypiäs Team bestimmte von Beginn an den Rhythmus. Oliver Buff mit einem 24-Meter-Freistoss an die Latte und Alain Nef mit einem Kopfball aus kurzer Distanz kamen dem Führungstreffer schon vor der Pause sehr nahe.

Nach der Pause legte der Favorit einen Zacken zu und war dem harmlosen Gegner in allen Belangen überlegen. Für Vaduz war der 25. Spieltag in der Super League ein herber Nackenschlag. Nach dem 0:3 gegen den FCZ und dem gleichzeitigen 1:0-Erfolg von Lugano gegen GC rutscht die Mannschaft von Trainer Giorgio Contini ans Tabellenende ab. Spielen die Liechtensteiner in den nächsten Wochen weiter so schwach und ohne Power, ist der Abstieg nicht zu vermeiden.

Vaduz – Zürich 0:3 (0:0)

4527 Zuschauer. - SR Jaccottet.
Tore: 54. Chiumiento (Bua) 0:1. 61. Bua (Handspenalty) 0:2. 74. Buff (Foulpenalty) 0:3.
Vaduz: Jehle; Von Niederhäusern, Gülen, Grippo, Borgmann; Janjatovic (65. Kamber), Ciccone, Kukuruzovic; Messaoud (64. Costanzo); Sutter (64. Avdijaj), Sadiku.
Zürich: Brecher; Nef, Sanchez, Kecojevic; Brunner, Yapi (46. Bua), Kukeli, Koch; Chiumiento (80. Simonjan), Buff; Etoundi (74. Turkes).
Bemerkungen: Vaduz ohne Fekete, Hasler, Muntwiler, Schürpf (alle verletzt), Bühler und Untersee (beide gesperrt), Zürich ohne Alesevic, Kerschakow, Kleiber, Schönbächler (alle verletzt), Grgic (gesperrt) und Cabral (nicht im Aufgebot). 24. Freistoss von Buff an die Latte. 73. Rote Karte gegen Grippo (Foul). Verwarnungen: 35. Ciccone (Foul). 61. Janjatovic (Hands). 88. Costanzo (Foul). 94. Sadiku (Foul/im nächsten Spiel gesperrt).