Nach zwei vierten Plätzen sehnen sich die Schweizer Frauen an der am Mittwoch beginnenden WM in Dresden nach einer Medaille. Oder ist es eher der Verband? Denn an der Heim-WM 2006 war lediglich eine Spielerin aus dem aktuellen Kader bereits dabei. Trainer Dieter Back war damals als Zuschauer in Jona, ehe er während sieben Jahren als Co-Trainer von Stefan Jundt amtete und je eine EM-Gold und -Bronzemedaille gewann. Seit 2013 ist er der Chef. Üblicherweise sind Deutschland und Österreich stärker als die Schweizerinnen, an Welttitelkämpfen sind ausserdem die Brasilianerinnen meist vor ihnen klassiert. «Der WM-Titel wäre optimistisch. Aber wenn alles optimal läuft für uns, liegt eine Medaille drin», sagt Dieter Back. Für den Basler werden es die ersten und letzten Welttitelkämpfe als Hauptverantwortlicher: Er hat angekündigt, danach zurückzutreten, um als Senior selbst wieder zu spielen.

Die Seniorin im jungen Schweizer Team ist Michelle Fedier – mit gerade einmal 28 Jahren. Ihre 43 Länderspiele bedeuten Platz 5 auf der ewigen Einsatzliste. Seit 2010, als die bislang letzte WM in Chile stattfand, spielt die Schlägerin, die in Basel wohnt, für Schlieren. Jahrelang bildeten die Limmattalerinnen einen starken Stamm in der Landesauswahl. Ausnahmespielerin Simone Estermann (heute Eicher), Sabine Pfister und Monika Thalmann gehörten lange zur Mannschaft. Diesmal sah es so aus, als ob Fedier die einzige Schlieremerin sein würde. Doch Patricia Koruna überstand den letzten Cut. Die 31-Jährige aus Bern gab erst 2012 ihr Nationalmannschaftsdebüt und wird mit 3 Länderspielen in der Statistik geführt. Trainer Back verrät, welche Rolle Fedier und Koruna im WM-Team einnehmen.

Michelle Fedier

Michelle Fedier

«Sie ist eine Leaderin auf dem Feld und auch daneben. Als Wortführerin sagt sie die Dinge gerade heraus und lässt nichts unausgesprochen. Manchmal ist sie etwas zu direkt, sie nimmt kein Blatt vor den Mund. Doch sie rechtfertigt das mit ihrer Leistung: Mi geht immer an die Grenze. Sie ist kein Multitalent, hat aber einen enormen Willen, der sie antreibt. Im Vergleich zu anderen Schlägerinnen fehlt ihr der Bums für harte Schläge von der Grundlinie. Doch an der Leine ist sie dank ihrer Finesse die beste Spielerin der Schweiz.»

Patricia Koruna

Patricia Koruna

«Sie hat sich ihre erste WM-Teilnahme verdient, weil sie enorm hart an sich gearbeitet hat. Nach einer Hüft-Operation hätten sich nicht viele wieder zurückgekämpft. Patricia ist nicht die Schnellste, hat aber einen ruhigen Arm. Neben dem Feld bringt sie sich stark ein, was den Unterschied gemacht hat im Vergleich zu ihrer Konkurrentin im Kampf um den letzten Platz im Kader. Sie denkt immer positiv und macht keine Bittermiene, auch wenn sie Ergänzungsspielerin ist. Sie wird aber sicherlich zu einigen Einsätzen kommen.»