Fussball
Die Grasshoppers müssen wieder auf junge Spieler setzen

Nach der nicht-öffentlichen Generalversammlung der Neue Grasshopper AG orientierten Verwaltungsrats-Präsident Stephan Anliker und Geschäftsführer Manuel Huber. Zahlen gab es keine zu hören. Diese waren offenbar zu brisant.

Stefan Baumgartner
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GC-Verwaltungsratspräsident Stephan Anliker (links) und Geschäftsführer Manuel Huber.

GC-Verwaltungsratspräsident Stephan Anliker (links) und Geschäftsführer Manuel Huber.

Keystone

"Ich verstehe die Generalversammlung, dass sie die Zahlen nicht offenlegen wollte", sagte Anliker. Wollten die Aktionäre etwas verbergen? Wollte sie den Einblick nicht zulassen, wie viel Geld Owner, Gönner und Donatoren eingeschossen hatten? Fakt ist, dass die Grasshoppers in der letzten Saison gemäss Huber dank "sehr hoher Transfererträge" - primär aus dem Verkauf von Roman Bürki und Shkelzen Gashi - einen leichten Überschuss verzeichneten. Für das laufende Geschäftsjahr sehe die Lage dagegen nicht zufriedenstellend aus. "Wir werden dieses Resultat nicht wiederholten können", so Huber.

Der junge Geschäftsführer hat die schwierige Aufgabe, die Ertragsstruktur (Eintritte, Sponsoren, Donatoren, Transfererträge) und die Ausgaben (u.a. Personalkosten und Staff der ersten Mannschaft) so zu verändern, dass auf 2015/16 ein ausgeglichenes Budget präsentiert werden kann. Zusammen mit Sportchef Axel Thoma muss der 27-jährige CEO das Kader umstrukturieren. Die Verträge von elf Spielern enden im Sommer, Ende dieses Jahr zudem jene der Leihspieler Kahraba und Sinkala. "Klar ist, dass wir nicht auf ein Minimum runterfahren können", sagte Huber.

Riesiger Imageschaden

Das äusserst turbulente Jahr mit acht Wechseln in führenden Positionen oder das juristische Ränkespiel um Captain Vero Salatic führten dazu, dass "wir auf verschiedenen Stufen einen riesigen Imageschaden verursacht haben", wie es Huber umschrieb. "Wir müssen die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen zurückgewinnen. Thema Nummer 1 muss wieder das Sportliche werden." Wie das geschehen soll, ist für Präsident Anliker klar. "Wir brauchen operative Stabilität, kommunikative Ruhe und finanzielle Disziplin." Dieser Prozess darf gemäss dem Architekten aus dem Oberaargau nicht zehn Jahre dauern. "Aber er wird über die nächste Saison hinausgehen."

Denn was die Grasshoppers anstreben, ist gewissermassen eine Rückkehr zu einer bekannten Philosophie. Zu einer Ausrichtung, mit der sie 2011/12 unter Ciriaco Sforza nur dank des finanziellen Kollapses von Neuchâtel Xamax und dem drastischen Punkteabzug gegen Sion nicht in die Challenge League abgestiegen sind. Die blutjunge Mannschaft kam damals mit dem Druck jedoch nicht zurecht, bewegte sich am Abgrund. "Aber wir legten damals die Basis für die Transfererträge der letzten Saison", so Anliker. "Dieses Mal haben wir die Lehren aus dem Lehrgeld gezogen, das wir damals bezahlten." Symbolisch, in einem Leiterlispiel, bedeutet die Situation der Grasshoppers: Nicht ganz freiwillig zurück auf Feld 1.

GC als Ausbildungsklub

Anliker betrachtet die Super League als Ausbildungsliga, folglich ist der Grasshopper-Club, in der aktuellen Situation erst recht, ein Ausbildungsklub. "Wir rechnen damit, dass spätestens in zwei bis drei Jahren wieder viele Junge in der ersten Mannschaft spielen werden." Und so das sprichwörtliche Kapital des Rekordmeisters darstellen. Die sportlichen Ziele von GC würden in Zukunft sich nach den Einnahmen und nicht nach den Ausgaben richten, sagte Anliker. "Wir sind Realisten und werden 2015/16 bestimmt keinen Platz in der Champions League fordern."

Die Besetzung des Verwaltungsrats, das dritte wichtige Thema der Generalversammlung neben den geheim gehaltenen Finanzen und der sportlichen Orientierung, soll bis Ende des ersten Quartals 2015 abgeschlossen sein. Seit dem Rücktritt von Martin Keller besteht der VR nur noch aus Anliker und dem Immobilienhändler Michael Schwarz. Ab dem kommenden Jahr sollen es wieder vier bis fünf Verwaltungsräte sein.