Jahresvorschau
Die Gewinner und Verlierer des Regionalsports 2014

Was im Limmattaler Regionalsport während der kommenden 12 Monate für Aufsehen sorgen wird – eine gewagte Prognose.

Raphael Biermayr
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Wie verteilt das Schicksal seine Gunst im neuen Jahr?Fotos: fin, bier (3), keystone (2), jaus (2)

Wie verteilt das Schicksal seine Gunst im neuen Jahr?Fotos: fin, bier (3), keystone (2), jaus (2)

KEYSTONE

Januar

Der EHC Urdorf kann die Abstiegsrunde planen. Im verschneiten Verzascatal verliert er das Schicksalsspiel in der 2. Liga mit 3:4, nachdem er vor dem Schlussdrittel 3:0 geführt hat. Dieser letzte Abschnitt verkommt wegen starken Schneefalls zu einer Art «Blinde Kuh». Doch damit nicht genug: Der Motor des Cars springt nicht an. Um 2 Uhr in der Früh kommen die gefrusteten Limmattaler im Ersatzfahrzeug in Urdorf an.

Februar

Im Olympiafinal der Curlerinnen sitzt CC-Limmattal-Präsident Philipp Locher (Foto) auf der Ehrentribüne neben Bundesrat Ueli Maurer. Die beiden sehen einen Sieg nach Zusatzend für die Schweizerinnen. Locher bietet
Alina Pätz noch auf dem Eis die Ehrenmitgliedschaft an und ringt Carmen Schäfer und Janine Greiner das Versprechen ab, über eine Rückkehr zum CCL nachzudenken. Die Männer-Auswahl mit Claudio Pätz wird enttäuschende Achte.

Skiakrobatin Tanja Schärer holt an den Olympischen Spielen das Diplom. Während einer Homestory des Schweizer Fernsehens im Olympischen Dorf kommt die Urdorferin ins Plaudern: «Die Unterkunft ist mega, gerade im Vergleich zu Vancouver. Dort gab es keine Vorhänge, man fühlte sich wie im Glashaus ausgestellt – einige schliefen sogar im Schrank.» Swiss Olympic dementiert umgehend und stellt den Athleten einen Presseverantwortlichen zur Seite.

Die Geschichte der Olympischen Spiele schreibt Florence Schelling (Foto). Nachdem in der Vorrunde bei den Männern alle Torhüter verletzt ausgefallen sind und kein Verein einen möglichen Nachzügler freigeben wollte, steht die Oberengstringerin zwischen
den Pfosten. Beim 5:1-Sieg über Österreich im Playoff-Qualifikationsspiel pariert sie 28 Schüsse. Die internationalen Medien stürzen sich auf die Limmattalerin, die ihr Zahnpastalächeln selbst unter der neuen Torhütermaske nur schwer bändigen kann. Im Viertelfinal scheiden die Schweizer und die Schweizerin trotz einer Weltklasseleistung Schellings gegen Schweden nach einem 0:3 aus.

Die Limmattal Wings beschliessen eine zu missraten scheinende Saison doch noch als Fünfter ab. An Rücktrittsgedanken kann sich plötzlich kein Spieler mehr erinnern.

März

Im zweitletzten Match der Abstiegsrunde empfängt der EHC Urdorf den EHC St. Gallen. Die «Stiere» gewinnen eine dramatische Partie mit 6:5 und sichern sich damit vorzeitig den Klassenverbleib. Ein Urdorfer ist dennoch enttäuscht: David Schöpf, unweit der Eisbahn Weihermatt aufgewachsen, spielt mittlerweile für die Ostschweizer.

Nach drei Siegen zum Rückrundenauftakt, darunter ein 4:3 gegen den ersten Verfolger Seefeld, führt der FC Dietikon die Tabelle der 2. Liga interregional mit sieben Punkten Vorsprung an.

April

Dani Hüni (Foto) tritt als Trainer des EHC Urdorf zurück. «Der Walfisch ist gegessen, ich bin satt», sagt er in Anspielung auf den bewerkstelligten Ligaerhalt. Als Nachfolger steht ein Triumvirat bereit: Thomas Heldner steigt vom Co-Trainer auf, er wird assistiert von
Adrian Casutt und Sandro Duttweiler.

Das lang ersehnte zweite Aufeinandertreffen zwischen Birmensdorf und Schlieren in der 3. Liga hält, was die Affiche versprochen hat. Nachdem beide Teams ihre drei bisherigen Partien gewonnen haben, trennen sie sich im Direktduell nach drei Eigentoren 2:2. FCB-Trainer Fabio Stiz und FCS-Trainer Antonio Caputo werden wegen dauernder Schiedsrichterkritik von der Bank verwiesen.

Die Handballer von Dietikon-Urdorf müssen nicht in die Abstiegsrunde: Dank einem Sieg und einem Remis in den Begegnungen mit den direkten Kontrahenten GC Amicitia beziehungsweise Romanshorn zieht der Erstligist den Kopf gerade noch aus der Schlinge. Trainer Karsten Hackel erleidet nach der endgültigen Schlusssirene einen Schwächeanfall: Er hat vor dem Match vier Tage lang nicht geschlafen, weil er an der richtigen Taktik geknobelt hat. Ein Schluck Champagner bringt ihn wieder auf Vordermann.

Mai

Vor der Eishockeyweltmeisterschaft der Männer in Minsk erwägt Sean Simpson die Nomination von Florence Schelling. Doch ihr Arbeitgeber stellt sich quer: Weil sie nach den Olympischen Spielen keine Ferien mehr hat, gibt sie der internationale Eishockeyverband IIHF nicht frei. So ist Schelling zwar als Mitglied der IIHF-Delegation in Weissrussland, darf aber nicht mitspielen. Ob man mit ihr das Ausscheiden im Viertelfinal gegen Schweden (0:2) verhindert hätte?

«Wir müssen nur auf uns schauen», erklärt Trainer Goran Ivelj von Leader FC Dietikon. Irgendwie hat er es geschafft, Arbeitgeber und Schulen der Spieler davon zu überzeugen, sie für die letzten drei Wochen von ihren Verpflichtungen zu entbinden. Ivelj hat auf der Dornau für diese Zeit ein Trainingscamp eingerichtet. Freigang gibts nur begleitet. Darüber hinaus konfisziert er alle Handys.

Die Entscheidung in der 3. Liga fällt am letzten Spieltag. Mittlerweile liegen die Dauerrivalen Schlieren und Birmensdorf nach Punkten gleichauf. Im Fernduell führt Birmensdorf gegen Engstringen nach 80 Minuten mit 4:0, während weder Schlieren noch Centro Lusitano bis dahin getroffen haben. In der 88. Minute erhält der FCS nach einem langen Ball in den Strafraum einen Elfmeter zugesprochen. Massimo Paradiso setzt diesen an den Pfosten – doch Souhel Muhi (Foto) steht wie so oft goldrichtig. Die Schlieremer retten den 1:0-Erfolg über die Zeit. Die geringere Anzahl Strafpunkte entscheidet schliesslich zu ihren Gunsten. FCB-Trainer Fabio Stiz mosert aus der Ferne: «Das hat mit Sport nichts zu tun! Unser Torverhältnis ist um 20 besser. Und überhaupt: Mit den Spielern von Schlieren wäre ich schon lang aufgestiegen!» Sein Antipode Antonio Caputo sagt fast zeitgleich: «Wir haben uns zwar immer auf uns konzentriert. Aber ich muss an dieser Stelle doch mal sagen: Mit den Spielern von Birmensdorf wären wir schon lange aufgestiegen!»

Es ist in vielerlei Hinsicht eine bemerkenswerte 3.-Liga-Saison gewesen: Der FC Oetwil-
Geroldswil beschliesst die Saison in der Gruppe 2 auf Rang 4 (wie Urdorf in der Gruppe 1), gefolgt vom FC Engstringen.Souhel Muhi wird Topskorer der Saison, seit vielen Jahren hat wieder ein Spieler die 30-Tore-Marke geknackt.

Zwei Runden vor Schluss steht der FC Dietikon als Aufsteiger in die 1. Liga Classic fest. Die in den Tagen zuvor abgeschotteten Spieler müssen erst Trainer Ivelj fragen, was der 2:0-Sieg gegen Liestal bedeutet.

Juni

Er ist es wirklich! Während einer SRF-Reportage aus dem Weltmeisterschafts-Camp der Fussballnationalmannschaft sitzt im Hintergrund Handballer Raphael Guitton in einer brasilianischen Meditationsspirale. Der frühere Kreisläufer des HC Dietikon-Urdorf gehört zum Staff der Schweizer: «Er ist unser Motivationsguru», erklärt Ottmar Hitzfeld. Seine Künste nützen nichts: Die Schweiz scheidet nach der Gruppenphase aus. Drei torlose Unentschieden reichen nicht.Raphael Guitton erklärt in einer brasilianischen Meditationsspirale im Analysegespräch mit Alain Sutter und dem eigens eingeflogenen Kurt Aeschbacher: «Die Spieler sind viel zu verwöhnt, sie müssen sich um nichts kümmern, sind viel zu wenig selbstständig. Von meiner Zeit im HCDU bin ich mir ganz anderes gewohnt!» Sutter und Aeschbacher blicken fragend, aber irgendwie verständnisvoll.

Juli

Überraschung im FC Schlieren:Beat Studer übernimmt das Frauenteam auf die neue Saison in der Nationalliga B hin. «Warum nicht? Ich hatte immer ein eine enge Beziehung zu ihnen», erklärt Studer. Das Saisonziel sei, vorn mitzuspielen.

Triathlet Jürg Mallepell schafft am Ironman Frankfurt als Zweiter seiner Altersklasse die Qualifikation für die WM auf Hawaii. «Wenn ich dort gewinne, lasse ich mich frühpensionieren», kündigt der 60-jährige Urdorfer an.

August

Die Leichtathletik-EM im Letzigrund beginnen für die Limmattaler Sprinter mit einem Dämpfer. Über 100 Meter erreicht keiner den Final. Der Dietiker Amaru Schenkel versucht, während des SRF-Interviews ein treffendes Sprachbild für seinen Gemütszustand zu finden, scheitert aber auch an dieser Aufgabe.

Der FC Dietikon hat im Schweizer Cup erneut kein Traumlos gezogen: In der 1. Hauptrunde trifft der Aufsteiger auf den Liga-Kontrahenten Muri. Die Limmattaler zeigen beim 1:2 zwar eine gute Leistung, Stimmung will unter den nur 109 Zuschauern aber nie aufkommen.

Am Staffel-Final der Leichtathletik-EM vertritt infolge von Verletzungen ein rein regionales Quartett die Schweiz: Neben Amaru Schenkel stehen Rolf Malcolm Fongué, Steven Gugerli (Foto)und Suganthan Somasundaram im Aufgebot. In 38,54 Sekunden schaffen sie die Überraschung: Schweizer Rekord.

1.-Liga-Topskorer Daniel Imhof vom HCDU lehnt das dritte Angebot von NLB-Aufsteiger Horgen binnen eines Jahres ab.

September

Am Kilchberger Schwinget werden Christian Vogel und Jodok Huber angeregt diskutierend im Publikum gesichtet. Bahnt sich da ein spektakuläres Comeback an?

Die Schweizer Fussballerinnen fahren zum ersten Mal zu einer Weltmeisterschaft. Nach dem 3:0 gegen Malta schliessen sie die Qualifikation ohne Niederlage ab. Die Dietikerin
Rahel Kiwic (Bild) steuert auf der Mittelmeerinsel einen Treffer per Kopfball bei.

November

Die Schlieremer Fussballerinnen gehen als Tabellenvierte in die Winterpause. «Die sind ja noch verletzungsanfälliger als die Männer», stellt Trainer Beat Studer fest.

Der abermals verstärkte FC Birmensdorf hat den Schlieremer Vorrundenrekord aus dem Vorjahr gebrochen: 33 Punkte aus 11 Matches – dazu das Torverhältnis von 68:7. «Eine Riesenleistung, vor allem angesichts unserer miesen Trainingsbedingungen im Vergleich zu anderen Vereinen, gerade hier im Limmattal», sagt Trainer Fabio Stiz.

Karsten Hackel verlässt den HC Dietikon-
Urdorf. Nachdem er in Kiel ein aufsehenerregendes Referat über die «Zonendeckung im Mittelblock bei Ballbesitz im Umkehrschluss zum schnellen Gegenstoss mit anschliessendem Trickwurf vom Flügel oder wahlweise vom Kreis» gehalten hat, engagiert der Deutsche Handballbund ihn vom Fleck weg als Cheftaktiker.

Dezember

Am Niklausschwinget lüftet sich das Geheimnis um das herbstliche Tuscheln von Christian Vogel und Jodok Huber: Vogel wird OK-Präsident, Huber übernimmt das dadurch freiwerdende Amt als Gabenchef. Die früheren Helden des SK Glatt- und Limmattal sehen einen souveränen Sieg von Bruno Gisler (Foto). Weil der Solothurner Dopingsünder Anfang Jahr unter öffentlichem Druck doch noch für die Freiluftsaison gesperrt worden ist, gibt er sich den Medien gegenüber leicht verschnupft.

Nach seinem Rücktritt als Spitzensportler läuft Viktor Röthlin den Neujahrsmarathon mit Start und Ziel in Schlieren. Er wird als Dritter bester Nichtafrikaner.