Dass es zu einer Karriere im Fussball kommen würde, war bei Alfred Emuejeraye nicht von klein auf klar. Als Kind spielte der in der Millionenstadt Lagos geborene Stürmer ebenso gerne Tennis. Doch da in Nigeria Fussball die klare Nummer eins ist, wurde nichts aus einer Tennis-Karriere.

So kam der damals 20-jährige Alfred im Jahr 2003 vom FC Julius Berg, einem ehemaligen Spitzenklub Nigerias, in die Schweiz. Damals war er der zweitbeste Juniorenspieler Afrikas und wurde deshalb als ein vielversprechendes Talent gehandelt. Zunächst trainierte er mit dem FC Zürich, ehe er bei den Grasshoppers unterkam. In einem Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger» sagte Alfred 2003: «Der Hardturm (das ehemalige Stadion von GC; die Red.) ist für mich nicht mehr als ein Stopp, um nach Spanien oder in eine andere grosse Liga zu kommen.»

Dass es dann nicht dazu kam, hat verschiedene Gründe. Einerseits stand ihm bei GC mit Núñez und Eduardo ein zuverlässiges Top-Duo vor der Sonne. Andererseits hatte Alfred so seine Probleme, sich in der Schweiz zurechtzufinden. Anfangs musste er zum Beispiel häufig eine Busse bezahlen, da er mit dem Auto geblitzt wurde und dies nicht als schlimm empfand.

Abstecher nach Singapur

Bei GC konnte sich Alfred nie richtig durchsetzen, brachte es nur auf sechs Teileinsätze in der Super League. Nach seiner Zeit bei den Zürchern wechselte er auf Rat seines Cousins, einem singapurischen Internationalen, in dessen Heimat. Diesen Wechsel bezeichnet Alfred als «einen grossen Fehler. Der Unterschied zwischen GC und Gombak United war um einiges grösser, als ich angenommen hatte.»

So kehrte er nach nur einer Saison wieder in die Schweiz zurück und kam bei Delémont in der Challenge League unter. In einer Partie gegen den FC Wohlen wurden die FCW-Verantwortlichen auf Alfred aufmerksam. Und so wurde Alfred nach einem einwöchigen Probetraining mit einem 5-Monats-Vertrag ausgestattet. Da er gute Leistungen zeigte, wurde das Arbeitspapier anschliessend um fünf weitere Monate verlängert. Zu wenig für den ehrgeizigen Alfred: «Ich wollte etwas, auf dem ich aufbauen konnte.»

So verliess er den FCW, als ihm ein Angebot aus China vorgelegt wurde. Alfred wechselte in die chinesische Super League zu Tianjin Teda. «In China ist Fussball ein harter Sport mit hohen Ansprüchen, der von den Einheimischen sehr gerne ausgeübt wird. Die Vereine geben einem dort im Normalfall nur Einjahresverträge. Zusätzlich sind die Erwartungen hoch, erzielt man die erwarteten Tore nicht, ist die Saison bereits gelaufen, bevor sie überhaupt gestartet hat», berichtet Alfred über seine Zeit in Asien.

In der Zukunft als Scout?

Nach seinem einjährigen Ausflug ins Reich der Mitte kehrte der Nigerianer 2010 erneut in die Schweiz zurück, wo er ein Jahr vereinslos war. Schliesslich kam er bei YF Juventus in der Promotion League unter, anschliessend ging es via Rapperswil-Jona, Stade Nyonnais und United Zürich zum FC Dietikon. Hier schoss er in bisher elf Ligaeinsätzen acht Treffer.

Trotzdem verweilt der FC Dietikon während der Winterpause nur auf dem sechsten Zwischenrang. Doch laut Alfred sagt dieser Zwischenstand in der Tabelle nichts aus. «In meinen Augen sind wir das stärkste Team der Gruppe», sagt er.

Angesprochen auf seine Zukunftspläne antwortet Alfred: «Ich bin nun 33  Jahre alt, mein Körper fühlt sich jedoch bedeutend jünger. Deshalb soll meine Aktiv-Karriere noch mindestens vier Jahre dauern.» Nächstes Jahr will er neben seiner Karriere als Fussballer einen Online-Kurs im Bereich SportManagement absolvieren. «Ich kann mir nicht vorstellen, später als Trainer zu arbeiten. Dafür habe ich zu wenig Geduld. Doch da ich ein gutes Auge darin habe, Spieler zu beobachten, kann ich mir einen Job im ScoutingWesen vorstellen.»

Doch wer weiss, vielleicht sehen wir Alfred in einigen Jahren ja auch auf einem Tenniscourt. Denn dieses Spiel ist neben dem Fussball immer noch eines seiner grössten Hobbys.