Robert Tonic ist kein Fussballtrainer, der leicht ins Träumen gerät. «Wir gegen den FC Neunkirch: Das ist etwa so, als müsste der FC Schaffhausen gegen den FC Chelsea antreten», sagt der Trainer der Frauen vom FC Schlieren. Er spricht damit die Partie im Cup an, die seinem Team am Sonntag bevorsteht. Neunkirch ist für die Schlieremerinnen ein wahrer Goliath. Die Schaffhauserinnen sind Tabellenführer in der Nationalliga A, haben alle bisherigen Partien in der Nationalliga A gewonnen, zuletzt gleich mit 5:1 auswärts bei den Grasshoppers. Entsprechend gering ist die Hoffnung bei Tonic und seinem Team, gegen Neunkirch eine Überraschung zu schaffen. Und entsprechend bescheiden sind Tonics Ziele: «Wir wollen nicht höher verlieren als GC.»

Für Tonic kommt das Spiel gegen Neunkirch eher ungelegen. Denn der Fokus der Schlieremerinnen liegt in dieser Saison auf dem Verbleib in der Nationalliga B, auch wenn sie in der Meisterschaft drei von vier Spielen gewonnen haben und zurzeit auf dem dritten Tabellenplatz stehen. «Wir können jeden Punkt gebrauchen», sagt Tonic eindringlich, «denn jeder Punkt ist einer gegen den Abstieg.» Wird der Trainer folglich gegen Neunkirch einige seiner Spielerinnen auf der Bank lassen, um sie für die Meisterschaft zu schonen? Tonic schüttelt den Kopf. «Unser Kader ist zu klein, als dass wir jemanden draussen lassen könnten», sagt der Schlieremer Trainer.

Geschont werden wird jedoch Nathalie Straub – zumindest teilweise. Länger als 45 Minuten kann die Stürmerin momentan nicht spielen, denn sie leidet immer noch unter den Folgen von zwei Operationen am Rücken. «Ich kann noch nicht die ganze Belastung mitmachen und befinde mich im Aufbau», sagt Straub. Immerhin hat sie in der letzten Partie gegen Therwil ein Tor erzielt und insgesamt schon fünf Treffer vorbereitet. «Das vergangene Spiel war sicher ein Schritt in die richtige Richtung», meint Straub. Allerdings werde es noch dauern, bis sie wieder voll belastbar sei: «Ich hoffe, das wird in der Rückrunde der Fall sein.»

Dass eine seiner Spielerinnen wegen einer Verletzung zumindest teilweise ausfällt, daran hat sich Robert Tonic mittlerweile gewöhnt. Der Verein hatte auch schon in der vergangenen Saison mit viel Verletzungspech zu kämpfen. Deswegen überlegt sich Tonic, das Team noch zu verstärken. «Wir waren mit zwei, drei Spielerinnen im Gespräch», sagt Tonic. «Sie wären auch gerne zu uns gekommen, aber wir können das finanziell leider nicht machen.»

So oder so wird Tonic am Sonntag auf das Kader zurückgreifen müssen, das ihm momentan zur Verfügung steht. Und aus diesem Kader fehlen weiterhin wichtige Spielerinnen, beispielsweise Céline Bürgisser. «Céline hat sich leider wieder leicht verletzt», sagt Tonic. Er muss zudem auf die in den ersten Spielen starke Katharina Wistel verzichten, die beruflich unterwegs ist. Dabei sein wird hingegen Stürmerin Sanja Mijovic, die in dieser Saison schon fünf Treffer erzielt hat. Und das, obwohl sie noch Schmerzen hat. «Sie will unbedingt spielen», sagt Tonic.

Dass Tonic mit Mijovic eine echte Torjägerin einsetzen kann, dürfte eigentlich einen Funken Hoffnung geben – oder doch nicht? «Wir haben den Antrag gestellt, den Car in unserem Sechzehner parkieren zu dürfen», scherzt Tonic. «Im Ernst: Man muss realistisch bleiben. Ich will den Spielerinnen nicht etwas erzählen, damit sie Anlass zum Träumen haben.»

Trotz der zu erwartenden Niederlage gegen die übermächtigen Gegnerinnen: Bei den Schlieremerinnen herrscht auch so etwas wie Vorfreude auf die Partie am Sonntag. «Wir sind nicht in der Favoritenrolle», sagt Straub. «Daher können wir das Spiel geniessen.»

In die Defensive zurückziehen wollen sich die Schlieremerinnen aber auf keinen Fall. «Wir werden so spielen wie immer», sagt Tonic. «Wichtig ist, dass wir den Gegnerinnen nicht ins offene Messer laufen.» Tonic hofft, dass seine Mannschaft wenigstens eine Halbzeit «anständig Fussball» spielen wird. Und dann gerät er doch noch halbwegs ins Träumen: «Es wäre super, wenn wir es in die Verlängerung schaffen würden – schon allein aus mentaler Sicht.»