Leichtathletik
Der Verband zieht die Reissleine – die Limmattaler dürfen nicht zur WM

Teamcaptain Steven Gugerli erfuhr am vergangenen Sonntag, dass er und seine Kollegen von der Nationalstaffel über 4 x 100 Meter nicht an die Weltmeisterschaften nach Moskau fliegen werden. Obwohl sie seit dem letzten Jahr dafür qualifiziert waren.

Raphael Biermayr
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Steven Gugerli (hinten) und Co. müssen zu Hause bleiben.

Steven Gugerli (hinten) und Co. müssen zu Hause bleiben.

Keystone

Der Grund liegt auf der Hand: Die Leistungen der laufenden Saison waren keine Bestätigung. Eine Auswahl mit immerhin zwei Kaderläufern - Gugerli (Urdorf) und Rolf Malcolm Fongué (Dietikon) - steht lediglich mit 40,58 Sekunden zu Buche.

Das ist an sich ein magerer Wert, und darüber hinaus nicht einmal Saisonbestzeit. Die liegt bei 40,53 Sekunden, aufgestellt von einer Junioren-Equipe.

Die SM als Entscheidung

Die Voraussetzungen waren alles andere als ideal. Infolge von Verletzungen sowie der Verzichtserklärung der arrivierten Amaru Schenkel und Marc Schneeberger konnte die Staffel nur ein einziges Mal in Bestbesetzung antreten. Am internationalen Meeting in Luzern verpatzte sie allerdings die Chance auf einen guten Eindruck mit einem Wechselfehler bei der letzten Übergabe.

Luzern wurde endgültig zum Schicksalsort. An den Schweizer Meisterschaften vom vergangenen Wochenende hatten die Staffellläufer die Möglichkeit, sich mittels guter Einzelergebnisse in den Fokus zu rücken.

Bis auf den Basler Alex Wilson, der als Einzelstarter ohnehin für die WM qualifiziert ist, scheiterten sie bei diesem Unterfangen. Weder Gugerli noch Fongué noch dem Unterengstringer Suganthan Somasundaram gelang eine überdurchschnittliche Leistung.

Darauf bezieht Verband-Leistungssportchef Peter Haas die Nichtselektion, die er als Mitglied der entsprechenden Kommission vertritt. Gugerli kann diese Argumentation zwar nachvollziehen. «Als Sportler kann ich aber nicht verstehen, warum man uns die Chance nimmt, an einem Grossereignis zu starten. Die damit verbundenen Erfahrungen sind unbezahlbar.»

Keine künstliche Chance

Bittere Ironie für den Urdorfer und Co.: Am kommenden Freitag bestreitet die Nationalstaffel im deutschen Weinheim die sogenannte WM-Verabschiedung. Aus Gugerlis Sicht wäre damit die Möglichkeit für eine «letzte Chance» gegeben gewesen. Verbands-Leistungssportchef Peter Haas erklärt, man habe dem internationalen Verband IAAF die Selektionen bis gestern gemeldet haben müssen.

Dem Gedankenspiel, die Staffel anzumelden und bei Nichterfüllen der Erwartungen in Weinheim wieder zurückzuziehen, gewinnt Haas nichts ab: «Einerseits wäre ein solches Vorgehen den Organisatoren, aber auch allen andern WM-Kandidaten gegenüber nicht fair. Andererseits würden wir damit von unseren eigenen Richtlinien abweichen. Das kommt nicht infrage.»