Eishockey
Der Urdorfer Chris Baltisberger rückt aus dem Nichts in den Mittelpunkt

Es war kein guter Tag für die ZSC Lions. Und auch nicht für Chris Baltisberger. Bei der 2:0-Niederlage der Zürcher gegen die Berner musste der Urdorfer den grössten Teil des Spiels als Zuschauer miterleben.

Marcel Kuchta
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Mitten drin, statt nur dabei: Chris Baltisberger.keystone

Mitten drin, statt nur dabei: Chris Baltisberger.keystone

Erstens musste der Urdorfer Stürmer aus nächster Nähe miterleben, wie seine Mannschaft das vierte Playoff-Finalspiel gegen den SC Bern mit 0:2 verlor. Zweitens wurde er von ZSC-Trainer Bob Hartley nach dem ersten Drittel in die Rolle des Zuschauers verdammt.

Anstelle des 20-Jährigen spielte ab Minute 21 Patrick Schommer. Erst, als die Berner kurz vor Schluss das entscheidende 2:0 erzielt hatten, durfte Baltisberger für einen letzten Einsatz zurück aufs Eis.

Vom NLB- zum Stammspieler

Trotz des schlechten Laufs der Dinge fand der Flügelstürmer nach der Partie wieder Grund zum Lachen. Für ihn ist schliesslich schon allein die Tatsache, dass er Teil einer NLA-Mannschaft ist, die um den Meistertitel kämpft, eine ausserordentliche Errungenschaft. «Es ist für mich ein Traum, der hier in Erfüllung geht. Ich geniesse jeden Augenblick und gebe alles, wenn ich zum Einsatz komme.»

Denn Chris Baltisberger gehörte im vergangenen August, als die Saisonvorbereitung lief, noch bei weitem nicht zum Stammpersonal der ZSC Lions. Er musste erst sieben Spiele in der NLB bei den GCK Lions bestreiten, ehe er von Trainer Bob Hartley ein Aufgebot für die «grossen» Löwen erhielt. Acht Spiele später war das NLA-Abenteuer dann schon wieder vorbei. Ein Muskelfaserriss in den Adduktoren verbannte den kräftigen Flügel für zwei Monate auf die Tribüne.

Er musste sich bei den GCK Lions wieder zurückkämpfen und erhielt in den letzten beiden Qualifikationsspielen bei den ZSC Lions erneut die Chance, sich zu bewähren und für weitere (Playoff-)Aufgaben zu empfehlen. «Ich habe versucht, in den beiden Partien meine Rolle zu finden und viel Energie in die Mannschaft zu bringen.»

Ein Versuch, der von Erfolg gekrönt war. Bob Hartley gefiel, was er vom 1,83-Meter-Mann sah, und überliess ihm die Rolle als Flügel der vierten Linie neben Center Reto Schäppi und Cyrill Bühler. Das Trio gehörte in der ersten Playoff-Serie gegen den HC Davos prompt zu den grossen positiven Überraschungen einer Zürcher Mannschaft, die den Titelverteidiger in vier Spielen aus dem Meisterrennen warf.

Fast immer perfekt

«Unser Block hat von Anfang an hervorragend funktioniert, weshalb es für den Coach keinen Grund gab, etwas zu ändern», sagt der Urdorfer, der gestern erstmals seit langer Zeit wieder mit einer (temporären) Ersatzrolle vorliebnehmen musste.

Es ist in der Tat erstaunlich, dass ein Trainer wie Bob Hartley auf einen Mann setzt, der aus dem Nichts in den Mittelpunkt kam und ihm den Vorzug gibt gegenüber routinierten Spielern wie Thomas Ziegler. «Ich denke, dem Coach gefällt, dass ich viel Schwung in die Mannschaft bringe und versuche, das Momentum auf unsere Seite zu bringen. Ausserdem haben wir unsere Rolle als Block mit defensiven Aufgaben bisher fast immer perfekt erledigt und keine Gegentore zugelassen.»

Chris Baltisbergers Bruder Phil gehört übrigens ebenfalls zum erweiterten Lions-Kader, ist mit seinen 16 Jahren aber noch zu jung, um schon eine tragende Rolle zu spielen. Doch auch er ist Teil einer Gruppe von jungen Spielern, die den in der Vergangenheit oft flügellahmen ZSC Lions neuen Aufwind gegeben haben. Auch wenn gestern ein schlechter Tag war.