Handball
Der talentierte Funktionär Camenzind tritt kürzer

Mathias Camenzind blickt auf 24 wechselvolle Jahre in der Limmattaler Szene zurück. Als Höhepunkt bezeichnet das heute 34-jährige Trainer- und Funktionärstalent den Aufstieg als Co-Trainer mit den U21-Junioren in die Eliteklasse im Jahr 2009.

Raphael Biermayr
Merken
Drucken
Teilen
Mathias Camenzind ist einer der letzten Zeugen einer Zeit, in der es zwei NLB-Handballklubs im Limmattal gab.

Mathias Camenzind ist einer der letzten Zeugen einer Zeit, in der es zwei NLB-Handballklubs im Limmattal gab.

hc dietikon-urdorf

Undenkbar aus heutiger Sicht: Das Limmattal war einst mit zwei Handballvereinen in der NLB vertreten. In der Saison 1992/93 gaben der HC Dietikon und der HC Urdorf/Stapo ein letztes getrenntes Gastspiel in der zweithöchsten Liga. Danach gab es nur noch den HC Dietikon-Urdorf.

Obwohl die Urdorfer in den letzten Jahren die erfolgreichere erste Mannschaft stellten, verschwinden die Erinnerungen, während der HCD weiterlebt – noch heute sind entsprechende Aufkleber an Stossstangen zu sehen. Warum ist das so? «Wir hatten fast keine eigenen Spieler und Nachwuchsteams», erinnert sich Mathias Camenzind, der bei der Fusion knapp 15 Jahre alt war, «die Identifikation war viel geringer.» Camenzind ist einer der letzten verbliebenen Zeitzeugen aus Urdorf, die etwas mit dem HCDU zu tun haben oder hatten: «Cami» ist an der Generalversammlung am Donnerstag zurückgetreten (siehe separaten Artikel). Fortan wird er aber noch als Co-Chef des Junioren-Trainingslagers amten und im Verein für die Kleinsten verantwortlich sein.

Geld und Geist. Zwei Schlagworte auch aus dem Limmattaler Handball. Der überlegte Camenzind steht für Letzteres. Beim HCDU kam er in der Saison 2002/03 auf einige Einsatzminuten in NLB-Matches, «doch eigentlich war das Niveau zu hoch für mich. Ausserdem bin ich nicht so ein Handballfan wie andere». Umso erstaunlicher ist die Bereitschaft zum Ehrenamt, gleichwohl er sich daneben auch für die Pfadi einsetzte und der Musik (Trommeln) frönte.

Bruggmann-Verpflichtung als Coup

Aus seinem Palmarès sticht also nicht ein Erfolg als Spieler heraus. Als Höhepunkt bezeichnet das heute 34-jährige Trainer- und Funktionärstalent den Aufstieg als Co-Trainer mit den U21-Junioren in die Eliteklasse im Jahr 2009. Und natürlich die Verpflichtung von Claude Bruggmann als Trainer für das Fanionteam im vergangenen Jahr. «Ich hatte zuerst gar nicht an ihn gedacht – ein schöner Zufall», erklärt Camenzind, der auf der Fachstelle Fuss- und Veloverkehr der Stadt Zürich arbeitet.

Es war ein würdiger Schlusspunkt für ihn nach 24 Jahren im Aktiv-Handball. Einer, der aber «nicht mehr unbedingt» hätte sein müssen, wie er sagt. Denn der zweifache Vater war müde geworden. Doch, weil beim HCDU Helfer Mangelware sind, kam Camenzind zum Handkuss, obwohl er eigentlich nur für die Junioren zuständig war. Ein Telefonier-Marathon. Letztlich mit dem bestmöglichen Ausgang – und der symptomatischen Randbemerkung, dass der Sportchef während der letzten, turbulenten Saison kein einziges Spiel der ersten Mannschaft sah. «Es hätte nichts an der Situation geändert, wenn ich in der Halle gewesen wäre», sagt er gelassen. Negative Reaktionen? «Nein. Wenn man sich für den Verein einsetzt, verzeihen einem die Leute vieles.» Ein Achselzucken.

Schwierige Hallensituation

Schwarzmalen, was die Zukunft des Vereins anbelangt, sei indes fehl am Platz. «Man muss sich auf die heutigen Gegebenheiten einstellen, die sind halt nicht so luxuriös wie früher.» Damit meint er die Situation im HCDU im Speziellen sowie den schwindenden Stellenwert des Handballs im Allgemeinen. Dieser hänge im Limmattal nicht zuletzt mit der unbefriedigenden Hallensituation zusammen. «Wir müssen oft improvisieren», sagt er, nicht begreifend, dass er nicht mehr muss.

Ein schlechtes Gewissen habe er wegen seines Rücktritts ein bisschen. «Gewissermassen lasse ich die Kollegen ja im Stich.» Doch die Müdigkeit und die Freude, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, haben gesiegt. Würde Camenzind seine Kinder – der Ältere ist erst 4 Jahre – dereinst zum Handball schicken? «Hauptsache, sie bewegen sich», sagt er. Bleibt zu hoffen, dass der Papa ihnen dann nicht von vergangenen Zeiten berichten muss, in denen es noch Handball in Dietikon und Urdorf gab.