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Der Sand gibt der Torhüterin Hoffnung

Momentan ist die Aargauer Torhüter-Hoffnung Pascal Küffer mehr in der Physiotherapie als auf dem Fussballplatz anzutreffen.müg

Momentan ist die Aargauer Torhüter-Hoffnung Pascal Küffer mehr in der Physiotherapie als auf dem Fussballplatz anzutreffen.müg

Eine junge, aufgeweckte Frau, sollte man denken, von Schmerzen oder einer Verletzung keine Spur. Doch Pascale Küffer, die einst als grosses Torhütertalent galt, muss täglich mit ihren Schmerzen leben. Zurzeit spielt die 19-Jährige bei GC Beachsoccer.

Pascale Küffers Leidensgeschichte begann letzten Sommer an der U20-WM. Nachdem sie immer mehr von Schmerzen geplagt wurde, konnte sie sich eines Tages nicht mehr aus dem Bett bewegen. «Die Schmerzen waren so stark, dass ich mich nur noch aufrichten konnte, aber nicht mehr», sagt die 21-Jährige. Die Diagnose: Bandscheibenvorfall. Bei etlichen Untersuchungen kam schliesslich raus, dass diese Verletzung so oder so einmal gekommen wäre. «Durch eine MRI-Untersuchung konnte festgestellt werden, dass die Verletzung schon fast programmiert war. Der Fussball war daher natürlich nicht sehr gut für meinen Körper», sagt Küffer.

Angebot aus Deutschland

Da Küffer, die damals beim FC Schlieren spielte, vor der WM ein Vertragsangebot aus Sindelfingen bekam, um in der Bundesliga zu spielen, ging sie trotz der Verletzung nach Deutschland. Kurz nach ihrem Umzug wurde ihr allerdings eröffnet, dass der Verein kein Geld mehr hat, um ihr den Lohn zu zahlen. Einen Vertrag hat sie in Deutschland auch nie unterschrieben. Weil sie ihre 50-Prozent-Stelle, die sie sich neben dem Fussball besorgt hatte, noch nicht antreten konnte, war sie dementsprechend in Deutschland auch nicht versichert und konnte sich nicht behandeln lassen. «Es war eine schwere Zeit in Deutschland. Im Verein herrschte das Chaos, obwohl wir eigentlich eine super Truppe waren», sagt Küffer rückblickend. «Kam hinzu, dass in dem Haus, in dem wir wohnten, weder die Heizung noch die Dusche funktionierte.»

Nach sechs Monaten zurück in die Schweiz

Auch die Trainingsbedingungen in der Bundesliga waren eine grosse Umstellung zur Schweiz. Siebenmal pro Woche wurde trainiert. Wer nicht genug Leistung brachte, flog aus dem Team. «Die Trainings waren zwar hart, aber dieses Gefühl, dass man während eines Trainings an seine Grenzen stösst, gefiel mir als Sportlerin doch sehr gut. Ausserdem hat es Spass gemacht, da alle an einem Strang zogen und keiner aufgab», sagt die gelernte Malerin.

Als Küffer nach einem halben Jahr immer noch kein Geld vom Verein sah, entschloss sie sich zur Rückkehr in die Schweiz, ohne sich allerdings einen Fussballklub zu suchen. «Ich habe mich bewusst nicht nach einem Klub umgesehen, die Regeneration meiner Verletzung stand im Vordergrund», sagt sie.

Zu einer Umschulung geraten

Mittlerweile geht sie zweimal in der Woche in die Physiotherapie. Wie lange ihr die Verletzung noch zu schaffen machen wird, kann ihr niemand genau sagen. «Es kann sein, dass ich nie wieder professionell Fussball spielen kann. Die Verletzung kann aber auch schon in zwei Wochen ausgeheilt sein», erklärt die 21-Jährige die Ungewissheit. «Die Ärzte haben mir auch zu einer Umschulung geraten, da der Beruf der Malerin körperlich anstrengend ist», sagt sie. «Manchmal fühle ich mich wie 16, denn ich habe keine Ahnung wie meine Zukunft aussieht, meinen Traumberuf habe ich eigentlich schon.» Momentan spielt sie Beachsoccer bei GC. Zusätzlich trainiert sie wieder einmal in der Woche auf Rasen. «Wenn ich auf Sand spiele, verspüre ich keine Schmerzen. Doch sobald ich auf dem Rasen bin, spüre ich jeden einzelnen Schlag.» Es sei schon hart manchmal, denn «ich bin Fussballerin mit Herz und Seele». Was ist ihr Plan B? «Falls ich bis Ende Jahr nicht wieder voll trainieren kann, muss ich mir schon überlegen, ob ich weiter auf die Karte Fussball setzen will.» Denn wenn sie einen Sport betreibe, habe sie auch den Ehrgeiz, gut darin zu sein. «Doch falls ich die Fussballschuhe an den Nagel hänge, muss ich einen anderen Sport finden. Ohne geht es nicht.»

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