Fussball

Der neue Präsident: Heinz Setz ist seit 38 Jahren beim FC Engstringen

Seit 38 Jahren ist Heinz Setz dem FC Engstringen treu. Nun hat er das Präsidium übernommen. Der Limmattaler Zeitung erzählt er seine Geschichte.

Seit Heinz Setz 1980 zum FC Engstringen stiess, hat er im Verein schon fast jeden Job gemacht. Nach seiner Zeit auf dem Fussballplatz war er über die Jahre Materialwart, Juniorenobmann, Trainer und sogar Clubhaus-Wirt. Er kennt den Verein aus allen Perspektiven. Da passt es, dass jetzt nach einigen Jahren ohne offizielle Vereinsfunktion noch das Präsidium hinzugekommen ist. Mitte September wurde Setz an der Generalversammlung gewählt, nur wenige Tage bevor er seinen 63. Geburtstag feierte. «Wir hatten wie immer viele Kandidaten», sagt er ironisch bei einem Treffen im Clubhaus. Damit bringt er ein für viele Vereine bekanntes Problem auf den Punkt. Die wichtigen und zeitaufwendigen Ämter sind immer schwerer zu besetzen.

Rund ein Jahr im Voraus habe der damalige Präsident Reto Keller seinen kommenden Rücktritt angekündigt, sagt Setz. Weil die Suche nach Ersatz stockte, reifte in ihm der Gedanke, selbst das Ruder zu übernehmen. Einen Monat vor seiner Wahl traf er sich mit Keller zum Gespräch und fällte anschliessend den Entscheid. «Ich kenne alle schon lange hier und habe Freude daran, wieder im Verein aktiv zu sein», sagt der neuer Präsident, der seit zehn Jahren beim Fussballverband Region Zürich tätig ist. Dort wird er in der Seniorenabteilung aktiv bleiben. Die Präsidiumsübergabe laufe dank Kellers Unterstützung sehr gut, auch weil beide sich gut verstehen und in Oberengstringen nah beieinander wohnen.

Der Zusammenarbeit im Vorstand blickt er optimistisch entgegen. An der GV wurde mit Ursula Erny eine alte Bekannte als Leiterin des Spielbetriebs gewählt. Sie tritt in die Fussstapfen von Susi Busenhart, der sie das Amt damals selbst übergab. Als Vizepräsidentin und Finanzleiterin wurde Tamara Meier bestätigt, Marc Tissot bleibt Juniorenkoordinator und Michel Strehler Materialwart. Den Posten als Sportchef hat Strehler, der im Verein auch als Torwarttrainer und als Sportkoordinator aktiv ist, allerdings abgetreten. Setz ist zuversichtlich, einen guten Kandidaten für den noch vakanten Sportchefposten zu finden.

Vom Verletzungspech gebremst

Der im Aargau geborene und in Zürich aufgewachsene Setz hat früh zur Leidenschaft Fussball gefunden. Weil ein guter Freund seines Vaters Juniorenobmann bei den Blue Stars Zürich war, sei die Vereinsauswahl leicht gefallen. «Damals mussten wir alle noch selbst unser eigenes Trikot bei Ochsner Sport an der Bahnhofstrasse kaufen», erinnert er sich. In der Jugend bahnte sich die Gelegenheit an, zum FC Zürich zu wechseln. Aber diverse Verletzungen bremsten seinen sportlichen Aufstieg und nach einer Knieverletzung hängte er die Fussballschuhe an den Nagel.

Als Unterstützer gehörte sein Fussballherz beim Aufwachsen aber nicht etwa einem der beiden Stadtclubs. Weil er in der Kindheit oft im Tessin war, wurde er Fan vom FC Lugano. In der Jugend fuhr er für die Duelle gegen die Zürcher Clubs oft mit Kollegen ins Tessin. «Meine Freunde waren fast alle FCZ- oder GC-Fans.» Seine Verbundenheit für die Bianconeri hält bis heute an. Deshalb freute es ihn besonders, dass die Tessiner kürzlich für ein Cup-Spiel in Dietikon gastierten.

Als er 1980 nach Oberengstringen zog, riet ihm ein Freund aus Zürich, unbedingt beim FC Engstringen mitzuspielen. Also schloss er sich der dritten Mannschaft an und begann wieder zum Plausch Fussball zu spielen. Obwohl er ihn noch kaum kannte, habe der damalige Präsident Karl Thaler ihm bereits in der Anfangszeit bei einem Grümpelturnier gesagt, er werde mal Präsident des FCE.

«Als ich kürzlich seiner Witwe erzählt habe, dass ich nun wirklich Präsident werde, war sie sehr erfreut.» Auch als er in den letzten Jahren keinen festen Posten mehr hatte, sei er am Wochenende während den Spielen der ersten Mannschaft immer auf der Brunewiis gewesen.
Mittlerweile ist Setz Oberengstringer durch und durch. Er hat seit 1990 das Bürgerrecht. Auch seine beiden Söhne Mario und Pascal sind dem FCE verbunden. Und Pascal Setz leitet den Gemeindewerkhof. «Wir haben in der Umgebung nur wenig Industrie und Gewerbe», sagt er, aber viele Vereine buhlen um Gelder. Obwohl das Sponsoring eine Herausforderung sei, laufe es dem Club gut. «Ich habe von Reto Keller einen gesunden Verein übernommen.» Deshalb plane er keine grossen Reformen, sondern wolle die gute Arbeit seines Vorgängers fortführen.

Mission Klassenerhalt

Nachdem die erste Mannschaft Anfang Juni den drohenden Abstieg aus der 3. Liga erst im zweitletzten Spiel der Saison abwendete, ist das sportliche Ziel für die noch junge Saison 2018/19 der Klassenerhalt. Mit fünf Punkten aus sechs Spielen liegt der FCE auf dem neunten Platz in der Gruppe mit zwölf Teams. «Für mich sind wir ein Drittligaclub und ich hoffe, dass das auch noch lange so bleibt», sagt Setz. Seit 2010 ist der FCE bis auf einen Ausrutscher in der 3. Liga aktiv. Nach dem Abstieg 2015 folgte ein Jahr später der unmittelbare Wiederaufstieg.

Setz ist überzeugt, dass Trainer Roger Ballmer der richtige Mann ist, um die vielen jungen Spieler in das Team zu integrieren. «Ich bin froh, dass wir ihn als Trainer haben.» Die Jugendarbeit sieht er als eine Stärke des Vereins und immer wieder schaffen Junioren den Sprung nach oben. «Es ist schön, wenn unsere Junioren sich in höheren Liegen etablieren können», sagt er, nur um anzufügen: «Aber auch schön, wenn sie später wieder zu uns zurückkehren, wenn es etwa wegen der Lebensumstände nicht mehr passt.» Seit dieser Saison hat der FCE in jeder Altersklasse eine Mannschaft am Start; 146 Junioren spielen für den Verein. Auf der Sportanlage Brunewiis treffen sie auf eine gute Infrastruktur.

Neue Brunewiis kommt gut an

Im Sommer 2017 wurde die erneuerte Anlage eingeweiht – nach diversen politischen Wendungen und einem an der Urne abgelehnten Vorgängerprojekt. Vorbei sind nun die Zeiten, als der FCE auswärtige Plätze für verschiedene Trainings mieten musste. Das 1992 von den Vereinsmitgliedern selbst erbaute Clubhaus setzt einen kleinen Kontrapunkt zur sanierten Anlage. «Der Zivilschutz half uns damals bei einer Übung, die tragenden Teile aufzustellen», sagt Setz, der damals ebenfalls mit anpackte.

Die runderneuerte Anlage kommt auch ausserhalb des Vereins gut an. So findet etwa der Cupfinal-Tag des nächsten kantonalen Firmenfussballturniers in Oberengstringen stattfinden und an der Auffahrt wird die Veteranenvereinigung auf der Brunewiis ein Turnier veranstalten.
Bis dahin wird Setz sicher voll in seinem Amt angekommen sein. Aber er schaut auch schon etwas weiter nach vorne: «Präsident wird man nicht nur für ein Jahr.» In seiner neuen Position nimmt er sich vor, die Clubmitglieder noch stärker zu motivieren, sich im Verein zu engagieren. «Wir wollen die kleinen Aufgaben auf mehr Schultern verteilen.» Und wenn der Funke der Begeisterung überspringt, hofft er mittelfristig darauf, dass jemand Jüngeres seine Nachfolge antritt.

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