Fussball
Der Mythos der schwierigen zweiten Saison nach dem Aufstieg ist zerschlagen

Dietikon blickt auf eine begeisternde Vorrunde in der 2. Liga interregional zurück. Nach dem gestrigen 2:0 gegen Herzogenbuchsee winkt der Wintermeistertitel.

Raphael Biermayr
Merken
Drucken
Teilen
Der FC Dietikon

Der FC Dietikon

Der Sportchef des FC Dietikon hat gut lachen, auch wenns ums Geld geht. «Die Vorrunde kostet gleich viel wie die ganze letzte Saison», erklärt Pietro Iellamo, der damit die Prämien für die Spieler anspricht. Die sind ausgelagert, sprich: gesponsert. Der Verein hat nach Iellamos Auskunft gegen 150 Unterstützer, die einen vereinbarten Obolus pro gewonnenen Punkt oder einen Pauschalbetrag entrichten, das Prinzip Sponsorenlauf.

Die Spieler sind also mit ihrer Leistung direkt für einen finanziellen Zustupf verantwortlich, einige wenige erhielten zusätzlich ein Fixum. Das Dietiker Team gilt in der Szene als teuer. Diesem Mythos tritt Iellamo entgegen: «Wenn ich von Gegnern höre, dass unsere Mannschaft 150000 oder 120000 Franken kosten soll, muss ich lachen; davon sind wir weit entfernt.» Konkrete Zahlen will er aber nicht veröffentlichen.

Mit einem Beleg lässt sich indes ein anderer Mythos zerschlagen: derjenige der schwierigen zweiten Saison nach einem Aufstieg. Mit 29 Zählern haben die Limmattaler nur gerade zwei weniger als im vergangenen Sommer auf dem Konto. Allerdings: Es bedurfte dazu wiederum neuer Gesichter im Team. Es hat mit demjenigen vor einem Jahr nichts mehr zu tun. Die Unkenrufe einiger Mitglieder, wonach man keinen mehr in der ersten Mannschaft kenne, verhallen letztlich angesichts des Erfolgs.

Unter dem Strich steht die Erkenntnis, dass mit einem Team aus eigenen Junioren in dieser Liga zu bestehen schwierig ist – geschweige denn, ganz vorn mitzuspielen. Und das hat sich der FCD über kurz oder lang zum Ziel gesetzt, schliesslich blieb der Traum der 1.-Liga-Zugehörigkeit stets bestehen. Sportchef Iellamo lächelt, auf einen möglichen nächsten Aufstieg angesprochen. «In dieser Gruppe gibt es so viele gute Teams, die das auch wollen. Die Spieler müssen sich weiterhin von Spiel zu Spiel auf ihre Aufgaben konzentrieren», sagt er. Von der Zielsetzung weicht er nicht ab: «Ein Platz unter den ersten fünf wäre schön.»

Zum erfreulichen Bild beigetragen hat vor allem die starke Dichte an talentierten Akteuren. So kann sich der FCD erlauben, mit Adnan Mustafi und Altin Gashi zwei Ausnahmespieler nur zu Teileinsätzen gelangen zu lassen, die strikte Linie von Spielertrainer Goran Ivelj lässt grüssen. Möglicherweise nicht ohne Konsequenzen: Der Solothurner Gashi steht bei andern Vereinen auf dem Zettel. Offen ist auch, ob Shqiptar Hamdiu den Verein verlässt.

Der starke Torhüter musste trotz starker Cup-Auftritte seinen Platz für den jüngeren und mit grösseren Perspektiven ausgestatteten Joao Ngongo räumen. Weil sich Ngongo jüngst eine Hirnerschütterung zuzog, stand Hamdiu gestern im Tor, was er auch am kommenden Samstag in der Cup-Qualifikation gegen Küsnacht tun wird. «Unzufriedenen legen wir keine Steine in den Weg», wiederholt Ivelj seine schon häufig geäusserte Haltung. Er setzt aber auch auf den Erfolgsbonus: Auch wenn man eine Teilzeitkraft ist, hat man zum Gelingen beigetragen.

Tore erzielen kann der FCD immer, er stellt die beste Offensive – der Hauptgrund für die erfolgreiche Hinserie war aber die defensive Stabilität. Assistenztrainer und Statistiker Carmelo Giamboi kann sich nur zweier Gegentreffer nach stehenden Bällen entsinnen – ein grossartiger Wert. Goran Ivelj und Captain Naim Haziri im Abwehrzentrum und Samir Kozarac davor sind ein Dreieck, das bestens harmoniert. «Wir sprechen die gleiche Sprache auf dem Platz», erklärt Ivelj, womit auch verdeutlicht ist, wie sich drei Alphatiere zurechtfinden, zumal auf so engem Raum. Dank des fast blinden Verständnisses der drei fiel nicht ins Gewicht, dass die Aussenpositionen der Schwachpunkt der Vorrunde waren. Rechts braucht Velisav Stevovic lange, um in ein Spiel zu finden, auf der gegenüberliegenden Seite ist der 17-jährige Bajram Zecirovci noch nicht so weit, eine tragende Rolle zu spielen.

Der Ausblick kündigt eine unaufgeregte Winterpause an: Sportchef Iellamo hat Passivität geäussert, was Transfers anbelangt. Das könnte sich ändern, wenn der eine oder andere der sogenannt «Unzufriedenen» geht. «Momentan ist mir nichts bekannt», sagt Iellamo, der zufrieden sei mit der Aussicht «im Winter ruhig schlafen» zu können. Quasi-Neuzugänge sind die Verteidiger Raphael Candreia und Jure Karadza, die nach Rekrutenschule respektive langer Verletzungspause ins Team zurückkehren und mithelfen sollen, der Erfolgsgeschichte ein nächstes Kapitel hinzuzufügen – und die Sponsoren zu «schröpfen»: mit einer Aufstiegsprämie.