Ein Kampf, aber kein Krieg; Rivalität, aber keine Feindschaft; Emotionen, aber keine Unfairness – das 2.-Liga-Derby zwischen dem grossen HC Dietikon-Urdorf und dem kleinen HC Limmat ist ein besonderes Ereignis. Es treffen sich zwei Vereine, die auf vielen Stufen Partner sind. Es treffen sich die Brüder Daniel und Adrian Schütterle auf verschiedenen Seiten. Es trifft der Limmat-Finanzchef im Dress des HCDU seine säumigen Zahler nicht als Geld-, sondern als Punkteeintreiber. Und es treffen sich in erster Linie ganz viele Mitspieler aus gemeinsamen Nachwuchsteams auf einmal als Gegenspieler.

Seit die beiden Mannschaften vor zwei Jahren wieder in der gleichen Gruppe platziert wurden, wartet Limmat noch immer auf einen Sieg gegen den grossen Bruder. Diesmal war es besonders bitter, denn nach der 20:23-Niederlage im Regionalcup vor Wochenfrist gabs nun auch im allerersten Meisterschaftsspiel der neuen Saison eine knappe 19:21-Pleite. Dabei hatte die Cupbegegnung Lücken in die Reihen des Gegners gerissen.

Aus dem spielenden HCDU-Trainer Sandro Tonini wurde ein hüpfender Coach, der einbeinig von einer Seite der Spielerbank zur anderen hopste, um zum richtigen Zeitpunkt die passenden Anweisungen zu geben. Eine Knieverletzung sorgt dafür, dass Tonini wohl während längerer Zeit als Teamstütze auf dem Feld ausfällt. «Ich habe festgestellt, dass es hier auf der Bank mindestens ebenso viele Nerven braucht wie auf dem Feld», sagte der Trainer. Tonini musste zwar anfangs mit ansehen, wie seine Jungs elf Minuten lang das Kunststück fertig brachten, überhaupt kein Tor zu erzielen. Viermal warfen sie an die Torumrandung, fünfmal parierte Limmat-Torhüter Andreas Regner – der beste Spieler der Platzherren an diesem Abend. So führte Limmat schnell 3:0 und hielt die Führung bis zur Halbzeit (11:9).

In der Pause aber musste Tonini die richtigen Worte gefunden haben, denn nach dem Seitenwechsel kehrte der HCDU die Partie innert Minuten. Die Verteidigungsarbeit war jetzt besser, die Erfolgsquote bei den Würfen spürbar höher. «Wir haben uns endlich auf uns selber konzentriert und nicht mehr auf den Schiedsrichter oder die Gegenspieler», bilanzierte Tonini. Die Gäste hielten die Führung, obwohl ihr bester Werfer Dominik «der Bulldozer» Hari (6 Tore) eine Viertelstunde vor Schluss wegen dreier Strafen des Feldes verwiesen wurde. Der 19-Jährige verteidigte eben ab und zu genau so, wie er die meisten Tore erzielte: brachial mit dem Kopf durch die Wand.

Überhaupt konnte man das mit dem grossen Bruder beinahe wörtlich nehmen. Die Equipe des HCDU brachte deutlich mehr Physis und Wasserverdrängung mit aufs Feld, war körperlich eindeutig stärker. «Dafür sind wir schneller und wendiger», entgegnete Limmat-Coach Tom Widmer, der mit der Leistung trotz Niederlage zufrieden war. Man spüre eben noch die vielen Absenzen im Sommertraining. «Es dauert noch eine Weile, bis wir eingespielt sind», sagte Widmer und kündigte Revanche fürs Rückspiel am 6. Februar 2011 in der Dietiker Stadthalle an.