«Warum hat er den Rasen nicht gemäht?» Schlierens Vereinspräsident Hebi Wetzel war während der Halbzeitpause ausser sich. «Sogar auf dem Parkplatz ist das Gras geschnitten – nur dort nicht, wo es wirklich wichtig wäre.» Vielleicht musste Wetzel sogar glücklich über diesen Fauxpas des Schlieremer Stadtgärtners sein. Wäre der Rasen geschnitten und damit schneller gewesen, hätte das für die Schlieremerinnen gegen den vor allem in Punkto Tempo hochüberlegenen FC Zürich böse enden können.

Kaum über die Mittellinie

So aber hiess es nach 45 Minuten nur 1:2. Von Beginn weg gaben die Gäste den Ton an. In der 17. Minute schliesslich nutzte die starke Ramona Lendenmann ihre dritte Möglichkeit zum 0:1. Die Limmattalerinnen kamen kaum je über die Mittellinie. Trotzdem schafften sie den Ausgleich: Die vom FCZ an Schlieren ausgeliehen Nadine Baker fädelte bei einem Konter im Strafraum geschickt ein – Elfmeter. Patrizia Dreyer verwertete diesen mit etwas Glück (30.). Der Knackpunkt der Partie war der neuerliche Rückstand kurz vor der Pause, als die frühere Schlieremerin Fabienne Humm nach einem Eckball traf.

Nach dem Seitenwechsel hatte der Aufsteiger eine Torchance: Patrizia Dreyer schoss aus wenigen Metern Entfernung Torhüterin Stenia Michel an. Auf der Gegenseite überboten sich die Gästespielerinnen im Auslassen von Gelegenheiten, Lendenmanns 1:3 (63.) war der letzte Treffer der Begegnung. Der FCZ – mit der bei Standardsituationen dank ihrer Grösse stets gefährlichen Dietikerin Rahel Kiwic – kam unter zu einem ungefährdeten Sieg. Unter den Gratulanten war Männer-Trainer Urs Fischer, dessen Tochter bei den Zürcherinnen im Kader steht. Auch Nationaltrainerin Béatrice von Siebenthal war Zaungast auf dem Zelgli. Sie beobachtete ihre aktuellen Schützlinge Nicole Remund und Selina Zumbühl aufseiten der Gäste.

Willauer und Scodeller dabei

Von den Schlieremerinnen hatte sich gestern niemand für solch hohe Weihen aufgedrängt. Einen vielversprechenden Eindruck hinterliess aber die vormalige NLB-Akteurin Münevver Akyol. Die quirlige Mittelfeldspielerin spielte furchtlos – das konnte nicht von allen behauptet werden. «Die Mannschaft hatte am Anfang zu grossen Respekt», bestätigte Trainerin Monica Di Fonzo, die herausstrich, dass ihr Team sich nie aufgegeben hatte. Sie relativierte den deutlichen Unterschied: «Es ist klar, dass wir uns nicht in erster Linie mit einem Meisterkandidaten messen müssen.»

Im Gegensatz zum Startspiel standen ihr mit Lea Willauer und Melina Scodeller zwei weitere Akteurinnen zur Verfügung. Allerdings fiel die Zweitgenannte kurz vor Schluss mit einer Verletzung aus. Noch immer nicht spielberechtigt war die arrivierte Alina Grürter, auf welche Di Fonzo grosse Stücke hält. Spätestens im nächsten Heimspiel vom 4. September sollte auch sie einsatzfähig sein – dann ist wohl auch der Rasen geschnitten.