«Tradition ist kein Erfolgsgarant – diese Erfahrung muss zurzeit der FC Zürich machen. Vor sieben Jahren noch Meister, hat der Stadtklub nun den Weg in die untere Liga anzutreten. Der Präsident erlag einer Fehleinschätzung: Aufwand reduzieren und ein Spitzenteam formieren lässt sich nicht unter einen Hut bringen. Dass zwei Trainer schliesslich klar scheiterten, erhärtet die These vom zu schwachen Kader.»

FCZ: Das ist Fortes Strategie

Das ist Fortes Strategie

Zürich – 13.05.2016 – Der Ex-YB-Trainer Uli Forte übernimmt per sofort das schwierige Traineramt des FC Zürich. Mittels Spielergesprächen will er herausfinden, wo der Schuh beim Traditionsverein drückt.

Die Analyse der «Neuen Zürcher Zeitung» vom 5. Mai 1988 zum Abstieg des FC Zürich in die Nationalliga B braucht nur geringe Anpassungen, um 28 Jahre später die Misere beim gleichen Klub auf den Punkt zu bringen. Natürlich: Noch ist der FC Zürich, vor sieben Jahren tatsächlich Meister, nicht abgestiegen; noch kann er mit zwei Siegen in Sion und gegen Vaduz den Abstieg aus eigener Kraft abwenden. Aber nach fünf Niederlagen in Folge mit 2:17 Toren deutet nichts in diese Richtung.

Schon morgen Sonntag könnte perfekt werden, dass der 12-fache Schweizer Meister nach 26 Jahren in der höchsten Spielklasse zumindest die nächste Spielzeit in der Challenge League verbringt. Vielleicht sogar als Europa-League-Teilnehmer, falls er in acht Tagen im Cupfinal Lugano besiegt.

Gemeinsam hält das Ehepaar Canepa 90 Prozent am FC Zürich.

Gemeinsam hält das Ehepaar Canepa 90 Prozent am FC Zürich.

Wie 1988 Sven Hotz erlag auch der heutige Präsident Ancillo Canepa der Fehleinschätzung, dass der FCZ auch dann eine Spitzenmannschaft bleiben kann, wenn er den Aufwand reduziert und im Management Einsparungen vornimmt. Und wie 1988, als den Trainern Hermann Stessl und Timo Konietzka die mangelnde Qualität des FCZ-Kaders zum Verhängnis wurde, mussten in dieser Saison auch Urs Meier, Sami Hyypiä und – zumindest im ersten Spiel – Uli Forte zur Kenntnis nehmen, wie schlecht die Mannschaft (mal zu viele, dann zu wenige Stürmer, keine Leaderfiguren etc.) zusammengestellt ist.

Die Chronologie des aktuellen FCZ-Absturzes nahm ihren Anfang nach dem Cupsieg 2014. Als sich Präsident Canepa dachte: Wozu brauchen wir einen Sportchef? Was der kann, das kann ich doch auch! Und sparen können wir damit auch noch.

Viele Missklänge

Zumal sich ja seine Ehefrau Heliane als Geldgeberin und Funktionärin mehr und mehr in den Verein eingebracht hatte. Den Canepas gehören mittlerweile 90 Prozent des FCZ. Nachdem Sportchef Marco Bernet, und mit ihm weiteres Fachwissen, gegangen worden war, überwinterte der FCZ zwar noch auf Rang 2, doch dann begann der kontinuierliche Niedergang bis zum Tiefpunkt dieser Tage. Die Aussortierung von Goalie und FCZ-Identifikationsfigur David Da Costa war nach den früheren Abgängen von Fredy Bickel (Sportchef), Urs Fischer (Trainer) und Ernst Graf (Nachwuchschef) die nächste personelle Fehldisposition von Canepa. Und bei keinem anderen Klub werden Trennungen so oft von Missklängen begleitet wie beim FCZ. Ob Lucien Favre, Fischer, Bickel, Rolf Fringer, Almen Abdi, Bernet, Da Costa, Patrick Rossini, Urs Meier und Sami Hyypiä — alle gingen im Unfrieden. Das wirft kein gutes Licht auf Canepa.

Die FCZ-Krise in Bilder: 

Obwohl in der Rückrunde 14/15 die viertschlechteste Mannschaft, hatte dieser an Trainer Meier festgehalten, um ihn dann in der neuen Saison bei erstbester Gelegenheit doch zu feuern. Vielversprechende Talente aus dem eigenen Nachwuchs wie Dimitri Oberlin, Francesco Rodriguez und Djibril Sow flüchteten mangels Perspektiven ins Ausland. Zwar konnte Canepa mit dem Transfergewinn (gemäss Transfermarkt zusammen mit dem Erlös für Nico Elvedi 8,7 Millionen Euro) das strukturelle Defizit von 4 bis 5 Millionen Franken mehr als ausgleichen, doch eine beispielhafte Transferpolitik sieht anders aus. Zu frühes Verschachern von Eigengewächsen zeugt nicht von Weitsicht. Und selbst wenn der Präsident bei Projekten wie dem FCZ-TV, FCZ-Museum oder dem FCZ-Frauenteam bewiesen hatte, dass in seinen Adern im Prinzip viel Herzblut für den Verein fliesst, wenden sich die Fans mehr und mehr ab. Im Schnitt wollen nur noch 8274 Zuschauer den FCZ spielen sehen; vor drei Jahren waren es noch 10 741.

Uli Forte soll den FCZ vor dem Abstieg retten

Uli Forte soll den FCZ vor dem Abstieg retten

Zürich – 13.05.2016 –Der Ex-YB-Trainer Uli Forte ist der Nachfolger von Sami Hyypiä. Er übernimmt per sofort das schwierige Traineramt des FC Zürich.

Ein Beispiel für Canepas Dilettantismus ist die Verpflichtung von Cabral. Dieser hatte es in der Vorsaison auf drei Pflichtspieleinsätze bei den Reserven von Sunderland gebracht, und vom FCZ dennoch einen fetten Vierjahresvertrag erhalten. Die im Winter erfolgte Ausleihe von Stürmer Armando Sadiku an Abstiegskonkurrent Vaduz ist genauso unverständlich wie die Verpflichtung des Erfolglostrainers Sami Hyypiä. Dieser nahm vor Dienstantritt eine Zügelwoche in Anspruch, bevor sich seine personellen Massnahmen wie Ausmusterungen, Begnadigungen und Torhüterrochaden allesamt als Rohrkrepierer erwiesen. Dass dann die Spieler, die auf der ganzen Linie versagt hatten, sich via Vertrauensfrage auch noch des ungeliebten Trainers entledigen durften, war der bisherige Schlusspunkt der schwachen Führungsarbeit Canepas.

Herbe Kritik

In den letzten Tagen schwoll die Negativpresse noch einmal an. Der «Tages-Anzeiger» berichtete, dass beim FCZ im physischen Bereich falsch trainiert worden sei und die Spieler nun platt seien. Falsches Training? Kommt im heutigen Profifussball kaum noch vor; ausser eben beim FCZ. Die «Handelszeitung» enthüllte, dass das Ehepaar Canepa mittlerweile 30 Millionen Franken in den FCZ investiert habe und schrieb: «Mangels nachhaltiger Strategie wird der FCZ zum Millionengrab.»

Das erste Training von Uli Forte alles FCZ-Trainer: