Unverhofft kommt oft. Das dürfte so mancher Zuschauer, der es mit Engstringen hielt, gestern Sonntag auf der Brunewiis in Oberengstringen gedacht haben. Denn plötzlich wurde es nochmals richtig spannend im Derby zwischen Engstringen und Oetwil-Geroldswil.

2:0 hatten die Gäste in Front gelegen und hätte sogar noch höher führen können, hätte Mike Wettstein in der 80. Minute den Ball nicht über die Latte geschossen. Doch dann kamen die Engstringer fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit zu einem Eckball, Patrick Meier lenkte den Ball ab und durfte jubeln: Er hatte für seine Mannschaft soeben den Anschlusstreffer erzielt.

Nur wenige Minuten blieben zu diesem Zeitpunkt noch zu spielen, und die Hausherren warfen alles nach vorne, um wenigstens noch einen Punkt zu retten. «Die können nicht mehr, kommt, Jungs!», riefen sich die Engstringer Spieler immer wieder gegenseitig zu. Und tatsächlich: Auf einmal mussten die Gäste, die dieses Derby zuvor bestimmt hatten, Angriff um Angriff über sich ergehen lassen. Und auch die Gemüter kochten hoch. Engstringens Pascal Köstli zog sich den Unmut der Gäste zu, nachdem er ihnen Zeitspiel vorgeworfen hatte.

Es war nun Feuer drin in diesem Derby, das über weite Strecken vieles schuldig geblieben war. Zu wenig hatten die Engstringer den Gästen entgegenzusetzen, zu dominant waren diese aufgetreten und verdient mit 2:0 in Führung gegangen, nachdem erst Ahmet Bozova mittels Strafstoss und dann Sandro Lutz nach einer Ecke getroffen hatten.

Oetwil-Geroldswils Marco Brandenberger (links, oranges Trikot) wird von Engstringens Manuel Gabrieli (rechts, grünes Trikot) gefoult - Penalty.

Oetwil-Geroldswils Marco Brandenberger (links, oranges Trikot) wird von Engstringens Manuel Gabrieli (rechts, grünes Trikot) gefoult - Penalty.

«Bis zur 70. Minute hatten wir das Spiel fest im Griff», meinte Oetwil-Geroldswils Trainer Jean-Marie Broggi. «Wir wollten Pressingfussball spielen, und das ist aufgegangen.»

Doch am Schluss habe es in der Verteidigung nicht mehr gestimmt – auch, weil der eine oder andere lange Ball der Engstringer schliesslich den Weg in den Strafraum gefunden habe. «Es ist normal, dass mal ein solcher Ball durchkommt», sagte Broggi. «Ich bin dennoch sehr zufrieden mit der Leistung meiner Mannschaft.»

Zufrieden war nach der Partie auch Scott McDonald vom Trainerteam der Engstringer. «Als Aufsteiger darf man gegen Oetwil-Geroldswil mit 1:2 verlieren», meinte McDonald und lachte. Dass seine Mannschaft den Gästen über weite Strecken der Partie hinterherlief, führte McDonald auf den Unterschied zwischen 4. und 3. Liga zurück: «Wir spielen jetzt halt in einer höheren Liga, hier geht alles etwas schneller.» Trotzdem zeigte er sich zuversichtlich. «Es sind noch Details, die angepasst werden müssen», sagte er.

Neuer Trainer

An diesen Details wird künftig allerdings ein anderer feilen müssen. Denn mit der Partie gegen Oetwil-Geroldswil endete auch das Engagement von McDonald und seinem Co-Trainer Marjano Carigiet, die den FC Engstringen interimistisch gecoacht hatten.

Neu trainieren Roger Balmer und Dino Bardelli die Engstringer. «Ich kenne Roger von früher», sagte McDonald. «Ich bin froh, dass er die Mannschaft übernimmt, denn ich glaube, er wird aus ihr das Letzte herausholen.» Dann klappt es vielleicht auch mit dem ersten Sieg in der 3. Liga, nachdem die Engstringer bisher erst einen Punkt holen konnten.

Deutlich besser läuft es Oetwil-Geroldswil, das von Tabellenrang 4 grüsst. «Dass wir nach vier Spielen neun Punkte haben, ist auch dem Spielplan geschuldet», relativiert Broggi. «Aber wir schauen ohnehin nicht auf die Tabelle.»