Dabei hatte doch alles so gut angefangen für den FC Dietikon. Die Limmattaler zeigten ein wahres Startfurioso und führten gegen einen völlig überforderten FC Gossau bereits nach zwanzig Minuten mit 2:0. Es schien so, als könne man den Fluch der Inkonstanz brechen, der die Mannschaft nun seit geraumer Zeit heimsucht. In den letzten sechs Spielen folgte auf jede Niederlage ein Sieg und umgekehrt. Dass dies heute wiederum so sein würde, dachte im Büechenwald nach einer halben Stunde niemand. Die Mannschaft von Trainer Goran Ivelj spielte mit Herzblut, kämpfte um jeden Ball und zeigte vor allem offensiv ihr ganzes Potential. Zuerst traf Goalgetter Luca Dimita nach vierzehn Minuten. Der routinierte Stürmer behielt nach einem Freistoss als einziger Akteur die Übersicht im Beinewald des Gossauer Strafraums und netzte zur Führung ein. Dieser Treffer schien die Limmattaler erst recht anzustacheln – waren die Gossauer vor dem 0:1 noch überfordert, so waren sie jetzt vollends abgemeldet. Die Dietiker lasen das Spiel der Gastgeber wie ein offenes Buch und brachten sie mit schnellen Gegenstössen zur Verzweiflung. So auch in der zwanzigsten Minute, als Flavio Vecchiè den Ball zum 0:2 über die Linie drückte. Dem vorausgegangen war ein aufopfernder Sprint an die Grundlinie des, in den ersten dreissig Minuten überragend spielenden Luca Senincanin. Der flankte butterweich zur Mitte auf den bereitstehenden Vecchiè.

Das Spiel schien entschieden

Das Spiel schien nach einer halben Stunde bereits entschieden, der Fluch besiegt. Mitnichten! Schleichend legte die Inkonstanz ihre Finger um die Kehle des FC Dietikon. Fragte man sich nach dem zweiten Treffer ernsthaft, warum diese Mannschaft überhaupt auch nur einen Gedanken an den Abstieg verschwenden muss, wurde man mit fortschreitender Spieldauer skeptischer. Plötzlich zogen sich die Limmattaler zurück, griffen nicht mehr konsequent an und liessen den Ostschweizern so die Gelegenheit ins Spiel zu kommen. Ein fataler Fehler, wie sich zeigen sollte. Gossau fand gegen Ende der zweiten Hälfte den Anschluss, doch haderte zunächst mit sich selbst. Bruggmann und zweimal Asani vergaben gute Möglichkeiten und so blieb der Anschlusstreffer aus. Vorerst. Die Inkonstanz hatte zum Würgegriff angesetzt und Gossau übernahm schleichend aber bestimmt das Spieldiktat. Und so kam es schliesslich, wie es kommen musste: Joel Eberle schlenzte den Ball kurz vor der Pause zum Anschlusstreffer in die Maschen. Bezeichnend war, dass dieser Schuss von einem Dietiker unhaltbar abgelenkt wurde – der FCD stand sich wiederum selbst im Weg. Der Anschlusstreffer wendete das Blatt endgültig. Gossau erwachte in der Folge komplett, bewies eindrückliche Moral und startete zu einer Aufholjagd.

«Wir haben das dritte Tor nicht gemacht und nach dem 2:0 aufgehört Fussball zu spielen. Dann bekommen wir den ärgerlichen Anschlusstreffer. Wir haben den Weg ins Spiel danach nicht mehr gefunden», konstatierte ein ernüchterter Goran Ivelj nach Spielende. Dabei schien er seine Mannschaft perfekt auf dieses Duell im Abstiegskampf vorbereitet zu haben. Seine Elf legte ein beeindruckendes Tempo an den Tag, spielte souverän und brach letztlich doch ein. Fehlte der Mannschaft etwa der nötige Biss? «Der Biss hat nicht gefehlt, aber die Erfahrung. Und mit Erfahrung gewinnt man solche Spiele», sagte Ivelj. Auch dies ist eine Rückkehr zu alten Mustern für die Dietiker, die trotz beherzten Auftritten und teils herausragenden Phasen schon oftmals Lehrgeld zahlen mussten in dieser Saison. Fakt ist, diese Mannschaft ist besser, als der Tabellenrang, den sie innehat, vermuten lässt. Trotzdem konnte sie erneut ein Einbrechen nicht verhindern und enttäuschte in der zweiten Hälfte. Folglich bleibt das Abstiegsgespenst präsent beim FC Dietikon, doch Coach Ivelj gibt sich optimistisch: «Wir bleiben oben, auf jeden Fall», sagt er.

Schlechte Leistung in der zweiten Halbzeit

Keine richtige Chance erspielten sich die Limmattaler in Durchgang zwei, zu sehr waren sie von den kämpferischen Ostschweizern in die Defensive gedrängt worden. Sie drängten die Gäste auch zu überflüssigen Szenen, wie die vermeintliche Tätigkeit von Dimita nach einer Stunde. Er hatte den Arm im Zweikampf verdächtig nahe am Gesicht des Gegners, der sich dann aber theatralisch fallen liess – die gelbe Karte für Dimita war hier angemessen, mehr aber nicht. Trotzdem rang Dietikon mit sich selbst und mit der Inkonstanz, die der Mannschaft nun doch die Luft abschnitt. Dies in der Person des eingewechselten Enzo Todisco, der mit seiner ersten Ballberührung zum 2:2-Ausgleich einschob. Als merkten die Dietiker, dass sie unweigerlich in das Muster ihres ungeliebten Wechselspiels aus Sieg und Niederlage zurückgedrängt würden, machte sich Verzweiflung breit. Lange Bälle und Brechstange führten beide nicht zu einem erneuten Führungstreffer und die Gossauer lauerten nach wie vor auf ihre Chance. So wurde das Geschehen nochmals angeheizt. Zuerst wurde Ivelj auf die Tribüne verwiesen, dann sah der Dietiker Marjan Jelec nach einer Rudelbildung die rote Karte. Die folgende, kurze Orientierungslosigkeit der Limmattaler nutzte Silvan Eggmann zum 3:2-Siegtreffer für die Hausherren. Ausgerechnet Eggmann, muss man sagen. Denn er war es, der schon im Hinspiel die Gossauer zum Sieg schoss. Eine weitere leidliche Wiederholung an diesem Fussballabend.

Es wirkte, als sässe irgendwo auf den Rängen des Büechenwald ein Drehbuchautor, der vergnüglich eine St.Galler Olma-Bratwurst verzehrend zusah, wie sein Drehbuch in die Tat umgesetzt wurde und der FC Dietikon durch Eggmann, seinen personifizierten Schreck, zurück in alte Muster gestossen wurde.

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