Fussball
Der FC Dietikon ist ratlos, hat den Mut aber trotzdem nicht verloren

Dietikons Trainer Goran Ivelj bleibt seiner Linie auch nach dem missglückten 1.-Liga-Auftakt treu: Er will trotz zwei Niederlagen mit einem Torverhältnis von insgesamt 0:10 an seiner offensiven Ausrichtung festhalten.

Raphael Biermayr
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Dietikons Trainer Goran Ivelj blickte nach dem 0:3 gegen Eschen/Mauren ins Leere

Dietikons Trainer Goran Ivelj blickte nach dem 0:3 gegen Eschen/Mauren ins Leere

Raphael Biermayr

Kann man jemandem Mut vorwerfen? Einem Fussballtrainer je nach Situation schon. Aus der vergangenen Super-League-Saison gibt es ein Beispiel dafür, als Raimondo Ponte den FC Aarau in Basel mit vier gelernten Stürmern und hoch pressend antreten liess – und mit 0:6 unterging.

Drei Ligen tiefer spielt sich Ähnliches ab. Goran Ivelj stellte die Dietiker in den ersten beiden Matches zumindest sehr offensiv ein: Die Limmattaler liefen in Mendrisio und gegen Eschen/Mauren in Konter und verloren 0:7 respektive 0:3. Das Wagnis kommt in eine Phase des grossen Umbruchs und wirkt sich deshalb in der noch nicht sattelfesten Rückwärtsbewegung doppelt stark aus.

Die Dietiker Angriffsausrichtung ist nichts Neues, sondern das Mantra von Trainer Ivelj. Kritiker – auch im eigenen Verein – halten ihm vor, dass er, der frühere Profiverteidiger, gar nicht anders spielen lassen kann. Er war zu Juniorenzeiten Stürmer und hängende Spitze, ehe er beim Grasshoppers-Nachwuchs vom damaligen Sportchef Erich Vogel zum Innenverteidiger auserkoren worden war.

Nicht belohnter Mut

Ivelj will die Spieler nicht in ein Defensivkorsett zwingen. «Ich liebe Offensivfussball und werde immer so spielen lassen», stellt der 36-Jährige klar. Das bewies er jüngst gegen die Liechtensteiner eindrücklich: In der ersten Halbzeit spielten Stürmer Meyer sowie die Flügel Di Lionardo und Renald Xhemo so hoch, dass sie als Drei-Mann-Sturm durchgingen. Zur Pause stand es 0:3 und der FCD war nach einer gelb-roten Karte (gegen Di Lionardo) nur noch zu zehnt.

Und was machte Ivelj? Er wechselte den defensiven Mittelfeldspieler Tasic aus und brachte den noch nicht fitten Goalgetter Dimita. «Luca hatte keine Testspiele absolvieren können und ich habe ihn einfach reingeworfen. Mit ihm wehte sofort ein anderer Wind vorn.»

Dieser Mut wurde letztlich nicht belohnt. Das lag aber nicht an der Massnahme selbst, sondern an der Unfähigkeit der Spieler, ein Tor zu schiessen. Das ging nicht spurlos an Ivelj vorbei. Nach dem Schlusspfiff stand er fast eine Minute lang auf dem Rasen und blickte ratlos ins Leere. «Es ist bitter, so viele Chancen zu haben und keinen Treffer zu erzielen», sagte der Trainer.

Trainer Ivelj bleibt optimistisch

Dennoch blickt er positiv in die Zukunft. Aus seinen Worten schwingt nicht Trotz, sondern Überzeugung mit, wenn er sagt: «Wir erzielen mit jedem Training grössere Fortschritte. In drei Wochen werden wir top sein.»

Der frühere Assistenzcoach in der U21-Equipe der Grasshoppers vergleicht die aktuelle Situation mit der Arbeit in einem U-Team. «Einige Spieler haben noch keine Erfahrung in der 1. Liga, andere waren nicht Stammspieler. Die Mannschaft muss sich erst finden. Das heisst für uns, dass wir Schritt für Schritt nehmen müssen», führt der Trainer aus. Er gebe den Spielern das Vertrauen und spüre dieses auch vonseiten des Vereins.

Die Atmosphäre im Team ist gut

Ende der vergangenen Saison prangerte Ivelj die Mentalität im Team an, sich an Niederlagen gewöhnt zu haben und nur noch das Nötigste zu tun. Dank der vielen Wechsel (18 kamen, 10 gingen) sei eine ganz andere Atmosphäre in der Equipe auszumachen. «Die Spieler trainieren weiter, nachdem ich das Training für beendet erklärt habe – sie sind einfach jung und hungrig.»

Bleibt die Frage, ob sie auch die nötige Geduld aufbringen, bis der Knoten platzt. Die nächsten Aufgaben bei Aufstiegsanwärter Locarno und in Balzers sind unter den aktuellen Bedingungen sehr hart. Klar ist jedoch: Goran Ivelj wird die Mannschaft offensiv ausrichten. Sein Mut ist ungebrochen.