Ein lautes Lachen hallt durch das kleine Trainerbüro unweit des Birmensdorfer Fussballplatzes Geren. Soeben sah sich Goran Gasic, seit zwei Wochen Trainer des FC Birmensdorf, mit der kritischen Frage konfrontiert, ob der 2.-Liga-Aufsteiger zum Punktelieferanten in der neuen Stärkeklasse verkommt. Schliesslich verlassen mit Topskorer Aleksandar Petrovic, Edeltechniker Adnan Mustafi, Captain Marko Filipovic und Abwehrchef Marden De Castro gleich vier Stammspieler den FCB.

Dennoch will Gasic nichts von einem bereits besiegelten Abstieg wissen, im Gegenteil: «Die Mannschaft wird sicher nicht schwächer sein als vergangene Saison.»

Dieses Selbstvertrauen kommt nicht von ungefähr, sind dem 40-Jährigen doch mit den Verpflichtungen des Ex-Schlieren-Bombers Giuseppe Sorrentino und dem ehemaligen Auxerre- und Kriens-Kicker Robert Popov zwei Transfercoups gelungen. «Zudem werden drei A-Junioren, die grosses Potenzial haben, in die erste Mannschaft integriert – und wir testen noch fünf, sechs Spieler», ergänzt er.

Für Aufsehen sorgte vor allem Sorrentinos Wechsel zum Dorfklub, der auch für den treffsicheren Italiener seine Null-Spesen-Politik nicht aufgibt. Gasic profitierte davon, dass aus ehemaligen grossen Konkurrenten um den Stammplatz im Sturm von Wettswil-Bonstetten Freunde fürs Leben wurden. «Wie auch ich musste sich Sorrentino nicht zweimal überlegen, hierhin zu wechseln. Jetzt ist er mein Assistenztrainer», so Gasic.

Grosse Profi-Erfahrung

Der Serbe sagt, dass er sich über die skeptische Berichterstattung rund um den FC Birmensdorf der Ausgabe 2015/2016 geärgert hat. Insbesondere das Wort «Umbruch» hört er nicht gerne, weil es zu negativ klingt.

Dazu akzeptiert Gasic, dass er als unerfahrener Trainer wahrgenommen wird – Birmensdorf ist seine erste Station als Cheftrainer – erinnert aber daran, dass er bis zu seinem 25. Lebensjahr 150 Spiele in der höchsten jugoslawischen Profiliga absolviert hat. «Das sind auch nicht so schlechte Erfahrungen», sagt der dreifache Familienvater. Dazu habe er in der Schweiz von der Zürcher Trainerlegende Hilmar Zigerlig und Wettswil-Bonstetten-Coach Martin Dosch sehr viel profitiert. Zigerlig sei für Gasic gar «wie ein Vater» gewesen.

In der Spielphilosophie von Dosch findet sich auch die Erklärung, weshalb Gasic als ehemaliger Torjäger mehr Wert auf Defensive statt Abteilung Attacke setzt. «Bei WB musste ich unter Martin viel gegen den Ball arbeiten. Zu Beginn hatte ich wenig Spass daran, aber mit der Zeit habe ich verstanden, wie wertvoll diese Arbeit für das Team ist», erzählt der vierfache Torschützenkönig. Deshalb definiert er den Erfolg eines Teams vor allem über «Disziplin, eine kompakte Defensive und schnelles Umschalten.»

Marschrichtung stimmt

Sich selber beschreibt er als eher kumpelhaften Typen, schliesslich ist er mit mehreren seiner Schützlinge befreundet. Gasic hebt aber den Mahnfinger: «Diese Freundschaft wird vor jedem Training beziehungsweise Match unterbrochen. Auf dem Platz bin ich sehr fordernd und ehrgeizig, verlange Respekt.» Diesen Respekt will sich der neue Übungsleiter auf der Geren auch in der Meisterschaft verschaffen, obwohl er sich durchaus bewusst ist, dass das primäre Ligaziel nicht mehr als «Klassenerhalt» heisst.

Realistisch wie Gasic findet: «Wenn sich der FC Birmensdorf in zwei, drei Jahren im Mittelfeld der 2. Liga etabliert, darf ich das als grossen Erfolg meiner Arbeit werten.» Das 2:2 im Testspiel am Donnerstag gegen den ambitionierten Aargauer Zweitligisten Wettingen (mit Trainer Beat Studer) ist ein erstes Indiz, dass die Marschrichtung stimmt.

Birmensdorf-Trainer Goran Gasic vor der neuen Saison

Birmensdorf-Trainer Goran Gasic vor der neuen Saison