Feuerwehrmann? Lastwagenfahrer? Weder noch. Urs Landis wollte Polizist werden, als er ein kleiner Junge war. «Pilot wäre auch eine Möglichkeit gewesen», schiebt er mit einem Lächeln nach. Seine berufliche Laufbahn hat den Goalie des EHC Urdorf zunächst in eine andere Richtung geführt.

Der Mediamatiker (eine Art Informatikallrounder) arbeitete vier Jahre auf seinem Lernberuf, dann holte ihn sein Bubentraum wieder ein. So steht ein angehender Polizist im Tor der «Stiere». Nachdem er am Mittwoch gegen Bassersdorf (4:5 nach Penaltys) wegen seiner Ausbildung gefehlt hat, steht er am Samstag in Bellinzona (20.15 Uhr, Centro Sportivo) wieder zur Verfügung.

Kurze NLB-Erfahrung

Eine Art Bubentraum war auch die Rückkehr des Bonstetters auf die Weihermatt. 1996 begann er in Urdorf seine Sportkarriere. Die führte ihn nach den Moskitos in die Organisation der ZSC Lions. Einmal durfte er als Back-up an einen NLA-Match mit, einmal kam er bei den GCK Lions in einem NLB-Match zu einem Teileinsatz: Vor sechs Jahren wurde er gegen Basel nach dem 1:5 eingesetzt und kassierte nach 21 Sekunden den ersten von zwei Gegentreffern.

Weil er «nicht ganz freiwillig» länger Militärdienst leisten musste als zunächst angenommen, wartete in Zürich keiner mehr auf ihn. Die Motivation schwand, das Aufhören schien verlockend. Ein Anruf aus Luzern stimmte ihn um. 2012 wechselte er nach Effretikon, bevor er im vergangenen Jahr doch noch zum EHCU zurückfand, wo auch seine Cousins Nicolas (gegenwärtig im Ausland) und Tobias (gegenwärtig verletzt) im Kader stehen.

Respekt vor dem Negativstrudel

«Ich habe es nicht bereut», sagt Landis über die Rückkehr. Damit spielt er auf den enttäuschenden Verlauf der vergangenen Spielzeit an. Urdorf holte in der Qualifikation nur zehn Punkte und rettete sich in der Abstiegsrunde doch noch vor der Relegation. «Wir hatten bald das Vertrauen in uns verloren und kamen in einen Negativstrudel, aus dem wir nicht mehr herausfanden», blickt Landis zurück, der zum ersten Mal mit dem Abstieg konfrontiert war.

Für die Goalies bildete sich eine besondere Belastungsprobe heraus. Bald nach Beginn der Spielzeit wandte sich die Mannschaft von Florian Wassmer ab und hin zu Neuling Landis. Wassmer steckte aber nicht auf, war in der Abstiegsrunde wieder die Nummer eins und trug wesentlich zum Verbleib in der 2. Liga bei.

Landis, der ohnehin wegen seiner Ausbildung häufiger in Trainings und bei Matches fehlte, war nur noch Zuschauer. Für ihn kein Problem: «Flo und ich kommen sehr gut miteinander aus und unterstützen den andern, so gut es geht.»

Dieses Zurücktreten von den eigenen Ansprüchen zugunsten der Mannschaft griff letztlich auf das ganze Team über, was der Grund war für den Ligaerhalt. Das Zusammengehörigkeitsgefühl gelte es denn auch zu stärken. «Wir müssen aufpasse, nicht wieder in den Strudel zu geraten», sagte Landis nach der durchzogenen Vorbereitung.

Das Missverständnis Wartenweiler

Die gipfelte in der Absetzung von Trainer François Wartenweiler wenige Tage vor Meisterschaftsbeginn. «Wir haben unter François nichts gemacht im Sommertraining und später auch auf dem Eis nicht. Ich glaube, er hatte das Niveau in der 2. Liga falsch eingeschätzt», schildert Landis.

Er sei froh, dass die Reissleine vor Saisonstart gezogen wurde. Unter Thomas Heldner und dessen Assistenten Adrian Casutt und Sandro Duttweiler wehe ein anderer, ein positiver Wind.

Dennoch: Stimmen die Resultate nicht, droht erneut eine Zerreissprobe. Nach den Niederlagen gegen Küsnacht und Bassersdorf ist der Fall unter den Strich nah. Während unter der ehemaligen Führung mit Wartenweiler und dem ebenfalls zurückgetretenen Sportchef Ruedi Haas die Playoffs als Ziel ausgegeben wurden, klingt es mittlerweile vorsichtiger. «Das Minimalziel ist der Ligaerhalt. Schafften wir die Playoffs, wäre das eine grosse Sache», sagt Landis. Dafür braucht es im Tessin einen Sieg.